Von Tiefsee bis Migration: Diese Frauen haben Bremer Forschung geprägt
Women in Science: Diese 5 Frauen bringen die Bremer Wissenschaft voran
Frauen sind in Wissenschaft und Technik immer noch unterrepräsentiert. Am Women in Science Day richten wir den Blick auf Bremerinnen, die sich der Wissenschaft verschrieben haben.
Immerhin: Im Wintersemester 2024/2025 waren mehr als die Hälfte der Studenten und Studentinnen an der Universität Bremen weiblich. Bei den Professuren sieht das schon anders aus. Weniger als ein Drittel der Bremer Professuren waren im Jahr 2023 mit Frauen besetzt. Trotzdem belegt das Land Bremen damit Platz 4 im bundesweiten Vergleich.
Der Women in Science Day – oder Internationaler Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft – soll Mädchen und Frauen gleichen Zugang zu einer akademischen Laufbahn ermöglichen und sie sichtbarer machen.
Welche weiblichen Vorbilder gibt es in der Bremer Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation? Ob Jahrhunderte alte Einwanderungsgeschichten oder die Tiefen des Meeres: Diese und viele andere Frauen bringen die Wissenschaft in Bremen und darüber hinaus ein großes Stück voran.
1 Prof. Dr. Jutta Günther prägt die Uni Bremen
Seit 2022 ist Prof. Dr. Jutta Günther Rektorin der Universität Bremen – und das als erste Frau. Neben ihrem Wirken in zahlreichen Institutionen der Hansestadt ist sie Mitglied des höchsten Entscheidungsgremiums der europäischen Universitätsallianz YUFE.
Ihre wissenschaftliche Karriere brachte die Professorin für Volkswirtschaftslehre bereits in die USA, Japan, Norwegen und Russland – dabei startete ihre akademische Laufbahn erst auf dem zweiten Bildungsweg nach einer Berufsausbildung und mehreren Jahren Berufstätigkeit als pharmazeutisch-technische Assistentin. In ihrer Zeit als Rektorin konnte die Uni Bremen Förderungen für zwei Exzellenz-Cluster erreichen. Über die Bedeutung dieser Anerkennung spricht sie mit Moderator János Kereszti:
2 Dr. Grete Henry-Hermann baute Wissenschaft in Bremen auf
Die 1901 in Bremen geborene Physikerin, Mathematikerin und Philosophin Dr. Grete Henry-Hermann wirkte am Aufbau der Pädagogischen Hochschule in Bremen mit, die später in die Uni integriert werden sollte. Nach ihrem Abitur in Bremen zog es sie für ihr Studium nach Göttingen und Freiburg.
Ihre wissenschaftliche Laufbahn war von den neuen Erkenntnissen der Quantenphysik geprägt. So war sie in Leipzig zu Gast bei Werner Heisenberg, einem der bedeutendsten Physiker seiner Zeit, und publizierte prägende Beiträge zur wissenschaftlichen Debatte.
Darüber hinaus organisierte sich die Bremerin politisch und machte sich stark gegen den Nationalsozialismus. 1938 musste sie Deutschland verlassen und kehrte erst nach dem zweiten Weltkrieg in ihre Heimat Bremen zurück, um am Wiederaufbau mitzuwirken. 1947 wird sie Leiterin der neuen Pädagogischen Hochschule, die später Teil der Universität Bremen wurde. Hier setzte sie sich für demokratische Werte und verantwortungsbewusste Lehrkräfte ein. Die Professorin stirbt 1984 im Alter von 83 Jahren.
3 Dr. Simone Blaschka zeigt Vergangenheit – und Gegenwart
Schon seit 20 Jahren ist Dr. Simone Blaschka Direktorin des Deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven. Die gebürtige Hannoveranerin hat Geschichte und Philosophie studiert.
Im Deutschen Auswandererhaus ist sie als Direktorin verantwortlich für die strategische Entwicklung des Museums. Damit leistet sie nicht nur einen Beitrag zur Erforschung migrantischer Biographien: "Andererseits können wir durch unsere einzigartige Dauerausstellung Menschen das oft komplexe Thema Migration so näherbringen, dass sie die Perspektive der Aus- und Eingewanderten einnehmen können und Geschichte als etwas lebendiges erfahren."
In ihrer Doktorarbeit rekonstruierte sie die Geschichten von 17 Familien, die Mitte des 19. Jahrhunderts vom heutigen Niedersachsen nach Illinois ausgewandert sind. Über ihre heutigen Aufgaben sagt sie: "Eigentlich macht mir alles Freude – sonst würde ich das nicht seit 20 Jahren tun." Sie rät Frauen am Anfang ihrer akademischen Laufbahn: "Themen finden, die einen nicht mehr loslassen – dann hat man genug Energie für die Höhen und Tiefen."
4 Dr. Kerstin Haller macht Wissenschaft für alle zugänglich
"Ich war schon als kleines Mädchen sehr neugierig, habe oft alltägliche Dinge hinterfragt und mir meine eigene Vorstellung der Welt konstruiert", erinnert sich Dr. Kerstin Haller. Heute ist die Physikerin verantwortlich für die Dauer- und Sonderausstellungen im Universum Bremen und stellt sich der Aufgabe, komplizierte Sachverhalte für alle zugänglich zu machen: "Die meiste Freude bereitet es mir jedoch, zu beobachten, wie Besucherinnen und Besucher unsere Angebote wahrnehmen."
Nach ihrem Physik-Studium in Freiburg wechselte Kerstin Haller an die Universität Bremen und promovierte in Didaktik der Physik. Nach einem Abstecher für ein Volontariat am Deutschen Museum in München zog es sie wieder nach Bremen. Ihr Rat an junge Frauen, die eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen wollen: "Traue dich und suche dir Verbündete."
5 Prof. Dr. Antje Boetius bringt Bremer Forschung in die USA
Prof. Dr. Antje Boetius ist die wohl prominenteste und bedeutendste Tiefseeforscherin Bremens – oder sogar Deutschlands. Sie hat 1996 ihren Doktor in Biologie an der Universität Bremen gemacht. Die Professorin für Geomikrobiologie hat einen steilen Karriereweg hinter sich: Als Vize-Direktorin wirkte sie maßgeblich am Exzellenzcluster am MARUM der Universität Bremen mit.
Außerdem war sie seit 2017 Direktorin des renommierten Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven. Damit ist sie eine der prägenden Figuren der Polarforschung. Ein Höhepunkt ihrer Zeit am AWI war die Mosaic-Expedition auf dem Forschungseisbrecher "Polarstern" zur Erforschung des Klimawandels.
Nach sieben Jahren verließ sie 2024 ihren Posten, um nach Kalifornien ans Monterey Bay Aquarium Research Institute zu wechseln. Seit Mai 2025 ist sie Präsidentin des Instituts. Mehr über ihre Entscheidung, in die USA zu gehen, und ihre Arbeit erzählt sie im Gespräch mit Moderator Felix Krömer:
Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 11. Februar 2026, 8:10 Uhr