Infografik
Von Frittenbude zur Forschungselite: 7 Fakten zum Bremerhavener AWI
Polarforschung im Wandel: Die Geschichte des Bremerhavener AWI
Gold, Kupfer und Erdöl – wegen dieser Rohstoffe wurde das Alfred-Wegener-Institut gegründet. 45 Jahre später hat das AWI eine führende Rolle in der Polar- und Meeresforschung.
1 Antarktisvertrag führte zur AWI-Gründung
Mehrere Länder wollten im Laufe des vergangenen Jahrhunderts die Rohstoffe in der Antarktis gewinnen – unter anderem auch Deutschland. Neben Gold, Kupfer, Kohle und vor allem Erdöl ging es den Deutschen auch um die tierischen Schätze wie den Krill, eine Leuchtgarnele. Dafür musste Deutschland dem internationalen Antarktis-Vertrag beitreten, der 1959 von zwölf Staaten unterzeichnet wurde.
Der Beitritt war allerdings an eine Bedingung geknüpft: Deutschland musste eigenständige Polarforschung betreiben. Daraufhin wurde 1980 das AWI gegründet. Noch ein Jahr später wurde die Georg-von Neumayer-Station in der Antarktis fertig.
2 Der AWI-Namensgeber kehrte nicht aus dem Eis zurück
Alfred Lothar Wegener (1880-1930) war einer der bedeutendsten deutschen Polarforscher und Geowissenschaftler. Bekannt ist er vor allem für seine Theorie der Kontinentalverschiebung. Damals wurde er von vielen Kollegen verspottet, als er äußerte, die Kontinente würden sich bewegen.
Erst nach seinem Tod wurde seine Theorie anerkannt und zu einer Grundlage für das Modell der Plattentektonik. Wegener forschte hauptsächlich auf Grönland. Von seiner letzten Expedition dort kehrte er nicht mehr zurück. Es wird vermutet, dass er an Herzversagen wegen Überanstrengung gestorben ist.
3 Kanzler Schmidt setzte sich für Bremerhaven ein
Über den Standort des Instituts wurde erbittert gestritten. Kiel und Bremerhaven kamen in die engere Wahl. Die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt schien zunächst die besseren Karten zu haben: Die wissenschaftliche Kommission des Wissenschaftsrats befürwortete während eines monatelangen Tauziehens stets Kiel.
Im Dezember 1979 traf der damalige SPD-Kanzler Helmut Schmidt dann die Entscheidung für Bremerhaven. Prompt wurde vermutet, Parteipolitik habe über sachliche Gründe gesiegt. Auch der erste Direktor des AWI, Gotthilf Hempel, mutmaßte später, letztendlich hätten die guten Kontakte der Bremerhavener SPD dazu geführt, dass das AWI in Bremerhaven und nicht im von der CDU regierten Kiel gegründet wurde.
4 Dem Hauptsitz fehlt das Heck
Eingeklemmt zwischen Bürgertreff und Frittenbude fing alles in engen Räumen im Columbus-Center an, wie AWI-Gründungsdirektor Hempel berichtete. Erst 1986 wurde der Hauptsitz fertig. Dieser erinnert an den Bug eines Schiffes. Das Heck fehlt allerdings bis heute. AWI-Direktor Hempel bedauerte damals, dass kein Robbengehege neben dem Gebäude gebaut wurde. Das sei nämlich in einem ersten Konzept vorgesehen gewesen. Heute umfasst der AWI-Campus in Bremerhaven sechs Gebäudekomplexe. Hinzu kommen weitere Gebäude im Stadtgebiet.
Zahlen, Daten und Fakten zum AWI
5 Schnell stand Forschung statt Förderung im Vordergrund
Die Überlegungen zur Förderung von Rohstoffen in der Antarktis waren schon bald überholt. Die Bodenschätze lagen zu tief, eine Förderung war unmöglich. Die Wissenschaftler konzentrierten sich fortan ganz auf die Forschung. Ursprünglich war das AWI ein Institut für Polarforschung, 1986 bekam es Zuwachs: Es übernahm das Bremerhavener Institut für Meeresforschung. Von da an nannte sich das AWI "Institut für Polar- und Meeresforschung".
Das AWI gehört zu den wenigen Einrichtungen, die sowohl in der Arktis als auch in der Antarktis forschen. Es koordiniert die deutsche Polarforschung, erforscht aber auch die Nordsee und ihre deutschen Küstenregionen. Bio-, Geo- und Klimawissenschaftler arbeiten eng zusammen. Nach und nach ist das Hauptziel geworden, das Klimageschehen auf der Erde zu verstehen. Dabei untersuchen die Wissenschaftler praktisch alle Bereiche des Erdsystems zwischen Atmosphäre und Meeresgrund. Viele Messdaten erheben sie über lange Zeiträume.
6 Mehrere AWI-Außenstellen und internationale Partner
Neben dem Hauptsitz in Bremerhaven betreibt das AWI mehrere Außenstellen. In Potsdam stehen die polaren Landregionen im Fokus, auf Helgoland die Lebensgemeinschaften in der Nordsee. Auf Sylt geht es um Themen der Küstenökologie und der Küstengeologie, während am Helmholtz-Institut an der Universität Oldenburg die Erforschung der biologischen Vielfalt des Meeres und ihre Funktion für das Ökosystem und den Menschen im Vordergrund steht.
Standorte und Forschungsstationen des AWI
Das AWI arbeitet aber nicht allein, sondern kooperiert mit zahlreichen internationalen Forschungsinstituten und Universitäten. Es entsendet auch Wissenschaftler an andere Institute oder auf Forschungsschiffe. Im Gegenzug kommen regelmäßig internationale Wissenschaftler nach Bremerhaven oder nehmen an einer Expedition des AWI auf dem Forschungsschiff "Polarstern" teil. Etwa ein Viertel der Teilnehmer an Polarstern-Expeditionen sind ausländische Wissenschaftler.
Die "Polarstern": Mehr als nur ein Eisbrecher
7 4 Schiffe und 2 Flugzeuge sind für das AWI im Einsatz
Das AWI verfügt über vier Forschungsschiffe, das größte und wohl bekannteste ist die "Polarstern". 1982 brach der Eisbrecher das erste Mal in die Antarktis auf. Neben der "Polarstern" gibt es noch die "Heincke", die "Aade" und die "Mya II". Um auch in die schwer erreichbaren Gebiete der Arktis und der Antarktis zu kommen, setzt das AWI zwei Flugzeuge ein. Aktuell sind "Polar 5" und "Polar 6" im Einsatz.
In naher Zukunft wird die "Polarstern" jedoch ersetzt: Der Nachfolger des Forschungsschiffes wird in den kommenden Jahren in einer Werft in Wismar gebaut. Das künftige Flaggschiff der deutschen Klimaforschung kostet mindestens 1,2 Milliarden Euro. Ab 2030 soll der Bau der "Polarstern II" abgeschlossen sein.
Klimaforschung in Bremerhaven: AWI-Forscher untersuchen Rekord-Eiskern
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 15. Juli 2025, 8:35 Uhr