Fragen & Antworten
Rücktritt von Grantz: Wie er viele Jahre Bremerhavens Politik prägte
Bremerhavens Oberbürgermeister tritt zurück – was Sie wissen müssen
Nach 15 Jahren legt Melf Grantz (SPD) sein Amt als Bremerhavener Oberbürgermeister krankheitsbedingt nieder. Was seine Laufbahn prägte – und wie es nun weitergeht.
In Bremerhaven ist das neue Jahr mit einem politischen Paukenschlag gestartet: Die Stadt gibt bekannt, dass Oberbürgermeister Melf Grantz Mitte des Jahres von seinem Amt zurücktritt. Als Grund gibt der 63-Jährige eine Krebserkrankung an. Seit 2011 hat Grantz das höchste politische Amt der Stadt inne, mittlerweile befindet er sich in seiner dritten Legislaturperiode. Eigentlich war der gebürtige Bremerhavener noch bis Ende 2028 gewählt, doch nun ist vorzeitig Schluss.
Kam der Rücktritt überraschend?
Nicht wirklich. Grantz ist schon lange im Amt und hatte bereits früher mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. 2024 machte er eine Krebserkrankung öffentlich, später unterzog er sich einer Operation und einer Chemotherapie. In letzter Zeit schien es dem SPD-Politiker zunehmend schwer zu fallen, sein Amt auszuüben. Gerüchte, dass er diesen Schritt gehen könnte, gab es deshalb schon länger.
Grantz war 15 Jahre im Amt. Was hat er in dieser Zeit bewegt?
Als er das Amt des Oberbürgermeisters antrat, wollte Grantz nach eigener Aussage unter anderem den sozialen Zusammenhalt in der Stadt stärken und die gesellschaftliche Spaltung überwinden. Auch die Arbeitslosigkeit wollte er verringern, diese lag damals bei 16 Prozent. Heute liegt sie bei knapp 14 Prozent, ist also fast unverändert. Weitere Probleme, die es bei Amtsantritt gab und die weiter bestehen, sind die verfestigte Armut in weiten Teilen der Stadt, die angespannte Haushaltslage und das wenig attraktive Image Bremerhavens.
Dreimal Oberbürgermeister: Melf Grantz' Amtszeiten in Bildern
Insgesamt ist die Spaltung eher größer geworden. Allerdings ist das ein bundesweites Problem. Grantz' Amtszeit fiel zudem auch in keine einfache Zeit: Globale Krisen wie die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg und die Entwicklungen in den USA prägten ebenso die vergangenen Jahre wie die Haushaltsnotlage. Schon bei seinem Amtsantritt war die Haushaltslage im Land Bremen schwierig und es gab weniger zu verteilen als in den Vorjahren. Inzwischen ist der Gestaltungsspielraum noch enger geworden.
Wie fällt die Bilanz bei konkreten Projekten für Grantz aus?
Bremerhaven ist immer noch eine Stadt, die darum kämpft, nicht im Strukturwandel steckenzubleiben. Der Aufbau der Windenergiebranche und deren Wandel wurden abgewürgt – auch wegen politischer Entscheidungen, die nicht in Bremerhaven getroffen wurden.
Momentan im Gange ist der Umbau der Innenstadt mit dem Abriss des alten Karstadt-Gebäudes. Dort soll das neue Novo-Gebäude mit Stadtbibliothek und Jugendherberge entstehen. Ebenfalls noch im Werden ist der Bau des Werftquartiers im Stadtsüden. In seiner Amtszeit wurden jedoch mit dem innovativen Finanzierungsmodell "Public-Private-Partnership" auch drei neue Schulen gebaut.
Wie kam Grantz als Oberbürgermeister rüber?
Grantz ist Bremerhavener und Jurist. Mit 17 Jahren trat er in die SPD ein. Später war er Jugend- und Familienstadtrat, Fraktionsvorsitzender und Sozialstadtrat – dem Sprungbrett für den Oberbürgermeister-Posten. Grantz gilt als freundlich und konziliant – was ihm manchmal aber auch Kritik einbrachte. Etwa, dass er deutliche Ansagen gegenüber Bremen vermissen ließ. Zuletzt war das Verhältnis zur Landesregierung wegen des Haushaltsstreits schwierig.
Wie reagiert die Politik auf den angekündigten Rücktritt?
Seine eigene Partei hebt die Verdienste des scheidenden Oberbürgermeisters hervor. "Melf Grantz hat Bremerhaven nicht nur verwaltet, sondern mit Herz, Haltung und Leidenschaft geführt", erklärt SPD-Vorsitzender Martin Günthner in einer Pressemitteilung. "Sein Wirken wird Bremerhaven noch lange prägen."
Ähnliches betont Bremens SPD-Bürgermeister Andreas Bovenschulte: "Melf Grantz ist ein hervorragender Oberbürgermeister, der sehr gute Arbeit für Bremerhaven leistet". Auch überregional habe der 63-Jährige die Stadt "sehr gut repräsentiert". Mit Blick auf die Zusammenarbeit zwischen Bremen und Bremerhaven habe man "über die Jahre immer ein ganz ausgezeichnetes Verhältnis gehabt", so Bovenschulte.
Natürlich gibt es auch mal unterschiedliche Sichtweisen von Land und Kommune. Und dann diskutiert man miteinander, aber am Ende haben wir immer ein gutes Ergebnis gefunden.
SPD-Bürgermeister Andreas Bovenschulte
Wie reagieren die anderen Parteien?
Der FDP-Fraktionsvorsitzende Bernd Freemann lobt Grantz für die Zusammenarbeit in der Regierungskoalition. Diese sei "gut und verlässlich" gewesen, sagte Freemann und betont: "Persönlich bedauere ich seinen Schritt, respektiere ihn aber – die Gesundheit hat Vorrang."
Grünen-Fraktionschef Claudius Kaminiarz bewertet den Rücktritt als "in Anbetracht der gesundheitlichen Lage erwartbar und menschlich verständlich". Den Zeitpunkt erachtet Kaminiarz aus politischer Sicht aber als schwierig. Denn die Mitglieder des Bremerhavener Magistrats werden für sechs Jahre gewählt. Grantz' Nachfolger oder Nachfolgerin wird somit auch weit nach der Bürgerschaftswahl im kommenden Jahr im Amt sein.
Das Wahlergebnis schlägt sich dann nicht in Besetzung des wichtigsten Postens der Stadtverwaltung nieder.
Grünen-Fraktionschef Claudius Kaminiarz
Wie geht es jetzt weiter?
Wer Grantz nachfolgt, entscheidet die Stadtverordnetenversammlung. Vorgesehen ist dafür die Sitzung am 18. Juni. Zunächst einmal müssen dafür aber Kandidatinnen und Kandidaten nominiert werden. Noch im Januar soll der Magistrat sich mit der Stellenausschreibung befassen, kündigte die Stadt an. Veröffentlicht werden soll diese dann im Februar.
Wer könnte denn die Position antreten?
Das Vorschlagsrecht für den Posten hat die SPD. Als aussichtsreicher Kandidat gilt Martin Günthner, Bremerhavens SPD-Chef und ehemaliger Wirtschaftssenator. Grantz hatte die Personalie bereits im Herbst 2024 angedeutet, als er seine Erkrankung öffentlich machte.
Bremerhavens Oberbürgermeister Grantz kündigt Rückzug an
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 2. Januar 2026, 14:40 Uhr