Auf Schalke ein "Held": Baumann meldet sich in der Bundesliga zurück
Baumann wieder im Duell gegen Werder – Schalkes Bundesliga-Aufstieg
Bei Werder wurde Frank Baumann als Sportchef oft kritisch beäugt. Viele Fans waren froh, als er vor zwei Jahren ging – bei den Schalkern aber ist er nun der gefeierte Mann.
Als Anfang Mai nach dem 1:0-Sieg über Fortuna Düsseldorf auf Schalke die große Aufstiegsparty begann, fehlte einer der wichtigsten Männer auf dem Rasen. Während Spieler und Trainer die Bundesliga-Rückkehr feierten, blieb Frank Baumann auf der Tribüne. Kein ekstatisches Jubelfoto, kein Platz im schillernden Rampenlicht. Der Sportvorstand blieb vornehm im Hintergrund.
"Meine Verantwortung ist es eher, in den Vordergrund zu gehen, wenn es mal nicht so läuft", sagt Werders Double-Kapitän von 2004 im Gespräch mit buten un binnen. "Das habe ich in Bremen so gehandhabt. Und es gibt keinen Grund, das auf Schalke zu verändern."
Schalkes Aufstieg war eine große Überraschung
Schalke ist seit einem Jahr Baumanns neue Heimat. 26 Jahre lang hat der 50-Jährige in Bremen gelebt. Bei Werder war er Spieler und Funktionär. Als Sportchef verließ er den Klub im Sommer 2024 auf eigenen Wunsch. Zuvor stand er bei vielen Werder-Fans regelmäßig in der Kritik. Vor allem für seine Transferpolitik, das zu lange Festhalten an Florian Kohfeldt und den Fehlgriff Markus Anfang.
Mit den Schalkern gelang Baumann in seiner ersten Saison direkt der Aufstieg in die Bundesliga. Ein Erfolg, an den vor Beginn der Saison kaum einer geglaubt hatte. Entsprechend groß ist dort die Wertschätzung für ihn, wie Andreas Ernst, Schalke-Reporter bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, erzählt.
Frank Baumann ist bei Schalke 04 ein Held. Aber ein Held, der nicht im Mittelpunkt stehen will. Und es auch nicht macht.
Andreas Ernst, Schalke-Reporter bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung
Baumann kam ohne Vertraute aus seiner Werder-Zeit
Ernst ist bei den Schalkern ganz nah dran. Aus seiner Sicht hatte Baumann bei S04 zu Beginn Glück und Pech zugleich. Glück, weil der Klub zuvor nach einer äußerst schwachen Saison am Boden lag. Daher habe Baumann alles machen können. "Wenn er gesagt hätte: 'Ich schmeiße jetzt hier alle raus!'", glaubt Ernst, "dann hätte Schalke das auch gemacht."
Allerdings habe Baumann eben auch Pech gehabt, weil er aufgrund der mauen Finanzlage einen hohen Transferüberschuss erwirtschaften musste. Zugleich sollte er dennoch eine schlagkräftige Mannschaft zusammenstellen. Für viele galt der Job auf Schalke daher als einer der schwierigsten im deutschen Profifußball.
Baumann hat diesen bisher mit Bravour erledigt. Auch weil, da ist sich Ernst sicher, er sich komplett auf Schalke eingelassen hat. Alte Vertraute aus seiner Werder-Zeit hat der gebürtige Würzburger nicht mit zu den Königsblauen genommen. Im Herbst entschied er sich dazu, sich bei den Schalkern vom bisherigen Kaderplaner Ben Manga zu trennen. "Er hat gesagt: 'Ich gucke mir erstmal an, was da ist'", beschreibt Ernst Baumanns Wirken. "Dann hat er ganz sukzessive sein System und seine Ideen eingebracht. In aller Ruhe, aber konsequent."
Baumann hat bei Werder auch schwere Zeiten erlebt
Für diese stoische Ruhe stand Baumann in Bremen als Sportchef mitunter deutlich in der Kritik. An seine Zeit bei Werder denkt er nach wie vor gern zurück. Dabei war diese mit dem Abstieg 2021 und den extremen finanziellen Sorgen während der Corona-Pandemie nicht immer einfach.
Jeden Tag den Osterdeich entlangzufahren und im Weser-Stadion arbeiten zu dürfen, war immer etwas Besonderes. Ich habe das extrem genossen und Werder sehr viel zu verdanken.
Frank Baumann im Gespräch mit buten un binnen
Coach Muslic kam als "No Name" – und stieg direkt auf
Bei den Schalkern, oftmals als Chaosklub verschrien, ist es ihm gelungen, ebenjene Ruhe auf den gesamten Klub zu übertragen. Und während in Bremen nicht jede Trainerentscheidung von Erfolg gekrönt war, besaß er auf Schalke mit Miron Muslic ein goldenes Händchen.
Den gebürtigen Bosnier mit österreichischem Pass kannte im Ruhrpott vorher kaum jemand. Andere Kandidaten lagen in der Gunst der Fans deutlich weiter vorn. Muslic konnte aber rasch die Herzen erobern und aus Schalke ein Topteam formen.
Schalke soll wieder fester Bestandteil der Bundesliga werden
Nun wartet auf Baumann eine neue Herausforderung. "Wir werden alles dafür tun, uns in den nächsten Jahren in der Bundesliga zu etablieren", gibt er als Ziel aus. Mit Werder ist ihm dies nach dem Wiederaufstieg 2022 gelungen.
Sein Ex-Klub und Schalke scheinen auf den ersten Blick sehr unterschiedlich zu sein: auf der einen Seite das eher nüchtern-sachliche Bremen, auf der anderen Seite der hochemotionale Ruhrpottklub. Baumann allerdings erkennt zwischen Werder und dem S04 einige Parallelen.
Bremen und Schalke verbindet schon sehr viel, weil beide erstmal große Traditionsvereine sind. Die Probleme in der Stadt und der Region sind letztendlich ähnlich. Ich glaube, deswegen sind es auch zwei Standorte, wo der Fußball so eine große Bedeutung hat und die Identifikation sehr besonders ist.
Frank Baumann
Durch den Aufstieg ist klar, dass Baumann erstmals seit 1999 wieder als Gegner auf Werder treffen wird. Das Hinspiel findet Mitte Januar in der Schalker Arena statt. Mitte Mai kehrt er dann beim Rückspiel als Kontrahent ins Weser-Stadion zurück. "Ich hoffe", witzelt Baumann, "dass ich dann auch direkt den Weg in die Gästekabine finden werde."
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 6. Juli 2026, 18:06 Uhr