Kommentar
Feiglinge hinter Fakeprofilen – hört auf, euch zu verstecken
Feiglinge hinter Fakeprofilen – hört auf, euch zu verstecken
Hass, Beleidigungen, Drohungen: Das Netz ist voll davon. Es liegt an euch, das zu ändern. Ein Appell an Hater und Haterinnen von Online-Redaktionsleiter Thorsten Reinhold.
An Hater und Haterinnen im Netz (und alle anderen, die auch mitlesen – wie im Netz), ihr wisst genau, was ihr tut. Ihr tippt eure Kommentare, ihr lest sie noch einmal – und ihr schickt sie trotzdem ab. Beleidigungen, Herabwürdigungen, blanker Hass. Wir lesen, was ihr schreibt. Jeden Tag. In unserer Redaktion sitzen keine Filterblasen, sondern Menschen, die eure Kommentare prüfen, einordnen, oft auch einfach ertragen müssen.
Und vorweg noch etwas: Viele von euch sind feige. Ja, feige. Weil ihr euch versteckt. Hinter Fakeprofilen, hinter der Distanz eines Displays, hinter dem vermeintlichen digitalen Schutzschild. Ihr würdet den meisten Menschen das, was ihr schreibt, niemals ins Gesicht sagen. Nicht aus Anstand – sondern aus Angst vor der direkten Reaktion. Online fühlt ihr euch sicher.
Auffällig oft spielt sich das auf X ab. Laut EU-Monitoring ein Ort, an dem Hass zu oft stehen bleibt, zu spät geprüft wird, zu selten Konsequenzen folgen. Genau das zieht euch an. Aber hört auf, euch etwas vorzumachen: Das Netz ist kein Schutzraum. Wenn ihr jemanden als "blöde Fotze" bezeichnet, ist das keine Meinung. Das ist strafbar. Wer droht, hetzt oder NS-Inhalte verbreitet, riskiert Geldstrafen – im Extremfall auch Freiheitsstrafen. Gefängnis statt Freiheit.
Kommentare können Beweise werden
Seit dem Gesetz gegen Hasskriminalität werden strafbare Inhalte gesichert und in schweren Fällen an das Bundeskriminalamt gemeldet. Eure Kommentare können Beweise werden. Sie können Folgen haben – und euer Leben verändern.
Ein Beispiel aus Bremen: Ein Feuerwehrmann, der über Jahre hinweg rassistische und menschenverachtende Inhalte in Chatgruppen geteilt hat. Ergebnis: Entlassung aus dem Beamtenverhältnis. Gerichtlich bestätigt. Seine eigenen Nachrichten haben gereicht.
Ein anderes Beispiel: Ein sogenannter Puppy-Player, der bei Radio Bremen offen über seine Neigung gesprochen hat. Unter einem Facebook-Beitrag dazu? Kaum Diskussion, kaum Neugier – stattdessen nahezu durchgehend Hass. Fast 100 Prozent der Kommentare: abwertend, beleidigend, entmenschlichend. Genau das ist das Problem. Nicht die Plattform. Sondern das, was ihr daraus macht. Doch, es passiert was. Immer häufiger.
Schwach – nicht mutig
Während ihr noch glaubt, ihr seid unangreifbar, melden euch andere längst. Vor allem Jüngere, im Alter zwischen 14 und 24 Jahren. Sie schauen nicht mehr weg. Laut einer Forsa-Umfrage melden sie Hass immer häufiger – und sie sagen auch offen: Dieses Verhalten ist schwach – nicht mutig.
Mut wäre, Verantwortung zu übernehmen. Mut wäre, Kritik zu äußern, ohne zu entmenschlichen. Mut wäre, sich einer echten Auseinandersetzung zu stellen – mit Argumenten statt Beleidigungen. Das Netz ist kein rechtsfreier Raum. Es ist ein geteilter Raum. Und den könnt ihr mitgestalten. Jeden Tag, mit jedem Kommentar. Ihr dürft vieles sagen. Aber nicht alles. Und vielleicht fangt ihr mit etwas Einfachem an: Zuhören.
So wurde abgestimmt!
- Stimme voll zu
- Stimme eher zu
- Neutral
- Stimme eher nicht zu
- Stimme nicht zu
Abgegebene Stimmen: 355
Das Ergebnis der Befragung ist nicht repräsentativ
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 20. April 2026, 06:47 Uhr