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CSD in Bremerhaven: "Angst, dass sich das Rad zurückdreht"

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Junge Menschen mit Pride Flagge beim CSD in Bremerhaven

CSD in Bremerhaven: "Angst, dass sich das Rad zurückdreht"

Bild: Radio Bremen | Nils Fricke
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Im Land Bremen steigt die Zahl der Angriffe auf queere Menschen. Beim Bremerhavener CSD demonstrieren am Samstag Hunderte Menschen für ihre Rechte.

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In Bremerhaven wird am Samstag gefeiert und demonstriert. Zum vierten Mal findet der Christopher Street Day (CSD) in der Seestadt statt. Hunderte Menschen gehen auf die Straße und setzen sich so unter anderem für die Rechte von lesbischen und schwulen Menschen ein. Sie wollen zeigen: Auch heute werden queere Menschen noch immer benachteiligt, diskriminiert und attackiert. Vor kurzem beispielsweise auf dem CSD in Emden. Stellt sich die Frage: Wie geht es queeren Menschen bei uns im Nordwesten? Zu Besuch beim queeren Stammtisch Bremerhaven.

Einmal im Monat trifft sich der queere Stammtisch in einer urigen, norddeutschen Kneipe. Bier fließt aus dem Zapfhahn, frittierter Fisch liegt auf den Tellern und Sorgen werden ausgetauscht:

Ich habe im Moment tatsächlich Angst, dass sich das Rad zurückdreht.

Wolfgang Krömker aus Bremerhaven-Lehe

Vor vielen Jahren hat sich Wolfgang Krömker als homosexuell geoutet. Seitdem sei die gesellschaftliche Akzeptanz eigentlich immer besser geworden. Jetzt habe sich aber etwas verändert. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) sorgte dafür, dass während des CSD in Berlin keine Regenbogenfahne mehr auf dem Reichstag weht. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte, dass der Bundestag ja schließlich "kein Zirkuszelt" sei, auf dem man beliebig Fahnen hisse.

Wolfgang Krömker ist verunsichert.    

Das ist das, wovor ich ein bisschen Angst habe: Es gibt Tendenzen und Menschen, die alte Zeiten gerne wiederbeleben möchten.

Wolfgang Krömker aus Bremerhaven-Lehe

In den letzten vier Jahren ist die Zahl der Angriffe auf queere Menschen im Bundesland Bremen kontinuierlich gestiegen. Das zeigen Zahlen der Polizei. Dazu zählen unter anderem körperliche Gewalt, Beleidigungen und Sachbeschädigungen.

Gezählte Straftaten der Polizei Bremen zum Nachteil der queeren Community im Bundesland Bremen:

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Experten vermuten eine hohe Dunkelziffer. Vielen Betroffenen würde die Hilfesuche bei der Polizei schwerfallen. Die Bremer Polizei hat darauf reagiert: Beamte wurden besonders geschult, diese nehmen Anzeigen jetzt in einem geschützten Raum auf und vermitteln an spezifische Hilfsstellen.

Das Angebot werde gut angenommen, sagt Polizeisprecher Nils Matthiesen gegenüber buten un binnen. Noch mehr Hilfe wünscht sich Ali Naki Tutar vom Bremer Verein Rat und Tat für geflüchtete queere Menschen.

Als queere Menschen erleben wir im Alltag alle eine Art von Gewalt und Diskriminierung. Aber was queer-migrantische Personen noch mal besonders für eine Queerfeindlichkeit erleben, ist quasi eine Doppelbelastung.

Ali Naki Tutar vom Bremer Verein Rat und Tat

Am Stammtisch in Bremerhaven laufen die Vorbereitungen für den CSD. Erwartet werden bis zu 1.200 Teilnehmer. Kirsten Plötz organisiert den Christopher Street Day in Bremerhaven mit.

Wir haben uns lange dafür eingesetzt, dass Vielfalt als etwas Positives gilt. Also als etwas, was uns alle bereichert. Und das wird gerade so massiv angegriffen. Da wollen wir nie wieder hin zurück.

Kirsten Plötz, Organisatorin des Bremerhavener CSD

"Nie wieder still – loud and proud" ist das Motto des CSD in Bremerhaven. Wichtig ist der queeren Gemeinschaft, dass es den CSD nicht nur in den Großstädten gibt. Der Christopher Street Day gehört auch in die Provinz, sagt Wolfgang Krömker. "Man muss auch mal zeigen, dass man nicht nur in Berlin, Hamburg und Köln schwul leben kann. Das geht auch in Bremerhaven!"

Autor

  • Leonard Steinbeck
    Leonard Steinbeck

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 11. Juli 2025, 07:10 Uhr