Fragen & Antworten
Aus für Kutter an der Küste? Das sagen Krabbenfischer und Touristiker
Teile der Wurster Nordseeküste sollen nach einer EU-Vorgabe fischfangfrei werden. Die Auswirkungen auf die Fischerei und auch auf den Tourismus könnten gravierend sein.
Die Krabbenfischer an der Nordsee haben Sorge, dass eine Naturschutz-Richtlinie der EU das Ende für sie bedeuten könnte. Demnach sollen zehn Prozent des Küstenmeeres in Niedersachsen künftig streng geschützt und für die Fischerei gesperrt werden.
Auch die Wurster Nordseeküste ist betroffen; konkret der Bereich nördlich von Bremerhaven bis Cuxhaven – und damit auch Kutterhäfen wie Wremen, Dorum-Neufeld oder Speika-Neufeld.
Während Fischer Unheil aufziehen sehen, gehen Umweltorganisationen die Pläne nicht weit genug. Die Umweltschutzorganisation WWF und die Deutsche Umwelthilfe verlangen einen deutlich stärkeren Schutz des Wattenmeeres vor Grundschleppnetzen. Noch scheint das letzte Wort zwischen Politik, Naturschutz und Fischerei nicht gesprochen.
Was steckt hinter den geplanten Veränderungen?
Grundlage sind Vorgaben der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030. Demnach sollen 30 Prozent der Meeresflächen wirksam geschützt und insgesamt zehn Prozent streng geschützt werden. Vorgesehen sind fischereifreie Flächen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und im Meeresschutzgebiet Borkum-Riff.
Die genaue Auswahl der Gebiete ist weiterhin nicht abgeschlossen. Größere Änderungen erwartet Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) jedoch nicht mehr. Die Landesregierung will die Krabbenfischerei mit mehr als einer Million Euro zusätzlich unterstützen.
Werden die Kutter in der Region bald verschwinden?
So schnell geht das nicht, aber wenn die Pläne kommen, wie bisher angedacht, dann sieht Kurdirektorin Sandra Langheim von der Wurster Nordseeküste schwarz.
Die eingezeichneten Flächen, die das Land jetzt präsentiert hat, wären auf jeden Fall von der Lage der Zuordnung so, dass damit unsere Krabbenfischerei tot wäre.
Sandra Langheim, Kurdirektorin Wurster Nordseeküste
Das wäre ein harter Schlag für die Fischer – und die Region, die Touristen auch wegen der Kutter anzieht.
Können die Fischer nicht einfach weiter rausfahren?
Seit über 40 Jahren ist Stephan Hellberg als Krabbenfischer unterwegs. Er hat dazu eine klare Meinung.
Es muss auch wirtschaftlich sein. Wir werden nicht untergehen, aber wenn das Schiff anfängt zu wackeln, ist vorprogrammiert, dass ich lange nicht das fange, was ich fangen müsste. Das geht nicht.
Stephan Hellberg, Fischer
Gesteigerte Kraftstoffkosten würden außerdem noch hinzukommen.
Wen würde ein Fischerei-Aus noch treffen?
Einerseits wäre der Tourismus betroffen. An der Bedeutung der Kutter lässt Kurdirektorin Langheim keinen Zweifel.
Das was für die Inseln die Sandstrände und die Dünen sind, sind für den Tourismus an der Küste die Seilhäfen mit den Kuttern – dieses authentische und maritime Bild ist das, was die Gäste erwarten. Sie wollen keine künstlichen Welten. Die wollen echte Krabbenfischer, die rausfahren, wo sie danach einen Liter Granat kaufen können.
Sandra Langheim, Kurdirektorin Wurster Nordseeküste
Langheim sagt auch, dass man aber nicht nur den Tourismus bedenken muss. Es profitieren noch mehr Menschen von den Kutterfischern – etwa auch Handwerker, die immer wieder die Boote in Stand halten müssen. Doch bei allem Trübsal hat die Kurdirektorin auch Hoffnung.
Welche Hoffnung haben die Betroffenen?
Langheim war gerade beim Fischereidialog in Hannover dabei. Dort haben sich Krabbenfischer, Umweltverbände und Politiker getroffen. Die bisher ausgemachten fangfreien Gebiete könnten sich demnach offenbar noch verschieben.
Wir sind aus dem Termin alle zusammen rausgekommen mit der Erkenntnis, dass das jetzt eben nicht in Stein gemeißelt ist. Sondern, wenn es gute Argumente für eine Verschiebung in den einzelnen Bereichen gibt, dass das Ministerium dafür auch noch offen ist.
Sandra Langheim, Kurdirektorin Wurster Nordseeküste
Bis Mitte August sollen die neuen Vorschläge für fangfreie Gebiete eingereicht werden. Dann muss man weitersehen.
Neue Richtlinien für die Nordsee: Ruhezonen sollen auch Fischerei helfen
Quellen: buten un binnen und dpa.
Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 22. Juli 2026, 15:20 Uhr