Nordderby, aber friedlich: Frauen-Fußball tickt einfach anders
Wie ist die Stimmung bei Werders Fußballerinnen vor dem Nordderby?
Fußball-Spiele zwischen Werder und dem HSV sind von Hass und Ausschreitungen geprägt. Das erste Frauen-Nordderby wirbt im Weser-Stadion mit komplett anderer Atmosphäre.
Werder Bremen gegen den Hamburger SV, das ist jahrzehntelange, gelebte Antipathie im deutschen Fußball. Allerdings nur im Männer-Fußball. Wenn am Samstagabend um 17:45 Uhr die Fußballerinnen beider Klubs im Bremer Weser-Stadion gegeneinander antreten, wird eine ganz andere Atmosphäre herrschen.
Ich habe nie verstanden, warum man zum Fußball geht, nicht um Fußball zu feiern, sondern um sich zu kloppen oder aggressiv zu sein. Ich glaube, das ist der feine Unterschied zum Frauen-Fußball. Wir haben ein ganz anderes Publikum – viele Familien, viele Kinder.
Birte Brüggemann, Leiterin der Abteilung Mädchen- und Frauenfußball
Mit der giftigen Rivalität, die zwischen beiden Städten und beiden Vereinen von jeher ausgelebt wird, können die Bremer Fußballerinnen nichts anfangen. Der Konkurrenzkampf zwischen Werder und dem HSV findet als Konkurrentinnen allein sportlich auf dem Rasen statt.
"Hass und Aggression wollen wir nicht"
"Es fühlt sich immer gut an, ein Nordderby zu gewinnen", sagte Birte Brüggemann, Werders Leiterin der Frauen-Fußballabteilung, "aber eine Rivalität, die in Hass und Aggression überschwappt, wollen wir nicht. Wir wollen, dass es friedlich bleibt."
Nimmt man sich das letzte Duell beider Teams im Pokal-Halbfinale im vergangenen Jahr in Hamburg vor 57.000 Zuschauern, dann dürfte es auch in Bremen ein friedliches Sportereignis werden. Frauen-Fußball tickt anders und das ist auch gut so. Und das kommt bei vielen Fans an. 31.318 Tickets waren bis zum Donnerstagmittag schon verkauft, mit 38.000 Zuschauern wäre das Weser-Stadion am Samstag ausverkauft.
"Zeigen, dass es das Geld wert ist"
Ein neuer Rekord ist es in Bremen so oder so, das lässt auch Werders neue Trainerin Friederike "Fritzy" Kromp nicht kalt. Denn so eine Kulisse ist für sie an der Seitenlinie ebenso neu, bisher war sie bei Großveranstaltungen nur als TV-Expertin dabei. "15.000 Zuschauer waren für mich als Trainerin das Maximum", erzählte Kromp, "jetzt sind es doppelt so viele und mehr als beim letzten Mal – das macht uns stolz und zeigt, welche Begeisterung in der Stadt und der Region vorhanden ist."
Bei aller Vorfreude auf das erste Nordderby in der Frauen-Bundesliga sieht Kromp sich und ihr Team dadurch auch unter Druck, wenn auch im positiven Sinne.
Es gibt uns eine Verantwortung, der wir gerecht werden wollen. Wir sehen eine Chance darin, zu zeigen: Es lohnt sich, es ist das Geld wert. Und es ist auch die Übertragung wert.
Werder-Trainerin Friederike "Fritzy" Kromp
Werder will keine Eintagsfliege sein
Die Partie wird live in der ARD übertragen, dabei stach das Nordderby sogar das Topduell zwischen Bayern München und dem VfL Wolfsburg, das auch zur Auswahl stand, aus. "Es ist besonders, dass wir live in der ARD übertragen werden", betonte Kromp, "das ist eine Riesenehre und wir wollen zeigen, dass das kein One-Hit-Wonder ist."
Werder will keine Eintagsfliege sein, sondern Werbung für den Frauen-Fußball machen. Die große Bühne soll Lust auf mehr machen für jene, die vielleicht zum ersten Mal im Stadion sind oder zufällig ins Spiel gezappt haben. In Bremen durften die Fußballerinnen zuletzt vor einem Jahr im Weser-Stadion spielen, es ist ein seltenes Vergnügen, das bei Werder als "Highlight-Spiel" bezeichnet wird.
Wir haben immer nach den Highlight-Spielen eine Euphoriewelle, weil alle mit Gänsehaut nach Hause fahren. Danach kamen immer die Fragen, warum wir nicht öfter im großen Stadion spielen.
Birte Brüggemann, Leiterin der Abteilung Mädchen- und Frauenfußball
Warum nicht öfter im Weser-Stadion?
Die Frage stellt sich auch in dieser Saison wieder, in der die Bremerinnen zwei Spiele im Weser-Stadion bekommen haben. Bei Werder setzt man weiterhin auf die Philosophie, die seltenen Highlight-Spiele als etwas Besonderes zu verkaufen und damit Zuschauer anzulocken. "Wenn wir jedes Wochenende hier spielen würden, kämen nicht jedes Mal 30.000 Zuschauer", ist Brüggemann überzeugt: "Das zeigen der HSV, Nürnberg und Union Berlin."
