Warum Bremer Freizeiteinrichtungen um ihre Zukunft bangen

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Kein Geld mehr: Bremer Freizis bangen um ihre Zukunft

Eins von den vielen Freizeitzentren, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen: das Sasu in Oberneuland. Bild: Radio Bremen
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Ein neues Finanzierungsmodell soll die Standards in Freizeiteinrichtungen anheben. Doch einige Einrichtungen fürchten nun, dadurch schließen zu müssen.

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Donnerstagnachmittag, kurz nach 17 Uhr: Mohammad Al Nasough spielt Tischtennis, das macht er am liebsten in der Jugendfreizeiteinrichtung "Sasu" in Oberneuland. Fast jeden Tag kommt er vorbei, für den 12-Jährigen ist es ein ganz besonderer Ort. "Ich bin hier, weil es einfach toll ist. Wir haben Tischtennisplatten, wir haben einen Fußballplatz und einen Basketballplatz draußen", sagt er. Der Schüler ist eins von rund zwanzig Kindern, die täglich ins Sasu kommen. Doch wie lange noch, ist unklar. Denn die Einrichtung befürchtet, schließen zu müssen, weil ihnen das Geld ausgehen könnte.

Der Grund: Im Dezember vergangenen Jahres treffen Träger, Fachpolitiker und Behörde die Entscheidung, ein neues Finanzierungsmodell für die Bremer Kinder- und Jugendarbeit einzuführen. In Zukunft sollen der Sozialindex, die Jugendbevölkerungszahl im Stadtteil und die Tarifdynamik entscheiden, wie viel Geld eine Jugendeinrichtung bekommt.

Träger und Politik beschließen neues Finanzierungsmodell

Ziel ist es, die Qualitätsstandards in den sogenannten Freizis dadurch anzuheben: Jugendhilfeausschuss und Politik haben sich darauf geeinigt, dass ab 2027 geförderte Einrichtungen wie Freizis oder Jugendtreffs etwa zu einheitlichen Kernzeiten zwischen 15 und 20 Uhr unter der Woche geöffnet sein sollen. Je nach Größe variiert dabei die Anzahl der Wochen und Wochenendtage, an denen die Einrichtung im Jahr geöffnet sein muss. Außerdem müssen während der Öffnungszeiten immer mindestens zwei pädagogische Fachkräfte vor Ort sein. Die Standards, die jetzt noch von der Sozialdeputation angenommen werden müssen, sollen das Angebot für die Jugendlichen verlässlicher machen.

Jugendliche spielen an einem Kicker.
Freizis sind ein Treffpunkt für viele junge Leute. Bild: Radio Bremen

Der Vorstand des Sasu, Arne Martin, begrüßt diesen Schritt grundsätzlich. Gleichzeitig hat er aber auch Bedenken. "Entweder man müsste diese Standards aufweichen, sodass wir mit unserem Personalstand und unserer Finanzierung, die wir kriegen, weiter unser Angebot aufrechterhalten können", sagt Martin. "Oder man muss die Finanzierung anheben, sodass wir die Standards, die gefordert werden, auch umsetzen können".

Das Team vom Sasu hat Angst, mit seinem kleinen Budget die zukünftigen Standards nicht erfüllen zu können. Besonders Sorge macht ihnen eine Karte vom Sozialressort. Darin sind die derzeit bestehenden 34 Freizeiteinrichtung eingezeichnet. In einem "möglichen Szenario", wie es auf der Karte heißt, fallen acht davon weg. Darunter das Sasu, aber auch die Friese im Viertel und das Freizi Neustadt. 

Die Friese im Viertel äußert auf Nachfrage ebenfalls Bedenken, auch dort hat das Team die Befürchtung, ihr Angebot könnte wegfallen. Dennoch wollen sie dort erstmal abwarten, was in den kommenden Monaten passiert.

Angebot sei auch in gut situierten Stadtteilen wichtig

In der Sozialbehörde hält man Spekulationen über Schließungen für verfrüht. Noch sei nichts entschieden. "Es ist aber grundsätzlich klar, dass es weiterhin Angebote geben wird, die unterhalb des Labels Jugendfreizeitheim existieren werden", betont Nina Willborn, Sprecherin des Sozialressorts.

Es ist auch klar, dass sich womöglich, aufgrund der neuen Systematik, Änderungen ergeben werden. Aber welche das sind, kann man jetzt noch nicht voraussagen.

Nina Willborn, Sprecherin des Sozialressorts

Da die Anzahl der Jugendlichen vor Ort zukünftig mitentscheidet, wie viel Geld eine Einrichtung in Zukunft bekommt, haben es Freizis in gut situierten Stadtteilen wie Oberneuland besonders schwer. Dabei sei das Angebot auch hier wichtig, meint Arne Martin. "Oberneuland ist natürlich ein Stadtteil mit einer relativ hohen Einkommensstruktur", sagt er. "Aber das bedeutet nicht, dass die Jugendlichen hier keine Bedürfnisse und Probleme haben. Es sind halt andere Probleme, die hier aufgefangen werden", betont der Vorstand. 

Entscheidung über Einrichtungen bis 2027

Einrichtungsleiterin Lina-Marie Dorn kann das bestätigen. "Wir haben nicht nur die Kinder aus dem Mittelstand hier, sondern auch viele Jugendliche, die aus dem Übergangswohnheim oder Wohngruppen kommen", erzählt sie. Auch für sie würde ein wichtiger Ort dann im Fall einer Schließung wegfallen. 

Doch noch ist das Sasu auch für Jugendliche wie Mohammad Al Nasouh der Treffpunkt schlechthin. Er hofft, dass das auch so bleibt.

Hier sind so viele tolle Sachen, hier treffe ich mich mit Freunden. Hier ist es toll.

Mohammad Al Nasouh, Besucher des Sasu

Ähnlich geht es Pascal Ibeken. Der 17-Jährige besucht seit rund vier Jahren das Sasu regelmäßig. Die Einrichtung sei für ihn ein wichtiger Ausgleich, erzählt er, früher von der Schule, heute von der Arbeit. "Hier herrscht eine schöne, familiäre Atmosphäre", betont er. Der Wegfall einer solch wichtigen Einrichtung aber hätte fatale Folgen. "Es gibt so viele Jugendliche, die zuhause alleine sitzen, depressiv sind, und das Gefühl haben, sie seien allein", sagt er. "Hier hat man das Gefühl nicht. Hier sind kompetente Menschen, mit denen man reden und sich auch Hilfe suchen kann."

Wie es mit den Freizis in Bremen weitergeht, ist noch nicht entschieden. Träger, und Politik sind derzeit noch im Austausch darüber. Ob, und wenn ja, wie viele Angebote in Bremen wegfallen, soll, laut Sozialbehörde, bis 2027 entschieden werden.

Autorin

  • Autorin
    Leoni Hentschel

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Ausgust 2025, 19.30 Uhr