Fragen & Antworten
Warum es in Bremen und umzu Widerstand gegen neue Windräder gibt
Windräder immer größer: Anwohner bei Schwanewede sorgen sich
In Bremen und im Umland werden neue Windkraftanlagen geplant und alte ersetzt – dabei geht es immer höher hinaus. Neue Räder sind bis zu 285 Meter hoch. Das ruft Protest hervor.
Worum geht es konkret?
Das Unternehmen Energiequelle stellt in der Rekumer Geest in Bremen zwei Anlagen mit einer Gesamthöhe von etwas mehr als 245 Metern und einer Nabenhöhe von 164 Metern auf. Derzeit wird der Bau vorbereitet, die Türme werden ab November errichtet. Bei dem Bauvorhaben handelt es sich um sogenanntes Repowering, also um einen Ersatz für alte Windräder.
Daneben befürchten in der Ortschaft Löhnhorst in der Gemeinde Schwanewede die Mitglieder einer Bürgerinitiative, dass in ihrer Nachbarschaft fünf Windräder mit einer Höhe von 285 Metern entstehen könnten. Zwischen den Ortschaften Löhnhorst und Eggestedt befindet sich – in der Nähe der A27-Abfahrt Schwanewede – die sogenannte Vorrangfläche 5. Der Landkreis führt an, dass bisher weder über Flächen noch über Zahl und Höhe möglicher Anlagen entschieden sei. Doch die Bürger gehen fest davon aus, dass ein Investor dort fünf Windräder mit einer Höhe von 285 Metern auf die Wiesen und Felder stellen wird. Zum Vergleich: Alte Windräder sind zum Teil nur 100 Meter hoch.
Wie sehen die Anwohner in Rekum die Pläne?
Dort regt sich Protest. Die Rekumerin Marlene Stitz hat eine Petition gegen die Windräder eingereicht. Darin wehrt sie sich gegen eine "Verschandelung der Landschaft", gegen Lärmentwicklung und Schlagschatten. "Wir fordern die Stadt Bremen auf, den Bau der überdimensionierten Anlagen sofort zu stoppen", sagt Stitz. In Online-Kommentaren äußern sich Anlieger ähnlich. "Wir wohnen in Rekum in unmittelbarer Nähe zu den Anlagen und empfinden den Bau der Anlagen als Eingriff in unseren persönlichen Rückzugsort", kommentiert ein Bürger auf www.openpetition.de. Von einer Schande für den Ort ist die Rede. 183 Personen haben die Petition unterstützt. Der Bau in Rekum ist allerdings lange genehmigt.
Eine Bürgerinitiative hat sich um Thomas Stefes und Timo Schröder gebildet. Sie befürchten, so hohe Windräder an der Blumenthaler Aue, die dort fließt "würden die Lebensqualität und Gesundheit vieler Anwohner gefährden, zulasten von Baumbestand, Artenschutz, Trinkwasserschutz und Landschaftsbild gehen – und das bei zweifelhafter Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit". So steht es in einer Facebookgruppe, die sie ins Leben gerufen haben. Die Initiative hat Transparente an der Straße aufgestellt und Flugblätter an rund 1.000 Haushalte verteilt. Schröder ist sich sicher: "Vielen ist nicht klar, dass das geplant ist, und diejenigen, die es wissen, denen ist die Größenordnung nicht bewusst." Der infrage kommende Betreiber teilt mit, zum jetzigen Zeitpunkt könnten keine Details zu Standorten und Anlagentypen kommuniziert werden.
Wie begründet der Betreiber die Höhe der Anlagen?
Projektleiter Felix Busse vom Unternehmen Energiequelle erklärt, dass mit den neuen 245-Meter-Anlagen 12.000 Haushalte mit Strom versorgt werden könnten. Die alten Anlagen in der Rekumer Geest waren 100 Meter hoch und mehr als 20 Jahre in Betrieb. Mit den neuen Rädern könne der Stromertrag um das Achteinhalbfache gesteigert werden. Um mit Anlagen des alten Maßstabs einen ähnlichen Ertrag zu erzielen, wären seiner Aussage nach 17 oder 18 Windräder nötig gewesen. 2026 sollen die Windräder in Betrieb gehen. "Mit der neuen Technik sind wir in der Lage, die Flächen, die es gibt, bestmöglich zu nutzen", sagt Busse. Beim Diskurs mit den Anwohnern setzt Energiequelle nach Aussage Busses auf einen sachlichen Austausch.
Welche Pläne gibt es insgesamt im Landkreis Osterholz?
Bis Ende 2027 muss der Landkreis nach einer Vorgabe des Landes Niedersachsen 598 Hektar für Windenergie zur Verfügung stellen, bis Ende 2032 sollen es 773 Hektar sein, was rund 1,2 Prozent der Fläche des Landkreises entspricht, erklärt eine Sprecherin. Das Problem dabei: Gelingt es nicht, diese Ziele zu erreichen, gelten demzufolge "Windenergieanlagen als privilegiert zulässig und dürfen grundsätzlich überall im Landkreis errichtet werden". Der Landkreis hat sogenannte Vorrangflächen ausgemacht, über die jetzt diskutiert wird.
Welche weiteren Pläne für neue Windräder gibt es in Bremen?
Derzeit befasst sich die Behörde mit acht Verfahren – fünf in Bremen, drei in Bremerhaven. Dort laufen zwei Repoweringverfahren für insgesamt vier Windkraftanlagen.
Insgesamt geht es dabei nach Auskunft des Bremer Umweltressorts um zwölf Windräder, die eine Nabenhöhe von 120 bis 160 Metern haben. "Alle befinden sich auf Industrie- oder Gewerbeflächen in unmittelbarer Nähe zu Unternehmen, die durch Windenergie ihre Stromversorgung sicherstellen wollen", teilt die Sprecherin des Umweltressorts, Ramona Schlee, mit. Wann und ob die Anlagen gebaut werden, sei aber nicht absehbar. Grund seien die komplizierten Planungen auf Gewerbe- und Industrieflächen.
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. August 2025, 19:30 Uhr