Tristesse in Bremerhaven: Wie eine Dauerbaustelle für Frust sorgt

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Eine Straße neben einem Bauzaun vor einer Wiese
An der Weserstraße herrscht hohes Verkehrsaufkommen, hinter den Bauzäunen große Leere. Bild: Radio Bremen | Nils Fricke
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Seit über zehn Jahren ist in Wulsdorf eine neue Stadtteilmitte geplant. Doch nun ist der Investor abgesprungen – und der Stadtteil kämpft weiter mit Stress, Staus und Resignation.

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Ein Supermarkt, eine Drogerie und Wohnungen sollten in der Wulsdorfer Mitte entstehen. Grund für eine gewisse Zuversicht in der Nachbarschaft. Dafür wurden zwischen Weserstraße und Heinrich-Kappelmann-Straße Häuser abgerissen, ein Baugebiet eingezäunt, Genehmigungen eingeholt. Doch nun ist die Bremerhavener Dieckell-Gruppe als Investor abgesprungen.

Im Stadtteil klafft ein riesiges Loch

Oberbürgermeister Melf Grantz und Dirk Grotheer stehen mit Hammer und Schaufel auf der Baustelle
April 2019: Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD, rechts) und Dirk Grotheer von der Dieckell-Gruppe packen mit an. Bild: Radio Bremen | Joschka Schmitt

Die Baustelle klafft seit Jahren wie ein riesiges Loch im Stadtteil. Banner auf Bauzäunen preisen die Wulsdorfer Mitte mit den Worten: "Wohnen, Leben, Wohlfühlen". Für viele Wulsdorferinnen und Wulsdorfer bedeutet diese Baustelle aber das Gegenteil von Wohlfühlen. Eine verengte Verkehrsführung sorgt für Stress und Staus im Straßenverkehr. Es fehlt insgesamt an Aufenthaltsqualität.

Ein Kiosk schräg gegenüber der Baustelle ist zuletzt zum Treffpunkt auch für jüngere Menschen im Stadtteil geworden. Im Eingang steht ein Boxautomat, drinnen kann eine Spielekonsole genutzt werden. Gerade an Wochenenden ist hier oft viel los, sagt Mitarbeiter Yannik Mittag. An die Baustelle hat er sich mittlerweile gewöhnt.

Es ist, als ob die Baustelle zum Stadtteil dazugehört.

Ein Mann steht hinter einem Kiosk Tresen
Yannik Mittag, Kiosk-Mitarbeiter

Der Kiosk soll ein Ort sein, der wenigstens ein bisschen Beschäftigung bietet und an dem man sich wohlfühlen kann, sagt Mittag.

Resignation im Stadtteil

Ein Fernseher in einem Raum hinter einem Tisch
Freizeit im Wulsdorfer Kiosk. Bild: Radio Bremen | Nils Fricke

Gegenüber vom Kiosk liegt ein Optiker. Betreiber Kay Aretz hat die Entwicklung der Baustelle in seiner Nachbarschaft miterlebt. Parkplätze vor der Tür habe es ohnehin nie gegeben, aber das Verkehrsaufkommen sei deutlich spürbarer durch die Schaltung der Baustellenampeln. Wenn er mit Menschen über die Dauerbaustelle spricht, spürt er vor allem Resignation.

Die Leute hier fühlen sich so ein bisschen, ja, man fühlt sich verarscht.

Ein Mann steht an einer Straße
Kay Aretz, Optiker-Betreiber

Südlich von der Baustelle für die neue Wulsdorfer Mitte befindet sich ein Hörgerätegeschäft. Betreiberin Carola Ise arbeitet hier seit drei Jahren, hat aber mitbekommen, wie lange sich die Baustelle in ihrer Nachbarschaft schon zieht.

Enttäuschung über Investor-Absprung bei Anliegern

Die Idee, hier einen Supermarkt und eine Drogerie anzusiedeln, findet sie sehr gut. Besonders, weil sich die nächste Drogerie erst drei Kilometer weiter in Geestemünde befindet. Entsprechend enttäuscht war sie von der Nachricht, dass jetzt erstmal ein neuer Investor für das Projekt gefunden werden muss.

Es müsste nur passieren, solange wir noch leben.

Eine Frau lehnt an einen Türrahmen
Carola Ise, Hörgerätegeschäft-Betreiberin

Die Stadt will jetzt Gespräche mit potenziellen neuen Investoren aufnehmen. Die bestehende Baugenehmigung soll erhalten bleiben. Das trostlose Gefühl vieler Menschen in der Nachbarschaft dürfte also vorerst noch andauern.

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Autor

  • Nils Fricke
    Nils Fricke

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, Next am Nachmittag, 4. Juni 2026, 15:50 Uhr