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Bestes Tourismusdorf der Welt? Worpswede möchte internationalen Titel

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Schild "Worpswede Künstlerdorf" vor einer alten Backsteinscheune
Worpswede ist weithin als Künstlerdorf bekannt.

Künstlerort im Teufelsmoor: Wird Worpswede jetzt Welt-Tourismusdorf?

Worpswede ist weithin als Künstlerdorf bekannt. Bild: Radio Bremen | Matthias Röhrs
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Worpswede hat die große Chance auf eine Auszeichnung der UN. Und die Erwartungen sind hoch. Doch was verspricht sich das Dorf von dem Titel?

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Im Juni ist Worpswede in der Hand von Radtouristen sowie Kunst- und Kulturliebhabern, die den Ort und das nahe Teufelsmoor erkunden. Museen reihen sich an Kunsthandwerksgeschäfte, alte Villen stehen neben den für Norddeutschland typischen Backstein- und Fachwerkhäusern. Skulpturen gehören wie selbstverständlich zum Straßenbild dazu.

Als Künstlerdorf und als staatlich anerkannter Erholungsort hat Worpswede schon längst überregional Bekanntheit erlangt. Nun ist sogar ein internationaler Titel in Sicht. Denn die Gemeinde hat die Chance, bestes Tourismusdorf der Welt zu werden.

Um was für eine Auszeichnung geht es genau?

Mit dem Titel "Best Tourism Village by UN Tourism" würdigen die Vereinten Nationen weltweit Dörfer und Gemeinden unter 15.000 Einwohnern, die sich bei den Themen Nachhaltigkeit, kulturelle Identität und Natur hervorheben. Sicherheit und Infrastruktur spielen bei der Bewertung ebenfalls eine große Rolle.

Mira Awad und Andrea Andersen
Mira Awad (links) und Andrea Andersen haben die Bewerbung für den Wettbewerb organisiert. Bild: Radio Bremen | Matthias Röhrs

Worpswede setzt dabei auf seinen Status als Künstlerdorf, eingebettet in die Landschaft des Teufelsmoors. "Wir haben diesen ganz speziellen Dreiklang, den man im ländlichen Raum sonst nicht so oft findet", begründet Mira Awad, die im Künstlerdorf für das Kulturmarketing zuständig ist. “Wir haben eine wunderbare Natur, wir haben einen ganz lebendigen Lebensort und wir haben ganz viel Kultur.”

UN Tourism zeichnet beim Wettbewerb jährlich mehrere Dutzend Dörfer mit diesem Titel aus. Das Bundeswirtschaftsministerium hat für Deutschland eine Vorauswahl getroffen. Neben Worpswede sind Kochel am See in Oberbayern, Puttgarden auf Fehmarn, Tecklenburg am Teutoburger Wald und Fischen im Allgäu dabei. Die Entscheidung, ob sie gewinnen, wird für Oktober erwartet.

Wären mit der Auszeichnung mehr Touristen in Worpswede zu erwarten?

Awad und die Leiterin der Worpsweder Tourismus-Information, Andrea Andersen, hoffen darauf, dass Worpswede international mehr Aufmerksamkeit bekommt. "Wir haben nicht mit Massentourismus zu kämpfen", sagt Andersen. Es sei noch Luft nach oben.

Der Tourismus in Worpswede habe sich über die Jahrzehnte verändert, ergänzt Awad. "Wir haben jetzt mehr Individualtouristen, die sich den Ort selbst erschließen wollen, die auch lieber in der Umgebung aktiv unterwegs sind." Die Zeiten, in denen täglich mehrere Reisebusse Worpswede ansteuern, seien vorbei.

Blick auf eine weiße Villa auf einen Hügel, davor eine Rost-Skulptur: Dicker, nackter Mann.
Worpswede ist bekannt für seine Museen. Bild: Radio Bremen

Mehr Touristen würden auch den Dorfbewohnern helfen. Nicht nur denen, die im Tourismussektor arbeiten. Awad wirbt für einen langfristigen Blick. "Wenn wir mehr Touristen kriegen, kriegen wir natürlich auch wieder mehr Geld. Mit dem kann man wieder mehr für den Ort machen – vom Hallenbad bis zu Fahrradwegen."

Aus dem Schwarzwald gibt es aber einen Dämpfer: Christian Jäckels, der in Schiltach, einer Gewinnergemeinde aus 2025, Tourismus-Manager ist, glaubt nicht, dass die Auszeichnung spürbar mehr Gäste bringt. "Das ist zwar ein nettes Aushängeschild für die tägliche Arbeit. Aber damit kommt kein zusätzlicher Reisebus."

Welche Ziele verfolgt Worpswede mit dem Wettbewerb?

Auch ohne Plus in den Besucherzahlen kann sich die Auszeichnung auszahlen, wenn auch nicht finanziell. "Für uns ist fast noch wichtiger, dass wir jetzt Teil eines weltweiten Netzwerks geworden sind. Gerade für eine kleine Gemeinde wie Schiltach ist das eine riesige Chance, international sichtbar zu sein und neue Partnerschaften aufzubauen", sagt Jäckels. 

Skulptur steht an der Straße
Kunst ist in Worpswede überall im öffentlichen Raum zu finden. Bild: Radio Bremen | Matthias Röhrs

Dieses Netzwerk hält auch Andersen für hochspannend. "Wir möchten mit der Auszeichnung gerne auch dafür sorgen, dass wir langfristig kulturelles Erbe schützen können." Das sei eine riesige Herausforderung. "Wir haben eben sehr viele Denkmäler im Ort, die kostenintensiv sind. Dazu haben wir sechs Museen. All das muss ja bespielt werden. Das soll natürlich auch erhalten bleiben."

Die Auszeichnung wäre außerdem eine Wertschätzung für die Worpswederinnen und Worpsweder, die im Dorf im Tourismussektor arbeiten, so Andersen weiter.

Was tut die Gemeinde für den Wettbewerb?

Vier Wochen hatte Worpswede Zeit, die Bewerbungsunterlagen einzureichen. Es gab eine Taskforce, bei der die Fäden zusammenliefen. Insgesamt waren 20 Personen aus dem Dorf daran beteiligt, das etwa 100-seitige Formular auszufüllen.

Rund 4.000 Euro hat die Gemeinde in die Bewerbung gesteckt. Der größte Teil ist in einen Imagefilm geflossen. Die Gemeinde inszeniert sich darin als inspirierenden Lebensort zwischen Kunst und Natur. "In der Bewerbung wurde schon großer Fokus auf diese visuellen Sachen gelegt", so Andersen. Das Video und eine Präsentation sind der einzige visuelle Eindruck, den die Jury von Worpswede bekommt. Ein Besuch vor Ort ist hingegen nicht vorgesehen.

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Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: Bremen zwei, Der Morgen, 18. Juni 2026, 9:38 Uhr