Fragen & Antworten
Apotheken unter Druck: Wie ist die Lage in Bremen und Bremerhaven?
Was steckt hinter der Apothekenreform?
Die Zahl der Apotheken im Land Bremen sinkt seit Jahren, zugleich klagen Apotheker über steigende Kosten und Fachkräftemangel. Wie steht es wirklich um die Arzneimittelversorgung?
Wie ist die Apothekenversorgung im Land Bremen aktuell aufgestellt?
Aktuell gibt es 118 öffentliche Apotheken in Bremen und Bremerhaven – 56 weniger als noch vor 15 Jahren. "Bremen hat bundesweit die niedrigste Apothekendichte", erklärt Isabel Justus, Geschäftsführerin der Apothekerkammer Bremen. "Diese liegt aktuell bei 17 Apotheken für 100.000 Einwohner." Dabei liegt die Dichte der Apotheken in Bremerhaven etwas höher als in Bremen.
Zum Vergleich: Bundesweit liegt die Apothekendichte bei 19,9, im EU-Durchschnitt bei 31 Apotheken. In den anderen Stadtstaaten Berlin und Hamburg liegt die Apothekendichte mit 19 pro 100.000 Einwohner höher als in Bremen. Insgesamt ist die Zahl der Apotheken bundesweit rückläufig: 2013 lag die Apothekendichte laut Kammer noch bei 25,6 Betrieben pro 100.000 Einwohner.
Welche Folgen hat die sinkende Zahl der Apotheken?
Trotz der rückläufigen Zahl an Apotheken sieht Kristin Viezens, Sprecherin der Senatorin für Gesundheit, keine akute Gefährdung der Versorgung: "Die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln ist aktuell gesichert, trotz des zu verzeichnenden Rückgangs der Apotheken im Land Bremen."
Auch Thomas Real vom Apothekerverband Bremen betont: "Die Versorgungslage ist nicht alarmmäßig gefährdet." Allerdings steige die Arbeitsbelastung für die Apotheker und die Wartezeit der Kunden.
Wenn in einem Flächenland wie Niedersachsen in einem Ort mit 5.000 Einwohnern die einzige Apotheke weg ist, hat das eine andere Konsequenz als wenn in Schwachhausen eine Apotheke schließt.
Thomas Real vom Apothekerverband Bremen
Besonders in einzelnen Stadtteilen werde die Entwicklung aber schon spürbar: "Wir haben mittlerweile einzelne Stadtteile, wo es problematischer wird, in Woltmershausen gibt es nur noch eine Apotheke." Die Gesundheitsbehörde sieht die Situation dennoch gelassen, gerade im Vergleich mit dem niedersächsischen Umland.
Anzeichen für regionale Versorgungsprobleme liegen bisher nicht vor. Durch die Stadtstaatenstruktur Bremens sind die Wegstrecken zur nächsten Apotheke im Vergleich kürzer.
Kristin Viezens, Sprecherin der Senatorin für Gesundheit
Warum schließen immer mehr Apotheken?
Kammer und Verband nennen hierfür vor allem wirtschaftliche Gründe. Während die Kosten in den vergangenen Jahren stark gestiegen seien, hätten sich die Einnahmen nicht entsprechend entwickelt. Das hat konkrete Folgen für die Apotheken.
Die Gehälter der Angestellten sind sehr gering. Wir haben 65 Prozent Steigerung bei allen Kosten, das wurde mit einem sinkenden Inhabergehalt ausgeglichen.
Thomas Real vom Apothekerverband Bremen
Hinzu kommen zusätzliche Investitionen in die Digitalisierung. "Zum Beispiel E-Terminals für E-Rezepte, das kostet gerne mal 4.000 Euro." Auch die Apothekerkammer sieht die Betriebe unter Druck.
Die Apotheker:innen bewegen sich in einem Spannungsfeld aus Kostendruck, Online-Konkurrenz und einer älteren, multimorbiden Gesellschaft, die eine immer umfassendere pharmazeutische Betreuung benötigt.
Isabel Justus, Geschäftsführerin der Apothekerkammer Bremen
Wie groß sind die Nachwuchs- und Fachkräfteprobleme?
Der Fachkräftemangel zählt zu den größten Herausforderungen der Branche. Die Gesundheitsbehörde bestätigt die Probleme. "Bei pharmazeutischem Personal wie Apotheker:innen und Pharmazeutisch-technische Assistenten herrscht weiterhin Fachkräftemangel", sagt Viezens.
Zwar bleibe die Zahl der Pharmaziestudierenden grundsätzlich stabil, viele Absolventen entscheiden sich jedoch gegen die öffentliche Apotheke. "Gründe dafür sind unattraktive Arbeitszeiten und im Vergleich zur Industrie, Verwaltung oder Krankenkasse ein geringerer Verdienst", sagt Justus. Ähnlich sieht es der Apothekerverband.
Die Nachwuchssituation ist angespannt, viele Schüler sind nicht gut in Naturwissenschaften und brechen ab.
Thomas Real, stellvertretender Vorsitzender des Apothekerverbandes Bremen
Was muss passieren, damit die Versorgung langfristig gesichert bleibt?
Die Apothekerkammer fordert bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen und eine Anhebung der seit Jahren unveränderten Honorare für die Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente. Nur so könnten Apotheken dauerhaft wirtschaftlich arbeiten und attraktive Gehälter zahlen.
Auch die Politik sieht Handlungsbedarf. Zwar gelte die Niederlassungsfreiheit für Apotheker, sodass staatliche Eingriffe nicht möglich seien. Man befürwortet aber die im Koalitionsvertrag vereinbarte Anpassung der Vergütung: "Das Land Bremen unterstützt aktiv die Bemühungen des Bundes im Rahmen der Gesetzgebung, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Apotheken zu verbessern", sagt Viezens.
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit sportblitz, 7. Juni 2026, 19:30 Uhr