Jene drei Vereine spielen alle Bundesliga-Partien in den großen Stadien, die ersten beiden aus Mangel an Alternativen und Union als bewusste Entscheidung. Voll sind die Stadien längst nicht bei jedem Spiel, dennoch sind die großen Stadien ein Statement. Der Frauen-Fußball erkämpft sich langsam immer öfter die große Bühne und eine Sichtbarkeit im Männer-dominierten Sport.
Kein Bedarf für Pyro-Technik
Werder will jedoch auch mit dem Frauen-Fußball Geld verdienen und nicht draufzahlen und agiert daher zurückhaltend mit der großen Bühne. Die übrigen Partien der Bremerinnen finden im Schatten des Weser-Stadions auf Platz 11 statt. Einem Stadion mit einer Kapazität von bis zu 5.000 Zuschauern, aber leider mit ausbaufähiger Fußball-Atmosphäre.
Umso mehr wird dieses Nordderby für das Trainerteam und die Spielerinnen ein Feiertag, bestenfalls ebenso für die Zuschauer. Werder und der HSV stehen als Achter und Neunter unmittelbar hintereinander in der Tabelle, die Bremerinnen gehen als leichte Favoritinnen ins Rennen. Beste Rivalität auf dem Rasen, das können die Fans am Samstag erwarten. Und bei Werder hoffen sie, dass nicht doch ein paar Wenige den Frauen- mit dem Männer-Fußball verwechseln werden.
Ich hoffe, dass es friedlich bleibt und bete, dass es keine Pyro-Attacken gibt. Das gab es im großen Stadion beim Frauen-Fußball bisher noch nicht. Da hoffe ich ganz stark auf unsere Fans, dass wir nicht die Ersten sind.
Birte Brüggemann, Leiterin der Abteilung Mädchen- und Frauenfußball
Spielplan
| Datum | Uhrzeit | Heim | Gast | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| 16.10.2026 | 18:30 Uhr |
SC Freiburg
Freiburg
|
RB Leipzig
RB Leipzig
|
Ergebnis:
-
zu
-
|
| 17.10.2026 | 12:00 Uhr |
1. FC Köln
Köln
|
Hamburger SV
Hamburg
|
Ergebnis:
-
zu
-
|
| 17.10.2026 | 14:00 Uhr |
Bayer Leverkusen
Leverkusen
|
Eintracht Frankfurt
E. Frankfurt
|
Ergebnis:
-
zu
-
|
| 18.10.2026 | 14:00 Uhr |
1. FC Union Berlin
Union Berlin
|
1. FC Nürnberg
Nürnberg
|
Ergebnis:
-
zu
-
|
| 18.10.2026 | 16:00 Uhr |
Werder Bremen
Werder
|
TSG Hoffenheim
Hoffenheim
|
Ergebnis:
-
zu
-
|
| 18.10.2026 | 18:30 Uhr |
1. FSV Mainz 05
Mainz 05
|
VfL Wolfsburg
Wolfsburg
|
Ergebnis:
-
zu
-
|
| 19.10.2026 | 18:00 Uhr |
Bayern München
FC Bayern
|
VfB Stuttgart
VfB Stuttgart
|
Ergebnis:
-
zu
-
|
Tabelle
| # | Mannschaft | Spiele | Siege | U | Niederlagen | Tore | Differenz | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 |
Bayern München
FC Bayern
|
6 | 6 | 0 | 0 | 19:6 | 13 | 18 |
| 2 |
VfL Wolfsburg
Wolfsburg
|
6 | 5 | 0 | 1 | 18:8 | 10 | 15 |
| 3 |
Eintracht Frankfurt
E. Frankfurt
|
6 | 4 | 1 | 1 | 11:6 | 5 | 13 |
| 4 |
Bayer Leverkusen
Leverkusen
|
6 | 4 | 0 | 2 | 12:9 | 3 | 12 |
| 5 |
Werder Bremen
Werder
|
6 | 3 | 1 | 2 | 10:8 | 2 | 10 |
| 6 |
SC Freiburg
Freiburg
|
6 | 3 | 1 | 2 | 8:7 | 1 | 10 |
| 7 |
1. FC Köln
Köln
|
6 | 3 | 0 | 3 | 10:8 | 2 | 9 |
| 8 |
VfB Stuttgart
VfB Stuttgart
|
6 | 2 | 2 | 2 | 8:12 | -4 | 8 |
| 9 |
RB Leipzig
RB Leipzig
|
6 | 2 | 1 | 3 | 10:9 | 1 | 7 |
| 10 |
1. FC Union Berlin
Union Berlin
|
6 | 2 | 0 | 4 | 8:11 | -3 | 6 |
| 11 |
TSG Hoffenheim
Hoffenheim
|
6 | 2 | 0 | 4 | 8:11 | -3 | 6 |
| 12 |
Hamburger SV
Hamburg
|
6 | 1 | 2 | 3 | 9:8 | 1 | 5 |
| 13 |
1. FC Nürnberg
Nürnberg
|
6 | 0 | 2 | 4 | 9:21 | -12 | 2 |
| 14 |
1. FSV Mainz 05
Mainz 05
|
6 | 0 | 0 | 6 | 3:19 | -16 | 0 |
Legende:
- Champions League
- Champions League Quali.
- Abstieg
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 9. Oktober 2025, 18:06 Uhr