Was Hass im Netz mit einem Bremer Puppy-Player gemacht hat

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"Wir kriegen dich" steht in einem Kommentar.

Was Hass im Netz mit Betroffenen macht

Die Anonymität im Netz befördert Hate Speech. (Symbolbild) Bild: Imago | Hanno Bode
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"Ekelhaft", "Abschaum", "gehört verprügelt" – solche Aussagen, auch "Hate Speech" genannt, sind in den Kommentarspalten der sozialen Medien trauriger Alltag. Wie kann man sich schützen?

buten un binnen bei Google bevorzugen

Eine regelrechte Hasswelle rollte im Januar über die Facebook-Seite der Radio-Bremen-Hörfunkwelle Bremen Zwei. Dort wurde ein Interview-Gast vorgestellt, der als sogenannter Puppy-Player einen Teil seines Privatlebens als Hund lebt und dabei zum Beispiel eine Hundemaske trägt. 

Ein Screenshot von Hasskommentaren.
Auch auf Kanälen von Radio Bremen, hier von Bremen Zwei, kommt es zu Hate Speech. Bild: Radio Bremen

"Am Montagmorgen habe ich in die Kommentare geschaut und gesehen, dass da über 5.000 Kommentare waren", berichtet Cecilia Erbo Müller, Redakteurin und Channel-Managerin bei Bremen Zwei. Jeden einzelnen dieser Kommentare habe sie gesichtet und im Fall eines Verstoßes gegen die Netiquette oder das Gesetz gelöscht. Sie vermutet, dass das Posting auch außerhalb ihrer Community geteilt und darum so groß wurde.

Es ist schon erschütternd. Man sieht dann, dass das ja 'ganz normale' Leute sind, die das kommentieren. Die da ihren Beruf und alles angeben. Und da fragt man sich auch: Was läuft hier falsch?

Cecilia Erbo Müller, Redakteurin bei Bremen Zwei

Verstecken hinter der vermeintlichen Anonymität

Häufig seien zum Beispiel Frauen, People of Color und LGBTQ+-Personen von Hass im Internet betroffen, beschreibt Cornelia Holsten, Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt Brema. Die Brema ist unter anderem eine Beschwerdestelle für Menschen, die Opfer von Hate Speech geworden sind. 

Aber was bewegt Menschen dazu, hasserfüllte Kommentare zu schreiben? Einerseits lade die Anonymität dazu ein, meint Holsten. Außerdem sei es ein psychologisches Phänomen, dass Empathie vor einem Bildschirm sehr viel schwerer fällt als vor einem echten Menschen, beschreibt Judith Strieder von der Organisation Hate-Aid.

Man muss sich dabei erstmal selber klar machen, dass da jemand ist am anderen Ende, der das liest.

Eine Frau, Judith Strieder, schaut in die Kamera
Judith Strieder, Betroffenenberaterin bei der Organisation HateAid

Hasskommentare "oft gezielte Einschüchterung"

Außerdem seien solche Hasskommentare wohl oft auch eine gezielte Einschüchterung, sagt Holsten. Verstärkt werde das Ganze durch Bots und Trolls sowie die Funktionsweise der Plattformen an sich. Denn wenn unter einem Beitrag viel und emotional kommentiert wird, wird dieser oft noch häufiger ausgespielt.

Empörung erzeugt Reichweite.

Die Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt Brema, Cornelia Holsten.
Cornelia Holsten, Direktorin der Landesmedienanstalt Bremen

Dabei muss ein Inhalt aber nicht zwingend strafrechtlich relevant sein, um Hate Speech zu sein, sagt Cornelia Holsten. "Häufig wissen die Verfasser*innen sehr genau, wo diese Grenzen verlaufen", berichtet sie. Doch für die Opfer seien auch nicht-strafbare Kommentare oft verletzend.

Viele Menschen kommen sehr belastet zu uns, mit Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, Ängsten oder depressiven Symptomen.

Eine Frau, Judith Strieder, schaut in die Kamera
Judith Strieder, Betroffenenberaterin bei der Organisation HateAid

Und auch berufliche und soziale Folgen wie ein Jobwechsel kämen vor, beschreibt Judith Strieder von Hate-Aid, wenn zum Beispiel die Wohnadresse öffentlich wird oder Arbeitgeber informiert werden.

Betroffene nicht alleine lassen

Damit es gar nicht erst so weit kommt, sei es auch wichtig, dass Medienhäuser auf mögliche Hasswellen vorbereitet sind. Zum Beispiel, indem sie Ansprechpersonen für die Betroffenen bereithalten, rät Cornelia Holsten von der Landesmedienanstalt. Und so wichtig Medienfreiheit auch sei, im Zweifel sei das einzige Mittel, die Kommentarfunktion abzuschalten.

Es geht nicht darum, Meinung einzuschränken. Sondern Gewalt fängt da an, wo Meinung aufhört. Hass ist keine Meinung mehr.

Eine Frau, Judith Strieder, schaut in die Kamera
Judith Strieder, Betroffenenberaterin bei der Organisation Hate-Aid

So ist es schließlich auch bei dem zu Anfang beschriebenen Beitrag auf dem Kanal von Bremen Zwei passiert. Erst wurde hier die Kommentarfunktion deaktiviert und bis dahin aufgelaufene Kommentare wurden teils zur Anzeige gebracht. Schließlich musste der Beitrag ganz gelöscht werden, um den Protagonisten, der sich das Pseudonym Mitch gegeben hat, zu schützen.

Es sei für ihn "sehr unangenehm und auch unverständlich" gewesen, so viel Hass zu einem Thema zu erfahren, das ihm "Freude bringt und wodurch ich viele tolle Leute kennengelernt habe", äußert Mitch sich schriftlich im Rückblick auf die Hasswelle. "Mein Umgang damit: Rückzug und Abblocken. Ich habe mir keine Kommentare angesehen", berichtet er weiter.

Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, dem Thema keinen Raum in meinem Leben zu geben, keine Angst zu haben, keine Scham zu empfinden. Ich habe aber auch beschlossen, dass der Preis für mich zu hoch ist, um weiterhin in der Öffentlichkeit stattzufinden.

Mitch, Puppy-Player 

Kommentare per Screenshot sichern

Um sich als Privatperson vor Hate Speech im Netz zu schützen, solle man im Netz nicht zu viel Privates von sich preisgeben, rät Holsten. Außerdem sei es wichtig, die Hasskommentare und die Profile ihrer Verfasser als Screenshots zu sichern, um sie dann bei der Polizei zur Anzeige zu bringen. Auch um das Dunkelfeld zu verkleinern, betont Judith Strieder von Hate-Aid.

Die Wirkung von Hasskommentaren ist erstmal Angst und Rückzug. Dieses Gefühl, man möchte sich die Decke über den Kopf ziehen. Da brauchen die Opfer Unterstützung.

Die Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt Brema, Cornelia Holsten.
Cornelia Holsten, Direktorin der Landesmedienanstalt Bremen

Neben der Anzeige bei der Polizei ist es auch möglich, sich an die Landesanstalt für Medien oder zum Beispiel die Organisation HateAid zu wenden. Das geht auch, wenn strafrechtliche Grenzen nicht überschritten wurden. Wichtig sei es, nicht zu resignieren und den Hass einfach hinzunehmen, appelliert Cornelia Holsten. "Die Gesellschaft darf sich nicht daran gewöhnen."

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Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 20. April 2026, 7:35 Uhr