Wie ist die Lage auf dem Bremer Wohnungsmarkt?
Wie ist die Lage auf dem Bremer Wohnungsmarkt?
In Bremen eine bezahlbare Wohnung zu finden wird wegen der steigenden Mietpreise immer schwieriger. Gegenmaßnahmen der Politik haben bisher nur wenig Erfolg.
Im Land Bremen sind die Angebotsmieten in den letzten zehn Jahren um etwa die Hälfte gestiegen. Vereinfacht gesagt: Eine Wohnung, die 2016 noch 1.000 Euro im Monat gekostet hat, liegt heute in etwa bei 1.500. Gleichzeitig sind die Einkommen deutlich langsamer gewachsen. Gerade Menschen mit geringem Einkommen haben es schwer, eine vernünftige Wohnung zu finden. Aber auch Gutverdienende spüren inzwischen den angespannten Markt.
David aus Stade ist 29 Jahre alt und arbeitet als Ingenieur bei Airbus. Zusammen mit seiner Freundin sucht er eine Wohnung in Bremen. Obwohl beide finanziell gut aufgestellt sind, gestaltet sich die Suche schwierig. Bereits zum sechsten Mal sind sie nach Bremen gefahren, um sich mehrere Wohnungen anzuschauen.
Wir haben schon nach oben korrigiert, aber wir mussten es nochmal tun. Für die Warmmiete werden wir wohl über 1.300 Euro bezahlen müssen für das, was wir wollen.
David (29), auf Wohnungssuche in Bremen
Wohnungsmarktkrise in ganz Deutschland
Stark steigende Mieten sind allerdings kein rein bremisches Problem. Bremen gilt – wie viele andere deutsche Großstädte – als Gebiet mit angespanntem Wohnungsmarkt. Damit sind Regionen gemeint, in denen die ausreichende Versorgung mit Mietwohnungen zu angemessenen Bedingungen besonders gefährdet ist.
In Bremen kommt hinzu, dass vergleichsweise viele Menschen über geringe Einkommen verfügen. Laut Arbeitnehmerkammer gibt in der Stadt Bremen rund jeder dritte Mieterhaushalt mehr als 40 Prozent seines Nettoeinkommens für die Warmmiete aus. Ab dieser Schwelle gilt ein Haushalt als stark durch Wohnkosten belastet. In Bremerhaven betrifft das etwa jeden vierten Haushalt.
In Deutschlands größten Städten ist das Mietniveau teilweise noch deutlich höher. In München liegen die Angebotsmieten ungefähr doppelt so hoch wie in Bremen. Auch Berlin, Hamburg und Köln sind deutlich teurer.
Es war mal anders
Die Wohnkosten waren nicht immer so hoch. In den 1980er Jahren gab es in Deutschland fast dreimal so viele gemeinnützige Wohnungen wie heute. Wer solche Wohnungen damals angeboten hat, konnte von steuerlichen Vorteilen profitieren.
Die wurden aber 1989 abgeschafft und viele Wohnungen – auch kommunale Bestände – wanderten auf den freien Markt. Gleichzeitig wollten und mussten mit der Zeit auch immer mehr Leute in der Stadt wohnen. Gebaut wurde da aber zu wenig. Jetzt ist der Wohnraum knapp. Hohe Energiepreise und Baukosten verschlimmern das Problem.
Wohnungsbau läuft schleppend
Laut einer Studie des Pestel-Instituts fehlen in Bremen 13.000 Sozialwohnungen. Auch wenn das Bauressort, Teile der Untersuchung anzweifelt: Nur knapp drei Prozent aller Wohnungen in Bremen sind Sozialwohnungen. Große Städte wie Berlin, Köln und Hamburg haben da bessere Quoten.
Die Bremer Politik versucht, dagegenzusteuern, findet aber wenige Mittel. Zwar hat der Senat jüngst eine Förderung beschlossen – 140 Millionen Euro sollen für bezahlbaren Wohnraum investiert werden – die 600 Wohnungen, die entstehen sollen, sind angesichts der Lage, aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Wir schaffen es ja gerade mal so eben, das, was wegfällt, wieder nachzubauen. Das heißt: Wir stagnieren und das reicht natürlich nicht aus. Auf der anderen Seite sind die Baukosten aber so massiv gestiegen, dass wir ein Riesenproblem haben, den Wohnungsbau zu finanzieren.
Arne Sünnemann, Abteilungsleiter Regional- & Stadtentwicklung, Stadtumbau, Wohnungswesen
Auch das Umland ist teuer
Wer keine passende Wohnung in Bremen findet, kann nicht automatisch günstig ins Umland ausweichen. Gerade angrenzende Orte mit guter Verbindung in die Stadt haben inzwischen ein ähnlich hohes Mietniveau. Orte wie Achim, Lilienthal, Oyten, Stuhr gelten ebenso wie Bremen als "Gebiete mit angespanntem Wohnungsmarkt".
Nah und vergleichsweise günstig ist eigentlich nur Delmenhorst. Für viele Wohnungssuchende bedeutet das: Wer deutlich weniger zahlen will, muss häufig weiter aus der Stadt herausziehen – sofern es die eigene Lebenssituation zulässt.
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 8. Oktober 2026, 7:42 Uhr