Interview

Wird dieser Bremerhavener Deutschlands "Lieblingsbusfahrer"?

Audio
Busfahrer Mehmet Yurtsever sitzt auf dem Fahrersitzt, lächelt und winkt

Wird dieser Bremerhavener Deutschlands "Lieblingsbusfahrer"?

Mehmet Yurtsever ist als "Lieblingsbusfahrer" nominiert. Bild: Radio Bremen
Audio-Ende

Mehmet Yurtsever hilft, wo er kann, und hat immer ein Lächeln parat. Jetzt ist er für einen bundesweiten Preis nominiert.

buten un binnen bei Google bevorzugen

Bei der Aktion "LieblingsbusfahrerIn" von der Deutschen Bahn und Pro Bahn konnten Fahrgäste ihre persönliche Geschichte erzählen. Aus tausenden Einsendungen wurden 30 Busfahrer aus ganz Deutschland nominiert. Einer davon: Mehmet Yurtsever aus Bremerhaven.

Über ihn heißt es: "Er transportiert nicht nur Menschen von einer Haltestelle zur nächsten – nein, er schenkt ihnen ein Gefühl von Sicherheit, Freundlichkeit und manchmal sogar Hoffnung. Genau deshalb ist Mehmet für viele mehr als nur ein Busfahrer." Wir haben mit ihm gesprochen.

Herr Yurtsever, wie sind Sie zu dem Job als Busfahrer gekommen?

Als Kind war ich viel im Bus unterwegs und habe oft rechts neben dem Busfahrer gesessen und selber gedacht: "Ich bin der Busfahrer." Früher habe ich mir da eigentlich nie was bei gedacht. Als ich dann älter wurde, habe ich dann mehrere Jobs gemacht, meine Ausbildung gemacht – und dachte mir dann so: Ich brauche mal was Neues im Alltag.

Ich bin gerne mit Fahrzeugen unterwegs und habe mir gedacht: Bewirbst du dich einfach mal bei Bremerhaven Bus, um zu gucken: Vielleicht klappt das ja. Ich habe die Zusage bekommen, hier angefangen – und bereue keinen einzigen Tag.

Was macht den Job für Sie aus?

Es macht mir mega viel Spaß, auch der Umgang mit Menschen. Für mich ist das ein Job, in dem ich mein Leben lang bleiben möchte. Ich bin ein Mensch, der viel auf Menschen zugeht.

Alleine schon dieses Danke, auch wenn man an der Bushaltestelle wartet, wenn dann eine Omi angelaufen kommt, man dann da wartet und die dann einfach mal "Danke" sagt, das ist eigentlich für mich das beste Zeugnis dafür, dass ich meinen Job richtig mache und es macht mir auch mega Spaß. Da nehme ich auch gerne eine oder zwei Minuten in Kauf, aber Hauptsache, dass ich weiß, dass die Dame zum Beispiel gesund und gut irgendwo ankommt.

Was haben Sie vorher gemacht?

Vorher habe ich kommissioniert (Waren aus einem Lager zusammenstellen, Anmerkung der Redaktion) und auf der Werft gearbeitet. Das war alles auch schön und gut, es hat auch Spaß gemacht, aber es hat mich nicht ansatzweise so erfüllt wie dieser Job hier.

Busfahrer Mehmet Yurtsever sitzt auf dem Fahrersitz, lächelt und schaut in die Kamera
Yurtsever trifft während seiner Schichten auf viele verschiedene Charaktere – und er liebt seinen Job. Bild: Radio Bremen

Man hört ja auch manchmal, dass Ihr Berufsstand bepöbelt und angegriffen wird. Wie haben Sie das bisher erlebt?

