Meinungsmelder Befragung
Rückkehr zur Atomkraft? Zwei Drittel der Meinungsmelder sind dagegen
Rückkehr zur Atomkraft? Zwei Drittel der Meinungsmelder sind dagegen
Trotzdem bleibt die Debatte um Kernkraft wohl bestehen. Unter anderem weil es Fürsprecher aus der Politik gibt – aber auch, weil bald wohl Castor-Behälter durch Bremen rollen.
Knapp zwei Jahre ist es her, dass die letzten deutschen Atommeiler vom Netz gingen. Abgeschlossen ist das Thema Kernenergie in Deutschland damit aber anscheinend nicht. Unter anderem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert immer wieder eine Rückkehr zur Atomkraft.
Damit steht Söder nicht allein da. Auch 29 Prozent der Radio Bremen Meinungsmelder wünschen sich, dass Deutschland wieder auf Atomkraft setzt. Rund zwei Drittel der 3.105 Befragten (67 Prozent) sind allerdings dagegen. Das ist das Ergebnis unserer Befragung.
Wie begründen die Meinungsmelder ihre Haltungen zur Atomkraft?
Die rund zwei Drittel der Befragten, die Atomkraft ablehnen, argumentieren vor allem mit den hohen Baukosten sowie mit Sicherheitsbedenken. "Wir müssen an die Kinder und deren Zukunft denken. Mit Atomkraftwerken sind auch wieder neue Ziele bei Angreifern da", sagt zum Beispiel eine 40-jährige Meinungsmelderin aus Weyhe.
Die Befürworter (29 Prozent der Befragten) argumentieren dagegen vor allem mit Unabhängigkeit bei der Energieversorgung und mit dem technischen Fortschritt. So sagt eine 64-jährige Meinungsmelderin aus Nordenham: "Die heutige Technik ist deutlich besser und produziert deutlich weniger Atommüll. Die Grundlast wäre abgedeckt und wir müssten keinen teuren Strom dazu kaufen."
Wieso liebäugeln Markus Söder und andere Politiker mit der Rückkehr zur Atomkraft?
Söder glaubt, dass Kernkraftwerke Deutschland unabhängiger bei der Energieversorgung machen können. Hinzu kommt, dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) neue EU-Fördermittel für Kernenergie angekündigt hat. Sie bezeichnete die Abkehr von der Atomkraft in diesem Zuge als Fehler. Einige Länder sind schon dabei, sogenannte "Mini-Atomreaktoren" zu entwickeln, darunter Großbritannien, Tschechien und Polen. Söder setzt sich dafür ein, dass Bayern Standort für einen Testversuch mit Mini-Atomkraftwerken wird.
Wie äußern sich andere Spitzenpolitiker im Bund und in Bremen zu Atomenergie?
In der Bundesregierung ist das Thema Atomkraft umstritten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nennt den Atomausstieg "irreversibel", bedauert dies jedoch. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) ist strikt gegen die EU-Pläne zur Förderung.
Bremens Umweltsenatorin Henrike Müller (Grüne) spricht im Zusammenhang mit Atomenergie von "einem gefährlichen Irrweg". Ähnlich ablehnend kommentierte kürzlich Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Die Linke) Söders Vorstoß. Sie sprach von einer "energiepolitischen Zeitreise".
Ließen sich Söders Mini-Kraftwerke sinnvoll realisieren?
Das ist zumindest fraglich. Der Ingenieurwissenschaftler Johannes Kiefer von der Uni Bremen glaubt nicht daran. Er sagt, dass der Strom aus kleinen Atomkraftwerken Schätzungen zufolge fünf- bis zehnmal so teuer sein werde wie der aus Windenergie: "Bei kleinen Atomkraftwerk spricht man derzeit von Leistungen im Bereich von etwa 300 Megawatt. Große Windkraftanlagen machen heute etwa 15 Megawatt."
Anders gesagt: Zwanzig Windkraftanlagen brächten die gleiche Leistung wie ein Atomkraftwerk. Vor diesem Hintergrund lohne sich der Bau der Atomkraftwerke nicht, glaubt Kiefer.
Das sieht das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) ebenso. Das Amt hatte bereits 2020/2021 ein Gutachten dazu in Auftrag gegeben. Es kommt zu dem Schluss: Die kleinen Kraftwerke wären unwirtschaftlich und ein Sicherheitsrisiko. Auch wäre ihr Bau keine geeignete Maßnahme, um dem Klimawandel zu begegnen.
Wieso rollen bald Castor-Transporte durch Bremen?
Dem BASE zufolge muss Deutschland im Ausland wiederaufbereiteten deutschen Atommüll zurücknehmen. In diesem Zusammenhang hat das BASE vor wenigen Tagen den Transport von sieben hochradioaktiven Behältern aus Großbritannien ins Zwischenlager Brokdorf in Schleswig-Holstein im Laufe dieses Jahres genehmigt.
Den genauen Zeitpunkt sowie die Route hat das BASE aus Sicherheitsgründen nicht bekanntgegeben. Auch das Zwischenlager Brokdorf hüllt sich dazu in Schweigen. Das Atomkraft-Gegner-Portal geht aber davon aus, dass die sieben Castor-Behälter zunächst nach Nordenham verschifft und von dort auf die Schiene geladen werden sollen. Danach würden sie auf der Schiene durch Bremen und Hamburg Richtung Schleswig-Holstein rollen.
Energiepreis-Schock: Das sagen die Radio Bremen-Meinungsmelder
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: buten un binnen, Dein Audio Update, 25. März 2026, 15:31 Uhr