Lebendiges Museum: Das Bremer Geschichtenhaus wird 20

Audio
Darsteller des Bremer Geschichtenhauses singen in Kostümen im Schnoor.

Bremer Geschichtenhaus wird 20: Zwischen Erfolg und Geldsorge

Schauspielern, erzählen, singen: Die Idee vom Bremer Geschichtenhaus ist, Langzeitarbeitslosen neues Selbstbewusstsein zu geben. Bild: Radio Bremen
Audio-Ende

Mitten im Schnoor stellen Langzeitarbeitslose die Bremer Geschichte nach. Es geht um Wissensvermittlung und Wiederkehr ins Berufsleben. Doch das Projekt begleiten Geldsorgen.

buten un binnen bei Google bevorzugen

Direkt mit dem ersten Schritt ins Haus beginnt die Reise in die Vergangenheit. Massive Holzstützen, schwere Balkendecken und breite Dielen. Ein beeindruckendes Lagerhaus, das älter ist als so manche Geschichten, die hier erzählt werden. Die Regisseurin Sara Fruchtmann leitet seit dem Start im Jahr 2006 das Haus, in dem Langzeitarbeitslose vor Kulissen Charaktere aus der Bremer Geschichte nachspielen. Ein Projekt, an das ihr zufolge damals niemand geglaubt hat – außer sie selbst. "Das war im Grunde ein bisschen verrückt von mir. Aber ich habe so einen tiefen Glauben an das künstlerische Grundvermögen von Menschen", sagt Fruchtmann heute.

Sara Fruchtmann vom Bremer Geschichtenhaus
Sara Fruchtmann ist Regisseurin und Leiterin des Geschichtenhauses. Bild: Radio Bremen

Es sei ein kleines Wunder, dass alles trotz organisatorischer Hürden funktioniere. Fruchtmann hängt an dem Projekt, weil es zeige, dass die Bremer Geschichte viel zu bieten hat. Eigenständigkeit und Rebellion seien dabei das Besondere. So sind auch die Charaktere im Bremer Geschichtenhaus.

Eine Fischverkäuferin, ein Stadtstreicher, heute würde man vielleicht sagen: ein Penner und eine Giftmörderin. Also, das ist dieses etwas Schräge, wo man in Bremen sagt: "Der is 'n büsch'n eigen" – das schätzen die Bremerinnen.

Sara Fruchtmann

Spiel vor Zuschauern soll ungeahnte Kräfte freisetzen

Einer der Darsteller ist Richard Dahlenburg. Er spielt in der ersten von sechs Stationen einen Böttchermeister. Durch einen Arbeitsunfall konnte er als Schlosser nicht mehr arbeiten. Das hatte Folgen. "Wenn du lange arbeitslos bist – auch bedingt durch einen Arbeitsunfall – verliert man irgendwann die Perspektive", erzählt Dahlenburg. "Hier kriegst du einen Tritt in den Hintern. Hier musst du wieder".

Ein Schauspieler des Geschichtenhauses steht hinter einem Schild mit der Aufschrift "Soziale Projekte retten Leben"
Das Geschichtenhaus unterstützt Langzeitarbeitslose. Bild: Radio Bremen

Eine ähnliche Entwicklung hat auch Sabine Schmidt durchgemacht, die heute auch verschiedene Rollen spielt. Am ersten Tag im Kostüm war sie noch völlig hilflos. Dass sie lockerer wurde, ergab sich, als sie die ersten Besucher betreut und sich dafür auch eigene Spiele ausgedacht hat, erzählt sie. Für Regisseurin Sara Fruchtmann setzt das Spiel vor Zuschauern in den oft verunsicherten Menschen ungeahnte Kräfte frei.

Wenn dann Menschen etwas tun, worauf sie nichts in ihrem Leben vorbereitet hat und selber erleben, dass sie das können und das Publikum findet es auch noch gut – das macht ein Wandel im Selbstbewusstsein. Das ist eine Freude, das zu sehen.

Sara Fruchtmann

Das bedeutet aber nicht immer, dass die Menschen wieder eigenständig auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen. Ein Grund, warum das Jobcenter im vergangenen Jahr beinahe die nötigen Mittel gestrichen hätte. Nur durch großen Protest und eine größere Spende konnte das Arbeitsmarktprojekt überleben. Das Jobcenter lenkte ein und gab das Geld frei. Dieses Jahr ist der Betrieb im Bremer Geschichtenhaus damit gesichert. Ob im nächsten Jahr wieder Geschichten erzählt werden oder ob das Haus dann Geschichte ist, wird sich noch zeigen.

Mehr Museen in Bremen, Bremerhaven und umzu:

Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 3. Juni 2026, 8.35 Uhr