Wir geben ja unser Bestes und man kann nicht immer pünktlich sein, weil der Straßenverkehr es einfach nicht zulässt oder da irgendwelche Baustellen sind. Ich kann das nachvollziehen, wenn man zum Beispiel seinen Anschluss nicht bekommt, dass die dann sauer sind, aber wir geben unser Bestes und alles, was in unserer Macht steht, dass wir die Person rechtzeitig irgendwo hinbringen. Das ist das, was wir versuchen, aber immer klappt es nicht. Ich kann das nachvollziehen, dass manche Menschen angefressen sind. Aber dann lächelst du die an, erklärst denen das vernünftig und dann verstehen die meisten das dann auch schon.

Wie ist das, der Lieblingsbusfahrer 2026 zu sein?

Es ist schön. Eine schöne Auszeichnung, aber für mich ist das so, dass jeder Kollege hier in der Firma oder auch anderswo einfach einen guten Job macht. Klar: Manche haben gute und manche mal schlechtere Tage, aber im Endeffekt macht jeder einen guten Job in diesem Bereich. Ich ziehe vor jedem Busfahrer den Hut, der diesen Job macht und das mit so viel Gewissen. Ich finde das echt stark!

Man hat ja auch viel Verantwortung...

Man hat ja Menschen im Bus, man kann keine Vollbremsung machen, wie zum Beispiel ein Lkw oder ein Auto. Man muss immer noch mitbedenken, dass Menschen hinten drin sitzen. Durch diese Fliehkräfte sind die Menschen, die stehen, ja viel mehr gefährdet. Es gibt so wenig Busunfälle, wo Menschen so schwer verletzt werden, weil viele eine gute Ausbildung in diesem Job hatten und wirklich ihr Bestes geben.

Wie war es für Sie, zum ersten Mal am Steuer eines Busses zu sitzen?

Das war in der Fahrschule. Fahrlehrer Jonny, der hat nach 20 Stunden gesagt: Ich könnte dich jetzt zur Prüfung hinschicken. Das war für mich schon ein großes Lob. Er hat uns auch echt viel beigebracht und war auch richtig gut als Fahrlehrer. Aber es war ungewohnt: Es ist ein größeres Fahrzeug. Nach einer gewissen Zeit hat man schon das Gefühl: Man hat das Handling dafür und dann fühlt sich das schon an wie Autofahren, nur dass man nicht so bremsen kann wie beim Auto.

Was sagen Ihre Freunde und Familie zu ihrem Beruf?

Meine Mutter ist hellauf begeistert, weil sie das auch schon als Kind gesehen hat, dass ich dafür brenne. Die Freunde freuen sich auch, weil die dann in den Bus einsteigen und dann "Hallo" sagen. Und ich freue mich dann auch immer. Es ist immer schön, wenn dann auch Freunde einsteigen, die man dann kennt. Das macht echt Spaß.

Wird der Job denn auf Dauer nicht langweilig?

Nein, es ist jeden Tag etwas Neues. Man hat unterschiedliche Dienste. Die Fahrpläne ändern sich, beispielsweise zur Sail. Ich bin schon jede Strecke gefahren, die es in dieser Firma gibt. Aber dann kommen ja immer neue Sachen dazu, auch wegen Umleitungen oder Baustellen. Das macht den Job abwechslungsreich. Auch durch die Fahrgäste hat man immer neue Situationen, die man so noch nie gekannt hat.

Video

Lieblingslinien und Pausen-Fotos: Das ist Bremens Bus-Influencer

Bild: Radio Bremen
Video-Ende
  • Elektro statt Diesel: 50 neue Busse für Bremens Linienverkehr

    In Bremen-Nord fahren die Linienbusse bald nur noch elektrisch. Die 50 neuen Busse sollen die alten Dieselfahrzeuge ersetzen. Die BSAG spricht von einem Meilenstein.

  • Hostel, Fähre, Bus: Diese Bremerhavener sorgen für einen guten Urlaub

    Während andere Urlaub machen, sorgen diese drei Bremerhavener dafür, dass für die Gäste alles reibungslos läuft. Das ist nicht immer einfach.

Autor

  • Ein Mann mit Brille und Bart lächelt in die Kamera.
    Nils Braunöhler

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 20. August 2026, 6:10 Uhr