Nackte Brüste in der Öffentlichkeit: Was ist Frauen in Bremen erlaubt?

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"Oben ohne für alle" in Bremen: Möglich oder nicht?

Ein nackter Oberkörper ist laut Innenbehörde keine Straftat. Denkbar sei allenfalls eine Ordnungswidrigkeit, "wenn sich jemand berechtigt gestört fühlt und das Verhalten grob ungehörig ist." (Symbolbild) Bild: dpa Bildfunk | Monika Skolimowska
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Dürfen Frauen mit nacktem Oberkörper durch die Stadt laufen oder im Freibad liegen? Was die Regeln in Bremer Bädern sind und was Frauen dazu sagen.

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Wenn Sofia Heuser am See entspannt, trägt sie meistens ein Oberteil. Bewusst verdeckt die Bremerin ihre Brüste mit Stoff. Nicht, weil sie ihren Körper verstecken möchte, sondern weil ihr andere Menschen ein ungutes Gefühl geben: "Ich will nicht angestarrt werden. Ich habe keinen Bock auf irgendwelche Kommentare oder darauf, dass mir jemand hinterherpfeift. Ich will einfach nur normal irgendwo sein." Und das auch mit nackten Brüsten. Sie will, dass alle Körper gleich behandelt werden.

Zusammen mit anderen setzt sich Heuser dafür ein, die weibliche Brust zu desexualisieren. 2022 demonstrierte sie deshalb als Teil der Gruppe "Feministischer Streik" im Horner Bad. "Um deutlich zu machen, dass weibliche Brüste nichts sind, was man einfach sexualisieren kann, sondern Körperteile sind", sagt sie rückblickend.

Nackter Protest

Mehrere Frauen sitzen und stehen "oben ohne" im Horner Bad. Einige halten Plakate vor ihre Gesichter.
Die Aktion im Horner Bad sorgte seinerzeit für Aufsehen. Bild: Radio Bremen

Rund 40 Menschen zeigten sich damals oberkörperfrei im Freibad. Mit Papierschildern machten sie auf ihre Forderungen aufmerksam: "Oben ohne" sollte beim Schwimmen, Sonnen und in anderen Situationen für alle Geschlechter normal sein.

Die Aktion sorgte für mediales Aufsehen. Am Ende wurden die Demonstrierenden von der Polizei aus dem Bad begleitet. "Mein Eindruck ist, dass danach viel über das Thema gesprochen wurde in Bremen, aber viel verändert hat sich eigentlich nicht", sagt sie. Auch heute fühle sie sich nicht komplett sicher, wenn sie oberkörperfrei ist. "Denn ich muss immer damit rechnen, sexualisiert zu werden." Sie hofft, dass sich das gesellschaftlich irgendwann verändert.

Ein Oberteil ist keine Pflicht

Nackt schwimmen ist in den Bremer Bädern zwar nicht erlaubt, aber "auf das Oberteil könne man verzichten", erklärt Daniela Haupt von den Bremer Bädern auf Nachfrage. Das gelte grundsätzlich für alle Menschen. Konkrete Regeln, die zwischen Frauen und Männern unterscheiden, gebe es nicht.

"Wir haben festgestellt, dass keinerlei Damen Interesse hatten, sich oben ohne zu sonnen oder schwimmen zu gehen", sagt Haupt. Deshalb sehe man keinen Bedarf, "oben ohne" extra zu verbieten oder zu gestatten. Probleme habe es mit dieser Handhabung bislang nicht gegeben.

Was sagen Frauen dazu?

Eine Statue zeigt eine Frau mit nacktem Oberkörper.
Frauen müssen in den Bremer Bädern kein Oberteil tragen, wenn sie nicht möchten. Bild: Imago | Pond5 Images

Im Horner Bad haben einige Frauen berichtet, dass ihnen nicht bewusst war, dass sie überhaupt oberkörperfrei ins Freibad dürften. Trotzdem würden die meisten der Befragten darauf verzichten – zumindest unter den aktuellen Gegebenheiten. "In einem abgezäunten Bereich fände ich das okay und könnte es mir vorstellen", sagt Badegästin Maike Gräwe. Ähnlich sieht es Besucherin Zine Mönch: "Die Leute schauen einen zwar nicht direkt an, aber vielleicht schon mit einem Auge – da würde ich mich einfach unwohl fühlen."

Nackte, weibliche Brüste provozieren oder ziehen zumindest Blicke auf sich. Anders als bei Männern, die selbstverständlich nur eine Badehose tragen. Und: Nicht selten fahren Männer nur mit einer Hose bekleidet Fahrrad oder joggen. Und das nicht einmal in der Nähe eines Sees, sondern teilweise mitten in der Innenstadt. Als Frau undenkbar – oder?

Nacktheit an sich ist nicht strafbar

"In Bremen gibt es kein Gesetz und keine Verordnung, die einen freien Oberkörper im öffentlichen Raum verbietet. Männer dürfen deshalb überall oberkörperfrei sein. Am See ebenso wie im Park oder in der Innenstadt", teilt das Bremer Innenressort auf Nachfrage mit. Für Frauen gelte rechtlich natürlich dasselbe. Grenzen können allerdings die Hausordnungen von Geschäften, Cafés, Bussen, Bahnen oder Schwimmbädern setzen.

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Ein nackter Oberkörper sei laut Innenbehörde keine Straftat. Die Erregung öffentlichen Ärgernisses setze eine sexuelle Handlung voraus. Das Zeigen von Brüsten gehört nicht dazu, so das Innenressort: "Denkbar ist allenfalls eine Ordnungswidrigkeit, wenn sich jemand berechtigt gestört fühlt und das Verhalten grob ungehörig ist." Ein Bußgeld sei die seltene Ausnahme. In den vergangenen vier Jahren sei das keiner Frau passiert.

Eine Frage der Erwartung

Also dürfte jede Frau einfach so mit nacktem Oberkörper durch die Stadt laufen? Ganz so pauschal lasse sich die Frage nicht beantworten, erklärt Rechtsanwalt Philip Martel: "Die Frage ist immer, wer ist drum rum, wer sieht es, wo bin ich? Weil das natürlich die Frage prägt, ob und inwieweit es einen Anstoß erregen kann."

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Ob die nackte Brust als anstößig empfunden werden könne, hänge davon ab, ob die Gesellschaft Nacktheit an dieser Stelle erwarte oder davon überrascht würde. Dann könne Nacktheit schneller als anstößig empfunden werden. Bei einem Mann sei ein freier Oberkörper erwartbarer – auch weil er sich gesellschaftlich etabliert hat. Aber generell werde in der Gesellschaft immer mehr akzeptiert, sagt Martel: "Die Rechtsprechung wird immer freier und im Grunde genommen wird immer mehr toleriert, weil sich natürlich auch unsere Gesellschaft in einem Wandel befindet."

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Bild: Janosch Schultz

Autorin

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. August 2026, 19:30 Uhr