Fragen & Antworten
"Grenzwertig": Wie extreme Hitze Bremens Feuerwehrleute belastet
Lagerhalle in Bremen-Hemelingen abgebrannt
Die Bremer Feuerwehr hat einen extremen Einsatztag hinter sich: fast 40 Lösch- und Hilfseinsätze, zwei davon stundenlang. Dabei machte sich vor allem die große Hitze bemerkbar.
Erst brannte am Dienstag in Bremen-Hemelingen eine Lagerhalle, wenig später standen drei Reihenhäuser in Kattenesch in Flammen. Beide Male rückte die Bremer Feuerwehr aus – mit Dutzenden Einsatzkräften und schwerer Ausrüstung. Eine große Belastung angesichts der Hitze.
Steigen an Hitzetagen die Einsatzzahlen der Bremer Feuerwehr?
Generell haben sich die Einsätze der Bremer Feuerwehr in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Wurden 2007 noch rund 2.300 Einsätze gezählt, waren es im Jahr 2023 mehr als 4.800 Einsätze. Die Feuerwehr führte das im vergangenen Jahr zwar auf immer häufiger auftretende Extremwetterereignisse zurück, allerdings eher auf Unwetter und Starkregen.
Auch laut Feuerwehr-Sprecher Christian Patzelt lässt sich keine direkte Verbindung zwischen akuter Hitze und mehr Bränden ziehen. "Es ist nicht generell so, dass die Feuerwehr an Hitzetagen häufiger zu Bränden alarmiert wird", sagte er. Auch wenn die Gefahr von Wald- und Flächenbränden steige. "Das ist aber vor allem für das Umland eine große Gefahr", erklärt Patzelt. Im Stadtgebiet fielen solche Einsätze meist eher klein aus.
Sind Feuerwehr-Einsätze bei hohen Außentemperaturen besonders fordernd?
"Jede körperliche Anstrengung bei starker Hitze ist kräftezehrend", sagt Patzelt. "Das potenziert sich im Feuerwehr-Einsatz nochmal." Denn nicht nur, dass die Temperaturen am Einsatzort noch einmal höher sind, auch die Schutzausrüstung ist alles andere als leicht. "Das ist ein schwerer, nicht atmungsaktiver Spezialanzug", sagt Patzelt. Und den tragen alle Einsatzkräfte im Gefahrenbereich. Hinzu kommt der Einsatz von Atemschutzgeräten.
Durch die hohen Temperaturen fielen auch die Pausen weniger erholsam aus. Und die wären am Dienstag wichtig gewesen. "Die Berufsfeuerwehrleute haben meistens im Vorfeld vor großen Einsätzen mindestens einige kleinere Einsätze abgeleistet, die Freiwilligen Feuerwehrleute kommen von der Arbeit und rücken dann aus", sagt Michael Schneider, der selbst als Einsatzleiter in Kattenesch war.
Am gestrigen Tag war das nochmal extremer: Einige Einsatzkräfte in Kattenesch waren bereits vorher in Hemelingen oder an anderen Einsatzstellen gefordert. Dann sind solche anstrengenden Folge-Einsätze gepaart mit den extremen Temperaturen grenzwertig.
Michael Schneider, Einsatzleiter der Bremer Feuerwehr
Zu den ohnehin belastenden Faktoren wie der Hitzeentwicklung durch die Brände und die enorme Rauchentwicklung seien noch die hohen Grundtemperaturen gekommen.
Wie helfen sich die Feuerwehrleute bei großer Hitze?
Vor allem bei den Kräften, die mit Atemschutzgeräten im Einsatz waren, haben die Einsatzleiter auf rasche Ablösung geachtet. "Sowohl bei dem Lagerhallenbrand als auch bei den Dachstuhlbränden in Kattenesch ist stark darauf geachtet worden, dass immer ausreichend 'frische' Atemschutzkräfte zum Austausch der arbeitenden Kräfte bereitstehen", sagt Schneider. Knapp 120 Mal wurden laut Feuerwehr am Dienstag Atemschutzgeräte genutzt.
Ich bin als Einsatzleiter natürlich nicht unter Atemschutz vorgegangen, aber der Einsatzstress und die Hitze haben mich auch stark gefordert. Ich habe immer wieder versucht, Schatten zu suchen und fühlte mich gleichzeitig verantwortlich, dass auch alle anderen Einsatzkräfte nicht zu sehr überlastet werden.
Michael Schneider, Einsatzleiter der Bremer Feuerwehr
Auch der Getränkeverbrauch stieg angesichts der hohen Temperaturen an. "Wir haben an beiden Einsatzstellen schnell Getränke nachgefordert, weil binnen weniger Minuten alles aufgebraucht war, was auf den Einsatzfahrzeugen war", sagt Schneider. Und auch eine Anwohnerin sorgte bei den Feuerwehrleuten für Erfrischung. "Bei unserer Einsatzlage in Kattenesch hat eine Bürgerin den Einsatzkräften mehrere Packungen Eis spendiert", sagt Schneider. "Das war wirklich eine tolle Geste."
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 2. Juli 2025, 6 Uhr