Krankschreibung erst ab Tag 4? Bremer Ärzte fordern Entlastung
Bremer Ärzteverband fordert Krankschreibungen erst ab dem 4. Tag
Die Praxen seien nicht der verlängerte Arm der Personalabteilungen, kritisiert die Kassenärztliche Vereinigung. Arbeitgeber lehnen den Vorschlag ab.
Zur Entlastung des Gesundheitssystems schlägt die Kassenärztliche Bundesvereinigung wieder neue Regeln für Krankschreibungen vor. Arbeitnehmer sollten generell erst ab dem vierten Tag zum Arzt oder zur Ärztin müssen, um sich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) zu holen. Diese Forderung unterstützt auch Christoph Fox von der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen.
Die Praxis ist kein verlängerter Arm der Personalabteilung. Medizin soll behandeln, nicht beaufsichtigen.
Christoph Fox, Sprecher der Kassenärztliche Vereinigung Bremen
In Zeiten eines eklatanten Fachkräftemangels in der Medizin könne man es sich nicht leisten, "die Arbeitszeit von Ärzten und ihren Teams mit Bürokratieaufgaben zu verschwenden", sagte Fox. "Jede Minute fürs Formular fehlt beim Patient."
Arbeitgeber gegen Krankschreibungen erst ab Tag 4
Die Arbeitgeber weisen die Überlegungen der Kassenärztlichen Vereinigung zurück. "Eine pauschale Verlängerung der Karenzzeit würde die Arbeitgeberseite zusätzlich belasten, ohne die strukturellen Probleme zu lösen", sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter.
Diese Position teilt auch Cornelius Neumann-Redlin, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände im Lande Bremen: Bereits jetzt gebe es hohe Krankenstände, diese stiegen durch eine Krankschreibung ab dem vierten Tag noch zusätzlich an. "Die damit verbundenen Zusatzkosten sind das Gegenteil dessen, was die deutsche Wirtschaft in einer momentan schwierigen Lage braucht", sagt er.
Handwerkskammer ist aufgeschlossener
Die Handwerkskammer sieht die Forderung einer späteren Krankschreibung weniger kritisch. Zwar könnten im Handwerk schon ein oder zwei Krankheitstage den Ablauf im Betrieb erheblich beeinflussen, sagt Präses Thomas Kurzke. Deshalb brauche es schon heute einen verantwortungsvollen Umgang. Eine neue Regelung wäre jedoch ein Gewinn für alle Seiten, "wenn es gelingt, Arztpraxen zu entlasten und gleichzeitig das Vertrauen zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten zu stärken."
Die Arbeitnehmerkammer beobachte bereits jetzt, dass vor allem nicht tarifgebundene Betriebe in Arbeitsverträgen eine AU ab dem ersten Tag verlangen. "Dies stellt aus unserer Sicht eine unnötige Belastung sowohl der Beschäftigten als auch der Ärzteschaft und Krankenkassen dar", teilt Hauptgeschäftsführer Peer Rosenthal auf Anfrage von buten un binnen mit. Rosenthal befürworte deshalb, das Gesetz so anzupassen, dass Arbeitgeber dies nicht anlasslos verlangen dürfen. In begründeten Verdachtsfällen des Missbrauchs soll eine derartige Pflicht dennoch möglich sein.
Deutschland hat hohe Krankschreibungsquote
Es ist nicht das erste Mal, dass die Kassenärztliche Vereinigung Ähnliches fordert. Die Chancen könnten allerdings gering sein: Deutschland hat in Europa eine relativ hohe Krankschreibungsquote, und die Arbeitgeber dürften Lockerungen kaum mitmachen. Die Entwicklung geht auch eher in eine andere Richtung: Union und SPD haben im Koalitionsvertrag etwa vereinbart, Online-Krankschreibungen über Plattformen abzuschaffen.
Lohnt es sich zu sehr, krank zu sein?
Quelle: dpa.
Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 13. Oktober 2025, 16 Uhr