Machen Bremer Schulen heute andere Klassenfahrten als früher?

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Das erleben Lehrer und Lehrerinnen auf Klassenfahrt

In Bremen ist die Jugendherberge im Stephaniviertel eine beliebte Anlaufstelle für Schulklassen, die die Stadt besuchen möchten. Bild: Radio Bremen | Inès Schumann
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Klassenfahrten sind und waren stets fester Bestandteil der Schulzeit. Doch warum sind sie wichtig und wie haben sie sich in den letzten Jahrzehnten verändert?

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Bekritzelte Hochbetten, viel zu süßer Früchtetee und Liebesbriefchen, die von einem Zimmer ins andere gereicht werden – diese Erinnerungen bleiben auch noch lange nach dem Schulabschluss erhalten. Dabei ist es eigentlich egal, wohin die Reise ging oder wie viele Hochbetten genau im Zimmer der Jugendherberge standen. Denn sie gehören einfach zur Schulzeit dazu: Klassenfahrten.

Zwei Stockbetten im Zimmer einer Jugendherberge
Mehrbettzimmer mit Stockbetten – manche Dinge ändern sich nicht. Bild: IMAGO / Funke Foto Services

"Im Grunde ist das, was wir seit den 70er Jahren machen, das Gleiche", sagt Achim Kaschub, Vorsitzender der Schulleitungsvereinigung Bremen. So sei er vor mehr als 35 Jahren zum Abschluss seiner Schulzeit nach Rom gefahren. "Das macht man heute auch noch so, man besucht gern ausländische Städte", fügt er hinzu.

Probleme der Schüler haben sich verändert

Früher sei klar gewesen: "Du nimmst den Bus." Heute dagegen komme es auch vor, dass Schüler fliegen. Außerdem komme den Klassenfahrten heute eine noch größere Bedeutung zu als früher. Grund dafür sei, laut Kaschub, dass die Schülerinnen und Schüler heute häufiger psychische Probleme hätten. "Psychosomatische Beschwerden haben deutlich zugenommen. Für viele ist auch Vereinsamung ein großes Thema", so Kaschub. "Genau deswegen ist es umso wichtiger, weiterhin Klassenfahrten zu machen." Denn dort könnten soziale Kontakte besonders gut aufgebaut und gepflegt werden. Das sei insbesondere für solche Kinder und Jugendliche wichtig, die aus unsicheren familiären Verhältnissen kommen.

"Es kann sich eine ganze Klasse zusammenschweißen und kann sagen: 'Unser Lernziel ist, dass wir am stärksten sind, wenn wir zusammenhalten.'"

Achim Kaschub im Gespräch bei buten un binnen
Achim Kaschub, Vorsitzender der Schulleitungsvereinigung

So läuft die Planung einer Klassenfahrt ab

Eine historische Aufnahme einer Schulklasse, welche in einem Landheim in Bademühlen sitzt und zu Abend isst.
Ausflug nach Bademühlen: Das Gymnasium Hamburger Straße in einer Jugendherberge 1966. Bild: Schulmuseum Bremen

"Früher fuhr man ins Schullandheim, hat zusammen gespielt und alles war gut", sagt Kaschub. Heute dagegen suche man sich meist vorab ein Thema für die Fahrt – wie beispielsweise den Zusammenhalt. Im nächsten Schritt buche man Angebote, die oft auch von externen Experten angeleitet würden, nicht von den Klassenlehrerinnen und -lehrern. Als Beispiel für solche "thematischen" Klassenfahrten nennt Kaschub Erasmus-Fahrten. Diese hätten immer einen Projektcharakter.

Was ist das Besondere an Erasmus-Fahrten?

Erasmus-Fahrten sind solche, die aus Mitteln der Europäischen Union gefördert werden. Typisch für derartige Fahrten sei, dass die Schülerinnen und Schüler gemeinsame Aufgaben bekämen. Angeleitet würden sie dabei nicht von ihren Lehrkräften, sondern von externen Experten, so Kaschub. "Wir packen ein Ei ein, das soll aus dem zweiten Stock fallen und nicht kaputt gehen", stellt er beispielhaft eine beliebte Aufgabe vor. Diese zielt darauf ab, dass die Schüler gemeinsam einen Plan entwickeln. 

Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und externen Experten

Trotz der Anwesenheit externer Experten seien die Lehrkräfte allerdings nicht von ihren Aufsichtspflichten entbunden.

"Die Lehrkräfte werden von Akteuren zu Beobachtern."

Achim Kaschub im Gespräch bei buten un binnen
Achim Kaschub, Vorsitzender der Schulleitungsvereinigung

Ein Vorteil aus pädagogischer Sicht sei mitunter, dass sich die Lehrkräfte, wenn externe Experten mitwirken, besser auf jene Schülerinnen und Schüler konzentrieren könnten, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht gut eingebunden sind oder Schwierigkeiten mit den Übungen haben.

Klassenfahrten als wichtiger Teil des Jobs

Eine historische Aufnahme von Schülern im Olympiastadion in Berlin.
Das Alte Gymnasium aus Bremen besucht das Olympiastadion in Berlin – 1962. Bild: Schulmuseum Bremen

Das Anbieten von Klassenfahrten "gehört auf jeden Fall dazu", sagt Kaschub. Tatsächlich gehören Klassenfahrten zu den Pflichten einer Lehrkraft, wie sie etwa die Stadtgemeinde Bremen hier beschreibt. Ausnahmen gelten etwa für Lehrkräfte, die aus gesundheitlichen Gründen keine Klassenfahrten mitmachen können.

Schullandheime werden teurer

Seit den 1960er Jahren gelten Klassenfahrten nach Berlin als wichtiger Teil des Bildungsangebots.

Für die Schülerinnen und Schüler Bremens ist bis zur sechsten Klasse klar: Es geht in eines der zehn Bremer Schullandheime. Doch wie fast alles sind auch die Schullandheime "eklatant, gerade nach Corona, teurer geworden", sagt Kaschub. Die Folge sei, dass eine Klassenfahrt pro Schüler und Woche schon einmal 350 Euro kosten könne. "Das ist natürlich eine Herausforderung", so der Schulleiter. 

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Autorinnen und Autoren

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 1. Juli 2026, 19:30 Uhr