Kritik an schleppender Schnee-Räumung in Bremen
Frust über Reinigung der Bremer Gehwege – wo lief es besser?
Straßen sowie Geh- und Radwege, die auch mehrere Tage nach dem Wintersturm "Elli" nicht geräumt sind – das sorgt in Bremen für Kritik. Die Stadtreinigung reagiert ausweichend.
"Elli" hat sich zwar verzogen, doch das Sturmtief hinterließ Spuren in Bremen: Immer noch türmten sich am Montag Schneeberge auf zentralen Straßen und auch am Dienstag besteht teils noch Rutschgefahr. Für manche Bremerinnen und Bremer bedeutet das Einschränkungen, etwa für den Landesbehindertenbeauftragten Arne Frankenstein: Wegen der Schneemassen in seiner Straße schafft es der Rollstuhlfahrer nicht mehr nach draußen. "Es ist belastend, weil man die Geschäfte des Alltags nicht machen kann", sagt Frankenstein bei buten un binnen.
CDU reicht Berichtsbitte ein
Auch auf politischer Ebene stößt das bremische Krisenmanagement auf Kritik. Die CDU etwa hat für die nächste Sitzung der Verkehrsdeputation eine Berichtsbitte eingereicht. Die Christdemokraten wollen, dass genau analysiert wird, was gebraucht wird, damit es beim nächsten Wintereinbruch besser läuft. "Anscheinend haben wir in Bremen Winter verlernt", sagte Michael Jonitz, Sprecher für Mobilität der CDU-Bürgerschaftsfraktion.
In den Augen von Jonitz gehört es zur Daseinsfürsorge, dass die Straßen von Schnee und Eis befreit werden. Allerdings sei das in der Stadt Bremen bisher nicht gelungen. Und zwar nicht nur in Nebenstraßen, sondern auch auf Hauptverkehrsachsen.
Wir müssen den Winterdienst so aufstellen, dass er in solch einer Lage dazu fähig ist, die Straßen am besten am gleichen Tag noch zu räumen.
Michael Jonitz, Sprecher für Mobilität der CDU-Bürgerschaftsfraktion
70 Räumfahrzeuge und 30 Sprinter für Winterdienst
Für den Winter-Räumdienst ist in Bremen die Stadt verantwortlich. Nach eigenen Angaben ist die Stadtreinigung mit rund 70 Räumfahrzeugen für den Winterdienst im Einsatz. Hinzu kommen 30 Sprinter für sogenannte Handtruppen. Die Zahl der Fahrzeuge ist laut Stadtreinigung in den vergangenen Jahren gleichgeblieben.
Auf die allgemeine Kritik angesprochen, reagiert die Stadtreinigung ausweichend. "Absolute Priorität haben Hauptverkehrsstraßen, die Straßen mit Buslinienverkehr, Ampelübergänge, Überwege, sowie Brücken und Radwege", teilte eine Sprecherin mit.
In der zweiten Priorität werden demnach Fahrradwege geräumt. Vor allem kleinere Radwege können oft jedoch nicht von Maschinen bearbeitet werden, sondern werden manuell – sprich: per Hand – gesäubert. Und das sei zeitaufwändiger. Hinzu komme, dass bereits von Anwohnern beseitigter Schnee oft die Räumung erschwere und es dadurch zu Verzögerungen komme.
Seitenstraßen stellen die Stadtreinigung vor ein weiteres Problem: Die Enge der meist von beiden Seiten mit Autos zugeparkten Nebenstraßen führe dazu, dass die Fahrzeuge nicht mehr durchkommen. Auch sei kein Platz mehr da, um den Schnee wegzuräumen.
"Haben alles Menschenmögliche getan"
Die Straßenreinigung ist jedoch nicht für alle Straßen zuständig: Anwohnerinnen und Anwohner sind nämlich verpflichtet, den Gehweg vor ihrem Haus zu räumen – oder sich Hilfe bei einem privaten Winterdienst zu holen. Die Bremer Firma "Hirsch" etwa betreut rund 8.000 Kundinnen und Kunden. "Wir haben die letzten Tage alles Menschenmögliche getan", betont Geschäftsführer Maximilian Hirsch.
Dennoch sind mit solch extremen Bedingungen immer Probleme verbunden, auf die man sich vorher nicht einstellen kann.
Winterdienst-Geschäftsführer Maximilian Hirsch
Die für den städtischen Winterdienst zuständigen Ressorts Umwelt sowie Mobilität teilten mit, alle Beteiligten der Stadtreinigung hätten in den letzten Tagen auf die dynamische Wetterlage reagiert, verantwortungsvoll gehandelt und tatkräftig angepackt. Man wolle den Prozess aber analysieren und ihn bei Bedarf weiter optimieren. Aufgrund klimatischer Veränderungen sei in den kommenden Jahren mit weiteren Extremwetterlagen zu rechnen.
Herausforderung Winter: Kann Bremen nicht mit Eis und Schnee umgehen?
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. Januar 2026, 19:30 Uhr