Kommentar

Abschied des Innensenators: Bremen muss mehr Mäurer wagen!

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Ulrich Mäurer, Innensenator von Bremen, spricht während einer Pressekonferenz.

Ist Bremen eine gespaltene Stadt?

Ein halbes Jahrhundert hat Ulrich Mäurer die Bremer Landespolitik mitgeprägt; jetzt geht er offiziell in den Ruhestand. Bild: dpa | Mohssen Assanimoghaddam
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Der scheidende Bremer Innensenator Mäurer hat gesagt, Bremen sei eine gespaltene Stadt. Bremen Zwei-Redakteur Martin Busch findet, dass der SPD-Politiker Recht hat.

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Schon lange war klar, dass mit Ulrich Mäurer ein Realist im Bremer Senat sitzt. Alle anderen, so hätte es mein Soziologie-Professor gesagt, verhüllen das Sein durch das Wünschen. Wie bei dem Wunsch, dass Vielfalt verbindet! Das klingt schön, ist aber ein naives Motto. Nicht immer eine Utopie, aber doch naiv.

Unsere gegenwärtige Vielfalt ist nichts weniger als eine ordnungspolitische Herkules-Aufgabe. Die Synchronisierung im Sinne eines friedlichen Miteinanders funktioniert nicht so einfach wie in einer Fußball-Mannschaft oder einem Orchester. Nein, die sozialen, die kulturellen Unterschiede sind nicht immer fein, sondern teilweise gravierend.

Sprachlich ist die Stadt gespalten

Bei Pierre Bourdieu, der einst so aufschlussreich über die Verschiedenartigkeit in den Details schrieb, gab es zumindest gemeinsame Werte und Normen. Und eine gemeinsame Sprache. In Bremen spricht jedes zweite Vorschulkind nicht gut Deutsch. Da ist die Stadt ganz offensichtlich gespalten.

Und wenn es Gegenden gibt, in denen viele Bürgerinnen und Bürger sich nicht mehr trauen, im Dunkeln rauszugehen, dann ist auch das ein Beleg für eine Spaltung. Hinzu kommt die Spaltung in reich und arm, die in Bremen auch deutlicher ist als in vielen anderen Gegenden der Republik.

Mäurer ist von der SPD enttäuscht

Und, Mäurer hat es gerade nochmal angesprochen: Es gibt die Spaltung in Zeitgenossen, die den demokratischen Parteien nach wie vor vertrauen und solche, die sich von Grünen, Linken, CDU, FDP und seiner SPD abwenden. Immer häufiger sind das enttäuschte Menschen, die lange Zeit überzeugte Kunden der Sozialdemokraten waren.

Wie in Frankreich macht ein Teil des Arbeiter-Milieus mittlerweile sein Kreuz bei rechten Populisten. Wenn ich ihn recht verstehe, kann Mäurer es ihnen nicht verübeln, denn auch er, der wegen Herbert Wehner in die Partei eingetreten ist und Helmut Schmidt bewundert hat, ist von der SPD, auch auf Bundesebene, aktuell enttäuscht.

Kann man ihm vorwerfen, sich nicht durchgesetzt zu haben?

Bremen Zwei-Journalist Martin Busch

Der Kriminalitäts-Problematik rund um den Hauptbahnhof hat er sich, so gut er konnte, angenommen. Auch gibt es künftig ein großes Kommissariat nahe der Grohner Düne in Bremen-Nord.

Schon diese Veränderungen waren dicke Bretter, denn man muss bedenken, dass am Kabinettstisch Volksvertreter sitzen, die — ich formuliere es vorsichtig — ein etwas anderes Bild von der Polizei und von Recht und Ordnung haben als der bisherige Innensenator. Auch auf die mögliche Entstehung von Parallelgesellschaften blicken die restlichen Vertreter der rot-grün-roten Koalition weniger kritisch.

Mäurer hatte Rückgrat

Ich glaube, wenn Mäurer nicht nur Senator gewesen wäre, sondern Regierungschef — vielleicht sogar mit absoluter Mehrheit — dann wäre sein politisches Vermächtnis weit umfangreicher. Vielleicht auch als Senator in einer christdemokratisch geführten Landesregierung.

Leider ist der eigene Einfluss kein "Wünsch dir was", ebenso wenig wie die Realität. Ulrich Mäurer hat immerhin gesagt, was ist, statt zu verdrängen oder gar zu träumen. Und er hatte das Rückgrat, sich für seine Überzeugungen auch mit den eigenen Leuten anzulegen.

Der amerikanische Soziologe Richard Sennett schreibt: "Da die Menschen allzu große Komplexität nicht ertragen können, weicht die offene Stadt am Ende unvermeidlich einer geschlossenen." Optimisten sind, das belegen Studien, die beliebteren und auch die zufriedeneren Menschen. Ob sie die besseren Politiker sind, wage ich zu bezweifeln. Aus meiner Sicht muss Bremen mehr Mäurer wagen!

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Was treibt Bremens langjährigen Innensenator Ulrich Mäurer an?

Bild: Radio Bremen
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Autor

  • Martin Busch
    Martin Busch Nachrichtenredakteur

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 12. Dezember 2025, 9:38 Uhr