Kommentar
Ein Jahr E-Akte: Armutszeugnis für die Digitalisierung
Ein Jahr E-Patientenakte: Bremer Ärzte klagen über technische Probleme
Niemand muss sich wundern, dass die elektronische Patientenakte nahezu nicht genutzt wird. Sie ist aktuell schlichtweg nutzlos, meint buten un binnen-Regionalchef Frank Schulte.
Stellen Sie sich mal vor: Sie halten Ihr nagelneues Smartphone in den Händen. Es startet. Die Oberfläche baut sich auf. Große Vorfreude! Und dann ist da: nichts. Einfach nichts. So fühlt sich das mit der elektronischen Patientenakte aktuell noch an. Wer sich durchgekämpft hat durch die quälende Autorisierung und Registrierung, wer seine Freigaben organisiert hat für Praxen und Ärzte, der hat natürlich eine klare Erwartung: Jetzt habe ich einen Ort, wo meine Befunde, Verordnungen, Leistungen alle übersichtlich gesammelt werden. Jetzt geht nichts mehr verloren. Endlich. Super Idee. Die App brauche ich.
Akte macht aktuell keinen Sinn
Die Realität ist: Sehr, sehr viele Praxen, Ärzte und Apotheken machen nicht mit, aus welchen Gründen auch immer. Dann macht aber diese Akte keinen Sinn. Und man muss sich nicht wundern, dass Patientinnen und Patienten sie nicht nutzen. Sie ist schlichtweg aktuell ziemlich nutzlos. Bevor ich jetzt wieder Zuschriften bekomme: Ja, die Krankenkassen stellen tapfer ein, was sie mir an Leistungen genehmigt haben. Das interessiert mich aber nicht so sehr wie die Arztseite.
Könnte eine tolle Sache sein. Ist sie aber aus Nutzersicht (noch) nicht. Ja, jetzt soll nachgebessert werden. Meine Nutzererfahrung allerdings ist: Wenn mich eine App mal richtig enttäuscht hat, ist es schwer, eine zweite Chance zu bekommen. So ist die Einführung der digitalen Patientenakte vor allem eines: mal wieder ein Armutszeugnis für die bisweilen quälende Digitalisierung in Deutschland.
Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 18. Februar 2026, 6 Uhr