1.400 Euro für eine Tankfüllung? Bremer Spedition setzt auf E-Lkw
Spediteure ächzen unter den Dieselpreis-Rekorden. Eine Bremerhavener Kraftfahrerin schwört da auf ihren E-Laster. Horrende Tankrechnungen bleiben ihr erspart.
Tanken wird immer teurer. Der eine oder die andere sattelt da auf Fahrrad oder E-Auto um. Aber was, wenn eine Tankfüllung mehr als 1.400 Euro kostet, wie bei einem Lkw? Eine Bremer Spedition setzt da auf E-Laster. Zu Besuch am Bremerhavener Standort.
"Der ist schon an, der summt, der brummt nicht", beschreibt Tatjana Weber ihr Fahrzeug. Die 45-Jährige fährt seit 15 Jahren Lkw, ein Drittel ihres Lebens. Trotz teurer Spritpreise sitzt sie gut gelaunt hinterm Steuer. Denn sie fährt einen Elektro-Laster.
Der hat 2.600 Newtonmeter auf der Hinterachse, ab Sekunde eins. Wenn ich zügig anfahren muss, bin ich weg – ich finde das geil.
Tatjana Weber, E-Lkw-Fahrerin
Elektro-Laster: zwei Tonnen mehr durch die Akkus
Viel schneller, als ein mit Benzin betriebener Lkw fährt die Elektro-Variante los. Das begeistert Weber, denn das macht auch das Fahren einfacher, wenn sie viel geladen hat. "Ich bin bei über 50 km/h, ich muss mal den Fuß vom Gas nehmen", wirft sie ein. Optisch sieht man kaum einen Unterschied, weder innen noch außen. Doch durch die sechs Akkus, die der "Brummi", besser "Summi", verbaut hat, ist er fast zwei Tonnen schwerer als eine herkömmliche Zugmaschine. Für Weber ist es ein völlig anderes Fahrgefühl.
Es gibt kein Motorgeräusch mehr, klingt wie eine Straßenbahn. Selbst wenn ich mit meinem Mann telefoniere, der fährt auch E-Lkw – ich höre ganz genau, er fährt an: Es ist das Summen der Straßenbahn.
Tatjana Weber, E-Lkw-Fahrerin
Spedition-Geschäftsführer bekommt "Schnappatmung"
Geladen wird an den speditionseigenen Ladesäulen auf dem Firmengelände sowie unterwegs während der Pausen oder am Zielort. In etwas mehr als einer Stunde sind die Akkus wieder bei 100 Prozent. Für Weber hat der Elektro-Lkw nur Vorteile.
Für ihre Spedition "Addicks und Kreye" bedeutet es allerdings eine große Investition: Insgesamt 13 E-Laster gehören zum Fuhrpark, davon fünf eigene. Knapp 250.000 Euro kostet so ein Modell, ein dieselbetriebener Lkw hingegen "nur" 100.000 Euro. Doch bei den heutigen Dieselpreisen wird auch Geschäftsführer Björn Ohl mal nervös.
Man bekommt Schnappatmung, weil man sich insgesamt Sorgen über den Einfluss der Treibstoffkosten für Benzin und Diesel auf die Konjunktur macht. Das wiederum beeinflusst das Geschäft ja auch.
Björn Ohl, Geschäftsführer
Das Tankvolumen eines 40-Tonnen-Lkw liegt üblicherweise zwischen 800 und 1.500 Litern Diesel. Da wird eine Tankladung teuer. Vielleicht hört man also künftig öfter das Summen der Elektro-Lastwagen auf den Straßen. Weber fährt nun seit zwei Jahren elektrisch und ist glücklich damit. Das Brummen des Dieselmotors fehlt ihr nicht: "Nein, gar nicht – ich habe gemerkt, es ist deutlich stressreduzierter", sagt sie. "Es ist für mich wirklich entspannter, ich möchte keinen Diesel mehr fahren."
Lkw mit E-Antrieb: Wie ein Bremer Unternehmen zum Vorbild werden will
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 9. April 2026, 15:40 Uhr