Wieso Bremen durch die Einheit mehr Gewinne als Verluste machte

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Mecklenburg-Vorpommern / DDR / 1990 Neptun-Warnow-Werft in Rostock. Als das Bild entstand, stand die Abwicklung des Betriebs noch nicht fest.

Wieso Bremen durch die Einheit mehr Gewinne als Verluste machte

Die Neptun-Warnow-Werft in Rostock 1990. Fast wäre sie an den Bremer Vulkan gegangen. Doch die Kvaerner-Gruppe bekam den Zuschlag. Der Vulkan erhielt das Dieselmotorenwerk Rostock. Bild: dpa | Paul Glaser
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Die Deutsche Einheit hat den Westen viel Geld gekostet – auch Bremen. Trotzdem sagt der Bremer Ökonom Rudolf Hickel: Unterm Strich haben Bremen und der Westen profitiert.

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Der "Aufbau Ost" genoss in den Jahren nach der Wiedervereinigung hohe politische Priorität. Geld vom Bund und aus dem Länderfinanzausgleich ging in die neuen Bundesländer. Ohne den "Aufbau Ost" wäre es wohl strukturschwachen Gebieten im Westen – und damit auch Bremen – zugeflossen. Gleichzeitig mussten die Menschen im Westen mehr Steuern zahlen. Kostete die Wiedervereinigung daher auch Bremen bares Geld?

Auf lange Sicht gesehen nicht, betont der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel. Er hat in den neunziger Jahren mehrere Bücher über die Kosten der Wiedervereinigung verfasst.

Insgesamt lässt sich sagen, dass das Land Bremen ökonomisch von der deutschen Einigung profitiert hat.

Rudolf Hickel, Bremer Wirtschaftswissenschaftler

Genaue Zahlen dazu gebe es allerdings nicht. Hickels Einschätzung deckt sich indes im Wesentlichen mit der Einschätzung der Bundeszentrale für politische Bildung.

Bis zu 1,8 Billionen Euro für die Einheit

Sowohl die Wirtschaft als auch die Bürgerinnen und Bürger seien auf vielfältige Weise finanziell nach der Wiedervereinigung belastet worden, sagt Hickel. Er verweist auf den Solidaritätszuschlag und diverse Steuererhöhungen – wie etwa die der Mehrwertsteuer im Jahr 1993, die der Tabaksteuer und jene der Versicherungssteuer.

Zudem habe der Bund für den "Fonds Deutsche Einheit", für die Treuhandanstalt und den "Solidarpakts I und II" mehrere hundert Milliarden Euro Schulden gemacht, um den "Aufbau Ost" zu finanzieren. Alles in allem schätzte man die Kosten der Einheit Hickel zufolge daher bis zum Jahr 2010 auf 1,5 bis 1,8 Billionen Euro.

Wachstumsboom durch Deutsche Einheit

Der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel gibt im Studio von buten un binnen ein Interview.
Hat in den neunziger Jahren zwei Bücher über die Kosten und Erträge der Deutschen Einheit verfasst: der Bremer Ökonom Rudolf Hickel. Bild: Radio Bremen

Der Wissenschaftler stellt allerdings klar: "Gegenzurechnen sind die ökonomischen Vorteile durch den Einigungsboom." Die Finanzierung des Umbaus im Osten habe in Westdeutschland einen Wachstumsboom ausgelöst – der allerdings leider praktisch nur im Westen zu wachsendem Wohlstand geführt habe.

Westdeutsche Unternehmen haben durch die Übernahme von ostdeutschen Fabriken profitiert.

Rudolf Hickel, Bremer Wirtschaftswissenschaftler

So übernahmen die Bremer Vulkan AG und die Hegemann-Gruppe Werften und Zulieferbetriebe in der ehemaligen DDR. Und selbst kleine Bremer Handwerksbetriebe hätten Aufträge aus Ostdeutschland bekommen, blickt Hickel zurück.

Bremer Betriebe im Osten im Einsatz

Es sei sogar so weit gegangen, dass nicht wenige Betriebe Aufträge aus Bremen immer wieder abgelehnt hätten, weil sie etwa in Rostock zu tun hätten. Zudem seien Bremer Arbeitskräfte beim Aufbau des öffentlichen Dienstes in der Partnerstadt Rostock und in anderen ostdeutschen Städten gefragt gewesen. Dafür hätten sie eine "Buschprämie" erhalten, wie man damals sagte: kleine Zulagen.

Nehme man all dies zusammen, so gehöre Bremen auch unter finanziellen Gesichtspunkten zu den Gewinnern der Deutschen Einheit, so Hickel.

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Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 27. September 2026, 12:40 Uhr