Kommentar
"Am richtigen Ort": Werder-Trainer Thioune muss Taten folgen lassen
Ex-HSV-Trainer Daniel Thioune wird neuer Werder-Coach
Auch Daniel Thioune kommt ohne Bundesliga-Erfahrung nach Bremen. Für den Klub ein Risiko, denn diese Verpflichtung muss sitzen, meint Sport-Redakteur Stephan Schiffner.
Zumindest der Auftakt macht Lust auf mehr. Wenn die Raute ruft, dann müsse er nicht überlegen, so Thioune. Der 51-Jährige lässt bei seiner Vorstellung keinen Zweifel daran, dass er die Energie hat, Werder vor dem Abstieg zu retten. Er glaubt an den Kader und den Klassenerhalt. Das hebt ihn vermutlich ab von anderen Kandidaten, mit denen Werder im Austausch war. Für Thioune ist es die große Chance, als Bundesliga-Trainer zu arbeiten. Für Werder ist Thioune die letzte Hoffnung.
Was für ihn spricht: Thioune braucht keine große Eingewöhnung. Er kennt Co-Trainer Groß, den Spieler Agu und noch ein paar andere im Klub aus Osnabrücker Zeiten. Er genießt als Trainer und Typ einen guten Ruf, ist eloquent, kommuniziert viel. Werder ist für den in Osnabrück aufgewachsenen Thioune ein Verein, der ihn schon Zeit seines Lebens begleitet. Sein Vater ist Werder-Fan.
"Mannschaft ist eine Herausforderung"
Aber reicht das? Nun, kein Trainer der Welt könnte in der jetzigen Situation den Klassenerhalt garantieren. Die aus etlichen Leihspielern zusammengebastelte Mannschaft ist eine Herausforderung. Im Sturm fehlt Qualität, das gesamte Team spielt seit geraumer Zeit zu brav, ohne Konstanz und Überzeugung. Dazu immer wieder verletzte Stammkräfte und diese Zehn-Spiele-sieglos-Serie, die sich nur schwer abschütteln lässt.
Daniel Thioune muss mit dem Ruf leben, in entscheidenden Momenten gescheitert zu sein. Nun gut, mit dem VfL Osnabrück gelang ihm 2019 der Aufstieg in die 2. Liga. Mit dem HSV hat er später die angestrebte Rückkehr in die Bundesliga nicht geschafft. Aber das geht ja vielen so. In Düsseldorf hat er aus dem Abstiegskandidaten Fortuna einen Aufstiegsanwärter gemacht. Allerdings ist er mit Düsseldorf spektakulär in der Relegation 2024 an Bochum nach einem 3:0-Erfolg im Hinspiel gescheitert. Bis heute werfen ihm Kritiker vor, seinerzeit im Rückspiel die falsche Marschroute ausgegeben zu haben.
Thioune hat eine Chance verdient
Dass Thioune bislang nicht als Bundesliga-Trainer unterwegs war, hat für Werders Sportchef Clemens Fritz "keine Rolle gespielt" bei der Verpflichtung. Damit bleiben sich die Bremer treu. Robin Dutt war im Jahr 2013 der letzte Werder-Coach, der mit Erstliga-Expertise in Bremen anheuerte (was letztlich auch nicht weiterhalf). Die Bremer müssen mit Thioune den Trainer nehmen, den sie kriegen können. Vermutlich wären die im Abstiegskampf erprobten Dänen Bo Svensson und Bo Henriksen die geeignetere Lösung gewesen. Aber dem Vernehmen nach waren sie nicht zu haben. Trainersuche und Transfermarkt sind für Werder kein Wunschkonzert.
Nach seinem ersten öffentlichen Auftritt versprüht Daniel Thioune Zuversicht und Lust auf Werder. Er sei nach eigener Aussage der richtige Trainer am richtigen Ort. Was jetzt zu beweisen wäre. Daniel Thioune hat eine Chance verdient. Er muss sie allerdings auch unbedingt nutzen.
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Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 4. Februar 2026, 18:06 Uhr