Vom Parzellengebiet zum Badesee: Die Geschichte des Bremer Werdersees

Audio
Sommerstimmung am Werdersee in den 50er Jahren

Vom Parzellengebiet zum Badesee: Die Geschichte des Bremer Werdersees

Gebadet wurde in der Kleinen Weser auch schon in den 1950er-Jahren, aber erst ab 1981 entstand der Werdersee, wie man ihn heute kennt. Bild: Staatsarchiv Bremen
Audio-Ende

Mitten im Herzen der Stadt befindet sich der knapp 55 Hektar große See, der aber nur drei Meter tief ist. Doch das war nicht immer so. Schuld daran sind Sturmfluten.

buten un binnen bei Google bevorzugen

Der Werdersee ist einer der beliebtesten Badeseen in Bremen. Doch genau da, wo heute eigentlich die Menschen in und auf dem Wasser Spaß haben, hegten und pflegten vor knapp 70 Jahren noch Bremer ihre Parzellen. Die Mitglieder des Kleingartenvereins Mitte hatten hier ihre Parzellen direkt an der Kleinen Weser. Dieser Seitenarm diente damals wie heute als Hochwasserschutz.

In den 1950er-Jahren reichte der Stadt Bremen dieser Schutz aber nicht mehr aus und der Plan entstand, die Kleine Weser weiter auszubaggern und in Richtung Parzellengebiet zu verlängern.

Doch so ganz freiwillig wollten die Parzellisten ihre Gärten nicht für eine neue Badeanstalt räumen. Denn genau das wäre ihrer Meinung nach am Werdersee entstanden. Aber die Stadt Bremen ließ nicht mit sich diskutieren.

Es ist irrig anzunehmen, dass dieser See angelegt wird, um dort primär eine Badeanstalt zu schaffen. Die Ausbaggerung einer im Katastrophenfall leistungsfähigen Abflussrinne ist vielmehr ausschlaggebend gewesen.

aus einem Protokoll von Hans Koschnik, damaliger Städtebauplaner

Also: Hochwasserschutz sei das Ziel, nicht eine Badeanstalt. Und so mussten mehr als 300 Parzellen weichen.

Nach den Sturmfluten kam das Umdenken

Allerdings zeigten die Sturmfluten 1962 und 1981, dass dieser Hochwasserschutz noch nicht ausreicht. Die Leidtragenden waren wieder die Kleingärtner.

Es war einfach grauenhaft. Es war alles kaputt.

Brigitte Scheel

Die Konsequenz: Der Werdersee wurde um einen Kilometer verlängert – dieses Mal ohne Protest der Kleingärtner. Denn die beiden Fluten hatten ihre Sicht auf die Dinge verändert.

Der Bremer Werdersee ist überflutet.
Der Werdersee während der Sturmflut 1981. Bild: Radio Bremen

Und nach der Flut kam die Trockenheit: Bei einem Deichbruch im Frühjahr 1981 sind 50.000 Kubikmeter Sand in den Werdersee gespült worden. Bagger entfernten den Sand und der Werdersee wurde erneut geflutet. Seitdem ist es ruhig geworden um den Badesee.

Jedenfalls bis heute: Die Unterwasserpflanze Wasserpest hat sich so sehr ausgebreitet, dass die Umweltbehörde Baden und Wassersport zwischenzeitlich komplett verboten hatte. Die Einschränkungen wurden wieder etwas gelockert, aber die Wasserpest bleibt ein Problem für den Badesee mit der bewegten Geschichte.

Mehr zum Thema:

Autor

  • Fabian Metzner
    Fabian Metzner

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Tag, 31. Juli 2025, 15:41 Uhr