Warum in einem Bremer Museumskeller verbotene Souvenirs stehen
Warum in einem Bremer Museumskeller verbotene Souvenirs stehen
Findet der Zoll fragwürdige Tierpräparate im Gepäck, so sucht er Hilfe bei Experten. Einer ist Michael Stiller aus dem Übersee-Museum Bremen. Er kann Präparate bestimmen.
Als Michael Stiller, Leiter der Abteilung Naturkunde im Übersee-Museum, den Zoll-Schrank öffnet, zieht ein Mief heraus, den man nur schwer wieder aus der Nase bekommt. Es riecht nach Meer, nach Tier, ein wenig wohl auch nach Verwesung.
In dem klinisch weißen Wandschrank lagern tote Tier- und Pflanzenteile auf leider sehr unwürdige Weise. Ausgestopfte Krokodile und Kaimane, riesige Schildkröten übereinandergestapelt, kleine Wildkatzen, daneben Felle. Zwei Flaschen mit gelblichem Schnaps, in denen sich eine eingelegte Kobra um einen Skorpion ringelt. Ein mit Schnitzereien verzierter Elefantenstoßzahn aus Elfenbein. An einem Schildkrötenpanzer, der über einen halben Meter lang ist, baumelt ein gelbes Schild, das einen Hinweis auf den Ursprung all dieser Objekte gibt: "KLM Cargo", steht da, die Frachtabteilung der niederländischen Airline.
Alles, was in diesem Schrank mieft, war mal als Urlaubssouvenir gedacht. Aber soweit kam es nicht: Der Zoll hat die Objekte konfisziert, wegen Verstoßes gegen das Artenschutzgesetz. Das Übersee-Museum verwahrt sie.
Es gilt, den Handel zu verhindern
Wichtiger noch als das Verwahren ist aber die Expertise des Museums. Während der Biologe und Zoologe Michael Stiller in einem Karton voll kassierter Korallen wühlt, erzählt er: "Da kommen dann Mitarbeiter vom Zoll zu uns und fragen uns dann zum Beispiel: "Ist das jetzt ne rote Koralle oder nicht?" Und dann bestimmen wir die, und sie wird einbehalten." Und landet schließlich im Karton zwischen Korallenketten und Strandgut.
"Wir gehen zum Übersee-Museum, weil wir ja jetzt auch nicht jede Art und Unterart auseinanderhalten können", erklärt Volker von Maurich vom Hauptzollamt Bremen. Die Konsultationen sind seltener geworden. 2026 gab es noch keine, die Jahre davor wurde das Übersee-Museum drei bis vier Mal angefragt, glaubt Stiller sich zu erinnern.
Das Ziel: die Nachfrage kleinhalten. Auch wenn der Schrank mit den ausgestopften Tieren ein trauriger Anblick ist – das Wichtigste, um zu vermeiden, dass es einen zweiten solchen Schrank braucht, ist, die Objekte dem Handel zu entziehen. Zoll und Museum sind sich einig: Denn Handel weckt Begehrlichkeiten, so glaubt man, die Nachfrage muss so klein wie möglich gehalten werden.
Zu hässlich für eine Ausstellung
Teilweise ist nicht mehr ganz eindeutig, woher die einzelnen Stücke eigentlich kommen, wer sie wo gekauft hat. Ein Grundproblem in Völkerkundemuseen wie dem Übersee-Museum. Ursprünglich mag die Idee auch mal gewesen sein, dass manche der Souvenirs Teil einer Ausstellung werden könnten. "Wir können mit diesem Material nichts anfangen“, sagt Stiller, während er die Tiere im Schrank betrachtet. "Vielleicht hat diese Schildkröte mal eine Chance irgendwo reinzukommen. Aber das meiste, was Sie hier sehen, ist so hässlich, das würde ich nie in eine Ausstellung bringen."
Auch ein Laienauge, das selten in Kontakt mit Wildtieren von anderen Kontinenten kommt, kann sehen, dass anatomisch da vieles im Schrank nicht ganz akkurat ist. Das Gesicht einer Wildkatze wirkt wie eine Grimasse, ein kleines Krokodil läuft auf so etwas wie Handgelenken statt auf seinen Füßen – und der Kopf fehlt. Die Glaskugeln in den Augen eines anderen lassen Erinnerungen an die Murmelbahn im Kinderzimmer hochkommen. Können Besucherinnen und Besucher die Zollstücke sehen?
Zigaretten und Potenzhonig öfter als Wildtiere
Außerhalb des Kellers in den Katakomben des Museums sind an zwei Stellen Zollstücke auch für Besucherinnen und Besucher zu sehen. In der Ausstellung "Spurensuche", über die Geschichte des Übersee-Museums, und in einer Vitrine im Garderobenfoyer. An beiden Stellen wird auf den Artenschutz aufmerksam gemacht. Aber international gibt es unterschiedliche Vorstellungen davon, was schützenswert ist. Während Wurst aus Walfleisch in Norwegen problemlos gekauft und verspeist werden darf, kommen solche Produkte in der EU nicht durch den Zoll. Hier genießt der Wal den höchsten Schutzstatus. Laut Volker von Maurich wird die Walwurst seit einigen Jahren verstärkt vom Bremer Zoll gestoppt.
Zum Alltag des Zolls gehören Objekte, die wegen des Artenschutzgesetzes in Bremen und Bremerhaven konfisziert werden, aber nicht. Im Jahr 2025 waren es 245 Fälle. Auch ein anderer kurioser Fund häuft sich – und zwar der sogenannte “Potenzhonig”. Der verstößt aber gegen das Arzneimittelgesetz und ist gefährlich, so Zollbeamter von Maurich. "Das Mischverhältnis von Potenzmitteln und Honig ist oft völlig unklar. Das kann zu einer Gefahr für Leib und Leben führen."
Und während lackierte Schildkröten, Wundsalbe aus Elefantenextrakt und ausgestopfte Kaimane vielleicht schon immer ziemlich spezielle Mitbringsel waren, hat sich am "absoluten Klassiker" beim Zoll nichts geändert: Zigaretten. Am häufigsten bleiben Verstöße gegen die Tabaksteuer. Obwohl eine Reisemenge von stolzen 200 Stück Zigaretten pro Reisendem erlaubt ist, gibt es immer wieder Leute, die mit noch mehr im Zoll hängenbleiben. Dann muss ein Centbetrag pro Zigarette nachbezahlt werden.
Hunde und Gewehre: Wie der Bremer Zoll den Drogenschmuggel bekämpft
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: butenunbinnen.de, Dein Audio-Update, 18. September 2026,