Interview

Astronaut Gerst will bei Mondflug dabei sein: "Würde mich freuen"

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Vier Männer stehen zwischen Modellen von Satelliten.

Astronaut Alexander Gerst: Wichtig, eigene Prioritäten zu bestimmen

Alexander Gerst (2. von rechts) war bereits mehrfach im Weltall. Bild: Anna-Lena Borchert
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Das Bremer Airbus-Werk arbeitet an der US-amerikanischen Mondmission Artemis mit. Darum hält ESA-Astronaut Alexander Gerst diese Beteiligung für fundamental wichtig.

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Im Bremer Airbus-Werk wurde am Montag ein Bauteil übergeben, das in der nächsten NASA-Mondmission zum Einsatz kommen soll. ESA-Astronaut Alexander Gerst war bereits mehrmals im Weltall und ordnet im Interview ein, welche Rolle der europäische Beitrag spielt.

Herr Gerst, wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung in der Raumfahrt? Welche Bedeutung hat sie zurzeit?

Es ist relativ klar, dass Raumfahrt in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Es geht um Kommunikation, Navigation, Klimaschutz, Wettervorhersage, Erdbeobachtung und auch Verteidigung. In ganz vielen Bereichen ist Raumfahrt zentral. Deswegen ist es fundamental wichtig, dass Deutschland und Europa auch die eigenen Prioritäten selbst bestimmen können: Dass wir nicht nur per Anhalter mitfliegen, sondern dass wir diese Fähigkeiten selbst beherrschen.

Noch fliegt die ESA aber nur mit. Was bedeutet der europäische Beitrag zum Artemis-Programm für die europäischen Astronauten?

Es ist großartig, dass Europa sich entschieden hat, mit dabei zu sein. Man muss realistisch sagen, das Programm würde sonst auch ohne uns stattfinden. Deswegen ist es gut, dass wir dabei sind. Sonst würden wir hinten runterfallen und andere würden den Mond erkunden mit all den Vorteilen.

Wissenschaftlicher, aber auch wirtschaftlicher Natur ist es auf jeden Fall gut für Europa, dass wir einen Fuß mit in der Tür haben. Es zeigt, dass wir ein verlässlicher Partner waren in den letzten Jahrzehnten. Sonst hätten wir diesen Job nicht bekommen, das ist ein großes Kompliment. Wenn wir nicht die besten darin wären, dann hätten wir diesen Auftrag bestimmt auch nicht so bekommen.

Das European Service Modul besteht aus rund 20.000 Einzelteilen. Da darf nichts schiefgehen. Wie viel denken Sie als Astronaut darüber nach, dass ihr Leben eigentlich davon abhängt, dass hier gerade alle alles richtig gemacht haben?

Man kann natürlich nicht jede einzelne Schraube selbst kontrollieren. Deswegen ist es so schön, hier in Bremen mit den Leuten zu sprechen, die das bauen. Das sind Leute, die mit viel Herzblut diesem Job nachgehen. Die dann, das finde ich irgendwie am schönsten, nach Hause gehen können und zum Beispiel zu ihrer Tochter sagen können: Schau mal, die Mama hat heute an einem Raumschiff gebaut, das bald Menschen zum Mond schickt.

Wird das Raumschiff denn auch Sie zum Mond bringen? Wie sind Ihre persönlichen Ambitionen, selbst mitfliegen zu dürfen?

Ich würde mich natürlich sehr freuen. Ich bin ein Entdecker durch und durch. Ich habe schon immer geliebt, ein bisschen Licht in die Dunkelheit zu tragen – auch mit meinen Expeditionen in die Antarktis oder zu aktiven Vulkanen. Ich finde es wichtig, an Orte zu gehen, die vielleicht lebensfeindlich und extrem sind. Von dort kann man Dinge mit zurückbringen, die uns hier vor Ort auch helfen.

So ist es eben auch, wenn man zum Mond fliegt. Das sind ganz wichtige Erkenntnisse, die uns vielleicht irgendwann mal vor einem Meteoriteneinschlag schützen oder uns verraten, wie das Leben auf der Erde entstanden ist.

Wenn wir nicht die besten darin wären, dann hätten wir diesen Auftrag bestimmt auch nicht so bekommen.

ESA-Astronaut Alexander Gerst

Jetzt mal angenommen, Sie dürfen mit auf dem Mond. Was würden Sie dort als Erstes machen?  

Als Erstes muss man schauen, dass die Landefähre gut steht und checken, dass man wieder wegfliegen kann. Ich denke, eines der ersten Dinge, die man machen würde, ist: schnell Proben sammeln. Falls man schnell wieder gehen muss, weil vielleicht ein technisches Problem aufgetreten ist. Dann hätte man zum Beispiel schon ein paar Gesteinsproben dabei. 

Was ist eigentlich so reizvoll am Weltraum? Immerhin ist alles da draußen tödlich.

Mich reizt am Weltraum die Perspektive, die er bietet. Ich bin auf diesem wunderbaren Planeten aufgewachsen und hatte das Gefühl, alles ist unendlich: die Bäume, das Meer, die Wälder, die Luft, das Öl vielleicht auch. Wenn man das von außen sieht, dann wird einem plötzlich bewusst, dass das ein absurder Gedanke ist.

Von außen gesehen ist das wirklich drastisch. Es ist sichtbar, dass die Erde nur eine kleine blaue Kugel mit einer hauchdünnen und zerbrechlichen Atmosphäre oben drauf ist. Und dass wir uns eigentlich eher so verhalten sollten, als wären wir allesamt auf einem kleinen blauen Raumschiff oder auf einem Rettungsboot. Das ist nochmal ein bisschen etwas Anderes, als wenn man das nur mit einem Satellitenfoto sieht. Das zu transportieren ist für mich persönlich ein großes Anliegen.

Was haben Sie persönlich von Ihren Reisen ins All mitgenommen?

Dass es sich lohnt, bei einem Problem oder einer Herausforderung, einfach mal innezuhalten, einen Schritt zurückzugehen und die Sache von außen anzuschauen. Und dann sieht es schon nicht mehr ganz so groß und überwältigend aus. Man kann so mit nur ein bisschen Übersicht ganz viele Lösungswege erkennen, die einem vorher vielleicht nicht so aufgefallen sind.

Ich habe gelernt, dass man an viele Situationen einfach mit ein bisschen mehr Ruhe rangehen muss. Das ist ganz vielen Astronautinnen und Astronauten eigen, die mal so weit rausgeflogen sind in diese lebensfeindliche Umgebung.

Video

Comeback auf dem Mond: Bremen liefert Raumschiff-Modul

Bild: Radio Bremen
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Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 10.11.2025, 17.10 Uhr