Wie Eltern eine Hof-Kinderbetreuung in Wehdel auf eigene Faust starten

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Mehrere Kinder und eine Frau spielen zwischen Baumstümpfen.
Kinder und eine Mutter der Gruppe "Hofhummeln" spielen im Freien. Bild: Radio Bremen | Sina Derezynski
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Keine Kita, aber gefragte Betreuung: Eltern im Kreis Cuxhaven setzen nun ihre Ideen für Kinder auf einem Bauernhof um – mit Tieren, im Grünen und bei jedem Wetter.

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Eine Bauernhof-Kita – das ist schon seit Jahren der Traum von Ann-Kathrin Harrje. Nach langwierigen Gesprächen mit Behörden und Politik musste sie jedoch hinnehmen: In Niedersachsen sind die nicht vorgesehen. Möglich sind zwar Wald-Kitas, die sind aber mit Auflagen verbunden, die ihrer Idee von – zum Beispiel – freier Flächengestaltung und der Einbindung von Tieren hinderlich wären.

Mehrere Kinder und Ziegen sind auf einer Wiese.
Die Ziegen der Harrjes sind bei den "Hofhummeln" beliebt. Bild: Radio Bremen | Sina Derezynski

Harrje träumte weiter und setzt ihren Plan nun anders um: Die "Hofhummeln" sind jüngst gestartet – nicht als offizielle Kita, sondern als eigenverantwortliches Elternprojekt, quasi auf eigene Gefahr.

Zehn Kinder werden drei Tage die Woche auf ihrem Milchviehbetrieb in Wehdel in der Gemeinde Schiffdorf betreut, ehrenamtlich von der Mutter und weiteren Eltern. "Wir haben eine Kinderbetreuung organisiert, ganz unabhängig, kein Verein und nix – einfach Eltern, die sich zusammengetan haben, um ihre Kinder zu betreuen", erklärt Harrje das Projekt. Als ob man sein Kind in eine andere Familien zum Spielen gibt.

Wir sind mit dem System ein bisschen unzufrieden und reden schon lange davon, einen offiziellen Bauernhof-Kindergarten zu errichten. Das ist aber in Niedersachsen so nicht möglich. Wir haben versucht Lücken zu finden, zu einem Infoabend geladen, um uns mit Eltern zusammenzutun, zu gucken, was wir machen können und was nicht.

Eine Frau steht im Grünen.
Ann-Kathrin Harrje, Mitinitiatorin der "Hofhummeln"

Zu dem Gelände des landwirtschaftlichen Betriebs gehört eine alte Pferdeweide, ein 600 Quadratmeter großer Teil davon wird nun zur Spielwiese. Es gibt einen großen Sandberg, auch ein Boot dient den Kindern zum Ausprobieren und Entdecken. Harrje ist 36 Jahre alt und hat selbst drei Kinder, ihr fünf Jahre alter Sohn ist Teil der "Hofhummeln".

Bauernhof-Betreuung: Alles an der frischen Luft

Möglich sei diese Gestaltung, weil das eigeninitiative Elternprojekt ohne Kita-Status weder Vorgaben noch Auflagen hat. Entsprechende Absicherungen allerdings auch nicht. Hinzu kommen Barfußpfad und Weiden-Tipi. Der Morgenkreis findet unter freiem Himmel statt und auch sonst soll sich fast alles an der frischen Luft abspielen.

Wir haben natürlich die Möglichkeit, auf den Hof zu gehen und Unterschlupf zu suchen, im Strohnest oder bei den Kleintieren. Und wir haben unseren Bürocontainer, der aber mit allen Kindern drin wirklich kuschelig wird. Das ist so unser Ruhe- und Ausgleichsbereich.

Eine Frau steht im Grünen.
Ann-Kathrin Harrje, Mitinitiatorin der "Hofhummeln"

Auch beim "Kälberkindergarten" und anderen Tieren auf dem Hof sind die "Hofhummeln" dabei und helfen mit. Zu den typischen Aufgaben gehört etwa, zu verfolgen, wie viel die kleinen und größeren Tiere fressen und wann sie Nachschub brauchen und versorgt werden müssen. Dabei lässt sich viel lernen, sagt Harrje.

"Hofhummeln" haben lange Warteliste

Mehrere Kinder und Frauen spielen im Freien.
Mehrere Elternteile übernehmen die Betreuung ehrenamtlich. Bild: Radio Bremen | Sina Derezynski

Der Umgang mit den Ziegen ist laut Frida ebenfalls lehrreich: "Tjark ist schön und lieb und flauschig", sagt die Vierjährige. Und: "Das ist Natascha die Ziege, aber die kann man nicht streicheln." Sie klingt zufrieden, wenn sie vom Hof erzählt.

Aus der Elternschaft kommt ebenso Positives: "Wir fühlen uns hier sehr wohl", sagt Jessica Hosinner. "Wo kriegt man das noch, dieses Landerlebnis, ohne Druck und Stress?" Das sei das, was die Kinder bräuchten, aber auch viel Handarbeit.

Wie gut die Idee ankommt, zeigt die Warteliste: Sie ist bis 2031 voll. Für eine Ausweitung ist man offen – sofern sich weitere Eltern einbringen.

Gemeinde Schiffdorf begrüßt naturnahe Angebote

Die Idee des Elternprojekts kommt auch bei der Gemeinde Schiffdorf gut an. "Kindern Naturerfahrungen sowie den Kontakt zu Tieren und landwirtschaftlichen Abläufen zu ermöglichen, wird grundsätzlich positiv bewertet", heißt es. Dennoch weist die Gemeinde darauf hin, dass es sich bei dem Projekt nicht um eine reguläre Kindertageseinrichtung handelt, da manche Anforderungen in der angedachten Form nicht genehmigungsfähig sind, beispielsweise in Bezug auf das Bau- und Hygienerecht.

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Bild: Radio Bremen
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Autorinnen und Autoren

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier, 22. April 2026, 14:15 Uhr