Kommentar

Vermüllung in Bremen müsste endlich uncool sein

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Wie Menschen in der Neustadt gegen den Müll kämpfen

Was hilft gegen Müll in der Stadt? Müllsünder müssen merken, dass die Mehrheit der Bremerinnen und Bremer dagegen die Stimme erheben. Bild: dpa | Arno Burgi
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Wer sein Viertel vermüllt, offenbart Gleichgültigkeit. Cool ist, wer Respekt zeigt – für die Stadt und die dort lebenden Menschen, meint Online-Redaktionsleiter Thorsten Reinhold.

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17 illegale Müllkippen pro Tag – diese Zahl aus dem Bremer Umweltressort sagt ziemlich viel über den Zustand der Stadt. Dabei geht es längst nicht nur um fehlende Mülleimer oder darum, dass die Stadtreinigung irgendwo zu selten vorbeikommt. Es geht um eine Frage der Haltung.

Denn eine Stadt bleibt nicht sauber, wenn andere ständig hinterherräumen müssen. Sie bleibt sauber, wenn Vermüllung eben nicht als normal durchgeht. Oder einfacher gesagt: Müll irgendwo entsorgen müsste endlich uncool sein.

Vermüllung als Demonstration von Coolness?

Eine Szene an der Haltestelle "Am Dobben" zeigt das ziemlich deutlich. Ein Jugendlicher wirft eine Plastikflasche auf den Boden. Auf meinen Hinweis "Du hast etwas verloren" reagiert er erst irritiert, hebt die Flasche auf, steigt in die Straßenbahn – und wirft sie kurz vor dem Schließen der Tür demonstrativ wieder hinaus. Genau deshalb ist Vermüllung mehr als bloße Nachlässigkeit. Sie wird oft bewusst demonstriert. Uncool.

Doch das Problem endet nicht bei denen, die ihren Müll einfach wegwerfen. Es betrifft auch die vielen anderen, die danebenstehen, wegschauen und lieber nichts sagen. Denn eine saubere Stadt entsteht nicht nur durch Reinigungskräfte und Bußgelder. Sondern auch dadurch, dass Menschen Haltung zeigen.

Natürlich kostet das Überwindung. Wer heute jemanden auf eine weggeworfene Kippe anspricht, muss oft nicht mit Einsicht rechnen, sondern mit einem dummen Spruch, Aggression oder bewusstem Trotz. Die liberale Großstadt hat soziale Kontrolle lange fast peinlich gefunden. Bloß niemanden belehren. Bloß nicht spießig wirken. Ein Irrtum? 

Strafen allein reichen nicht aus

Wenn niemand mehr widerspricht, entsteht schnell der Eindruck: Ist doch alles egal. Menschen trauen sich aber eher, für Regeln einzutreten, wenn sie das Gefühl haben, damit nicht allein zu sein. Deswegen sollten Ordnungsamt, Reinigungskräfte und Kommune sichtbar Präsenz zeigen – und die weggeworfene Kippe auch mit 50 Euro konsequent bestrafen. Damit wird klar: Sauberkeit ist dieser Stadt nicht egal.

Bremen denkt gerade darüber nach, Bußgelder für Vermüllung zu erhöhen. Das ist richtig. Wer öffentlichen Raum absichtlich verdreckt, sollte das auch spürbar merken. Aber höhere Strafen allein machen die Stadt nicht sauberer. Menschen, die Rücksicht für selbstverständlich halten, aber schon. Menschen, die auch mal den Mund aufmachen. Und die nicht einfach wegschauen.

Wir alle sollten uns eigentlich einig sein, was cool ist – und was eben nicht. 

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. Mai 2026, 19:30 Uhr