Interview

Gestrichene Lehrerwochenstunden in Bremen – das sagt die Senatorin

Audio
Bremens Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD) sitzt in einem Klassenzimmer an einem Tisch und spricht mit einer Schülerin.

Gestrichene Lehrerwochenstunden in Bremen – das sagt die Senatorin

Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD) ist für die Schulen in Bremen zuständig. Bild: dpa | Carmen Jaspersen
Audio-Ende

Zum neuen Schuljahr fehlen in Bremen 2.400 Lehrerwochenstunden. Was bedeutet das für die Unterrichtsversorgung? Das wollte Bremen Zwei von Sascha Aulepp wissen.

buten un binnen bei Google bevorzugen

Die Schule beginnt im Land Bremen wieder. Frau Aulepp, wenn Sie an Ihre Schulzeit zurückdenken, würden Sie sagen, dass die Schule heute besser, schlechter oder einfach nur anders ist?

Der Umgang der Kolleginnen und Kollegen an den Schulen mit den Kindern und Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat sich glaube ich schon verändert. Der ist respektvoller geworden, ist mehr auf Augenhöhe, partnerschaftlich. Das war zu meiner Zeit schon noch etwas anders.

In Bremen mussten knapp 2.400 Wochenstunden gestrichen werden. Das entspricht ungefähr 90 Vollzeitstellen. Das soll aber keine Folgen für Unterricht und Neueinstellungen haben. Man vertraut auf kreative Lösungen, heißt es. Wie könnten die denn aussehen, da wo Lehrer fehlen?

Ganz klar ist, dass die Stunden, die an den Schulen für die Unterrichtsversorgung notwendig sind, gesichert sind. Wir haben im Land Bremen eine Landeszuweisungsrichtlinie. Das heißt, mehr Klassen bedeutet automatisch auch mehr Lehrkräfte. Das gibt es in anderen Bundesländern so nicht. Da müssen die Kolleginnen und Kollegen um mehr Lehrkräfte kämpfen, wenn es mehr Schüler gibt. Und nach dieser Landeszuweisungsrichtlinie gibt es Zeit für Unterricht und für Förderaufgaben, für Entlastung und für besondere Maßnahmen. Und wir haben in den vergangenen Jahren eine ganze Menge an Maßnahmen und Aufgaben mit unterstützt. Und nun mussten wir sagen, das passt nicht mehr in diese Zuweisungsrichtlinie.

Also noch einmal zum Verständnis: Das heißt, dass es weniger Zeit gibt, um Unterricht vorzubereiten oder heißt das, dass wenn Lehrer krank werden, es keinen Ersatz gibt?

Das heißt, dass für die zusätzlichen Aufgaben, die an Schulen gemacht werden, jetzt so viele zusätzliche Stunden gegeben werden, wie nach der Landeszuweisungsrichtlinie vorgesehen sind.

Das habe ich immer noch nicht verstanden. Wenn ich hier Kinder an der Schule habe, was bedeutet es für mich, dass die 2.400 Wochenstunden gestrichen werden?

Für den Unterricht bedeutet es überhaupt nichts. In der Praxis jetzt in diesem Schuljahr bedeutet es auch überhaupt nichts, weil alle Einstellungen erfolgt sind, die erfolgen sollten und die Schulen mit diesen Kolleginnen und Kollegen auch rechnen sollen.

Heißt das, dass es keine Folgen hat, wenn Lehrer krank sind?

Wir haben diese sogenannten Vertretungsanlässe zum Beispiel wenn Lehrkräfte langzeiterkrankt sind oder Schwangerschaften da sind. Dafür gibt es auch Stunden, das sind die normalen Lehrerwochenstunden. Da gibt es dann eben die Kräfte unter anderem von der Stadtteilschule, die kommen. Aber die Frage, wie Schulen damit umgehen, dass sie für zusätzliche Aufgaben eben nicht zusätzliche Lehrerwochenstunden bekommen, das ist etwas, das im Einzelgespräch mit den Schulaufsichten und den Schulleitungen geklärt werden muss.

Immer wenn es um Schulen geht, geht es auch um das Thema Geld. Das heißt, immer ist nicht genug Geld da. Für Renovierungsarbeiten, für mehr Lehrer und so weiter. Sind da die Ansprüche zu hoch aus Ihrer Sicht oder ist es so, dass das Geld an der falschen Stelle ausgegeben wird?

Wir haben in Bremen riesige Herausforderungen. Wir haben Schülerinnen und Schüler, die mit Päckchen in die Schule kommen, das ist einzigartig im Bundesgebiet. Und natürlich bedeutet das auch, dass Schule da deutlich mehr leisten muss. Dass Lehrkräfte den Kindern eben nicht nur Lesen, Schreiben, Rechnen beibringen, sondern, dass sie auch Begleiter sind. Dass sie ganz wichtige Bezugspersonen sind und die Räume müssen dem entsprechen. Wir haben viel mehr Schülerinnen und Schüler zusätzlich, in keinem anderen Bundesland sind die Zahlen so gestiegen. Und natürlich brauchen wir dafür gutes, qualifiziertes Personal, zum Beispiel für Sprachförderung. Wir brauchen Räume für all diese Kinder. Wir können nicht einfach alle Klassen voller stopfen. Das kostet einfach Geld. Wer an Schule heute spart, zahlt morgen doppelt. Gerade in Situationen wie hier in Bremen.

Zurück zu meiner Frage: Wird das Geld an der falschen Stelle ausgegeben?

Es ist wichtig, dass Schulen gut ausgestattet sind und dafür müssen dann auch die Mittel bereitgestellt werden. Wir bekommen immer Hamburg als leuchtendes Beispiel vorgestellt. Die geben eben pro Schülerin und Schüler auch deutlich mehr Geld aus. Und es ist Ziel dieser Koalition, die Ausgaben entsprechend zu steigern. Aber es ist auch klar: In einem Haushaltnotlageland ist in der Tendenz alles auf Kante genäht.

Ich habe noch nicht so richtig eine Antwort gehört. Aber sagen Sie doch einmal zu Schluss, was Sie denjenigen, die jetzt neu eingeschult werden, für Ihre Schulzeit garantieren können.

Dass sie viel Spaß haben werden, eine ganze Menge lernen werden, nette Kolleginnen und Kollegen an den Schulen haben, die sie unterstützen und begleiten und dass sie da ganz viele neue Freunde kennenlernen, aber dass es leider auch darum geht, still zu sitzen, zu lernen, zuzuhören und sich zu konzentrieren und dass es mit Sicherheit auch Sachen gibt, die einem weniger Spaß machen, aber dass der Spaß deutlich überwiegt.

Bildungssenatorin Sascha Aulepp sagt das und die großen Schultüten gibt es am Samstag ja auch. Das ist dann ja vielleicht ein kleiner Trost für das Stillsitzen. Vielen Dank.

Gerne.

Video

Bildungssenatorin: Zahl der unbesetzten Lehrstellen in Bremen gesunken

Bild: Radio Bremen
Video-Ende

Anja Goerz führte das Interview für Bremen Zwei, aufgeschrieben und redigiert hat es Milan Jaeger für butenunbinnen.de

Autorin

  • Anja Goerz
    Anja Goerz

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 14. August 2025, 8:10 Uhr