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Agenten in Bremerhaven? Das bedeutet der Spionageverdacht bei der Sail
Agenten in Bremerhaven? Das bedeutet der Spionageverdacht bei der Sail
Beim Windjammer-Festival Sail in Bremerhaven gab es unerlaubte Drohnen-Flüge über Marineschiffen. Sicherheitsbehörden untersuchen nun mögliche geheimdienstliche Aktivitäten.
Während Zehntausende Menschen in Bremerhaven großen und kleineren Schiffen zujubelten, flogen hoch über ihren Köpfen etliche Drohnen. Segelschiffe wurden beispielsweise von Medien für die Berichterstattung gefilmt. Auch Hobbypiloten schickten ihre Geräte in die Luft. Doch nicht alle hatten so genannte zivile Absichten. Wie die Polizei Bremerhaven in der Innendeputation bestätigte, gab es auch andere Interessen.
Was ist nun in der Innendeputation herausgekommen?
Bremerhavens Polizeidirektor Volker Ortgies hat auf Nachfrage nicht genehmigte Drohnenflüge während der Sail bestätigt. In einem Fall bestehe Spionageverdacht. Sicherheitsbehörden würden wegen möglicher "geheimdienstlicher Agententätigkeit" ermitteln. Die Polizei hatte während der Sail mit technischer Unterstützung der Bundeswehr zahlreiche Piloten unerlaubter Überflüge ausfindig gemacht.
Die meisten, auch die Drohnenführer, derer wir habhaft geworden sind, wollten einfach schöne Bilder einfangen. Natürlich bringen zivil genutzte Drohnen ein Gefahrenpotential mit sich, denn auch die können mal abstürzen.
Volker Ortgies, Bremerhavens Polizeidirektor
Weil etwa Panik ausbrechen könnte, wird auch geregelt, wer wo und wann seine Drohne fliegen darf.
Warum ist die Sail so interessant für Spione gewesen?
Weil neben den Windjammern, Koggen und Traditionsseglern auch viele Marineschiffe zu Gast waren und besucht werden konnten. Über diesen wurde eine Drohne gesichtet, um die es nun geht.
Während der Sail hatten wir ja unter anderem Bundeswehreinheiten in Bremerhaven. Auch deswegen lag der Verdacht nahe, dass das Interesse bei einigen nicht daran lag, schöne Aufnahmen zu machen, sondern, um mögliche militärische Geheimnisse auszuspionieren.
Volker Ortgies, Bremerhavens Polizeidirektor
Dabei geht es etwa um die genaue Funktionsweise der Schiffe.
Wer steckt hinter der Aktion?
Die Sicherheitsbehörden vermuten, dass ausländische Geheimdienste dahinterstecken könnten. Russische Akteure suchen sich mögliche Spione auch in der Bevölkerung, sagt der Bremer Verfassungsschutz. So würden zum Beispiel Hobbypiloten über Messenger kontaktiert. Diese würden dann gefragt, ob sie für ein paar hundert Euro bestimmte Gebiete überfliegen und die Aufnahmen zur Verfügung stellen könnten. Zur Wahrheit gehört auch, dass solche Flüge regelmäßig passieren. Wie viele genau, möchten Polizei und Verfassungsschutz nicht sagen.
Warum sind Drohnen so geeignet für die Spionage?
Drohnen sind klein, leise und unauffällig. Außerdem können sie technisch manipuliert werden. Wenn sie nicht aus dem Großhandel stammen, sind sie schwieriger zu orten. Jedes der Geräte hat ein eigenes Funksystem mit der es gelenkt wird – also die Verbindung zwischen Steuerung und Drohne. Diese kann jedoch technisch manipuliert werden. Manche sind schwer zu entschlüsseln, so Polizeidirektor Ortgies. An dieser Stelle habe man "eine Fähigkeitslücke". Denn einige der manipulierten Drohnen erkennen die Radarsysteme von Militärs und Polizei nicht.
Ziel von Spionage ist oft kritische Infrastruktur, etwa Kraftwerke, Bahnschienen oder Rüstungsunternehmen. Auch Häfen gehören dazu, was Bremerhaven laut Verfassungsschutz zum Schwerpunkt solcher Aktivitäten macht: Weil der Hafen eine herausragende Rolle für militärische Infrastruktur spielt, werden dort vermehrt Drohnen gesichtet. Bremerhaven ist zudem Nato-Drehscheibe – hier wird militärisches Gerät auch für die Amerikaner umgeschlagen. Wer Drohnen in der Nähe entsprechender Gebiete sieht, soll den Notruf wählen, sagt der Verfassungsschutz.
Bremer Verfassungsschutz warnt vor Drohnen über kritischer Infrastruktur
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 19. September 2025, 17:20 Uhr