Interview
Sparen, aber gestalten: Welche Pläne hat Günthner mit Bremerhaven?
Ein Leben für die Politik: Das ist Bremerhavens neuer Oberbürgermeister
Mit dreimonatiger Verspätung ist Martin Günthner als Oberbürgermeister vereidigt worden. Der SPD-Politiker über Investitionen, Herausforderungen und das Verhältnis zu Bremen.
Herr Günthner, wo wollen Sie als Erstes beweisen, dass Sie für die Stadt einen Unterschied machen?
Erst einmal ist es toll, als Oberbürgermeister in meiner Heimatstadt wirken zu können – für Bremerhaven, die Chancen, die die Stadt ja hat, insbesondere in der maritimen Wirtschaft, wie sich auch am Dienstag im Rathaus mit der Milliardeninvestition, die der Bund macht, nutzen und diese Themen weiter bewegen zu können.
Aber gleichzeitig auch darüber natürlich, ein Stück weit die soziale Spaltung, die wir in der Stadt sehen können, bewältigen zu können. Und daran arbeiten zu können. Das sind dicke Bretter, die gebohrt werden müssen. Aber ich bin überzeugt davon, dass wir gute Möglichkeiten haben.
Sie haben die Milliarden angesprochen: 1,3 Milliarden Euro vom Bund für den militärischen Ausbau des Überseehafens. Wie wollen Sie dafür sorgen, dass eben nicht nur der Hafen oder der Flughafen was davon haben, sondern Bremerhaven insgesamt?
Was den Hafen stärkt, stärkt auch immer Bremerhaven. Das gilt traditionell und das ist natürlich auch weiterhin richtig. Und klar ist eben auch, dass ein Teil der Mittel auch in die Infrastruktur in der Stadt Bremerhaven fließt, in Straßen und Brücken. Weil letzten Endes Hafen und Stadt eng beieinander sind und dementsprechend auch die Güter durch die Stadt abfließen, wenn sie über den Hafen umgeschlagen werden.
Aber Fakt ist auch: Die Stadtkasse ist klamm, da ist kaum was drin. Wo werden Sie denn sagen müssen, "das hätten wir zwar gern, können wir uns aber nicht leisten"?
Wir führen diese Diskussion ja schon. Das hat viel damit zu tun, dass wir häufig auch belastet werden durch das, worauf sich Bund und Länder verständigen. Wenn die sich darauf einigen – was ich richtig finde –, dass es mehr Wohngeld gibt, dann aber die personellen Lasten, die daraus resultieren, bei den Kommunen abladen, geht das zu Lasten der Kommunen. Das ist ja übrigens was, was man nicht nur in Bremerhaven sehen kann, sondern in allen Kommunen in der Republik – in der Stadt Bremen kann man das mit dem Nachtragshaushalt jetzt auch sehen. Insofern braucht es eine bessere finanzielle Ausstattung. Und darüber werden wir natürlich auch mit dem Senat sprechen müssen.
Glauben Sie denn, dass Sie eine bessere Position haben als Ihr Vorgänger, weil Sie 2010 bis 2019 schon mal Senator für Wirtschaft und Häfen waren? Wie sehen Sie Ihren Stand?
Erstmal kenne ich die Stadt Bremen ganz gut. Ich kenne auch die Mentalität der Bremerinnen und Bremer. Ich glaube, dass das ein guter Ansatzpunkt ist, um für Bremerhaven etwas rausholen zu können, in Gesprächen mit dem Bremer Senat. Dabei muss man aber auch immer im Kopf haben, dass beide Städte als Land am gleichen Strang ziehen.
In anderen Bundesländern wäre in keiner anderen Stadt so viel Geld investiert worden, wie das in Bremerhaven in der Vergangenheit der Fall war und auch aktuell der Fall ist. Insofern ist mein Interesse auch, so ein bisschen aus dieser manchmal folkloristischen Auseinandersetzung zwischen Bremen und Bremerhaven herauszukommen.
Und trotzdem geht es darum zu sparen. Wo werden die Bremerhavenerinnen und Bremerhavener das merken?
Es wird in vielen Bereichen gespart werden müssen. Wir sparen ja auch schon erheblich beim Personal in Bremerhaven. Übrigens mehr, als das in Bremen stattfindet. Und es wird auch viele weitere Bereiche treffen.
Wir machen im Moment eine ziemlich detaillierte Aufgabenkritik, weil eines ja klar ist: Wir müssen uns finanzielle Spielräume erarbeiten, damit wir Politik überhaupt gestalten können. Das gilt in Bremerhaven, das gilt in Bremen. Das ist auch meine Aufgabe als Oberbürgermeister.
Was wird Ihre erste Amtshandlung sein?
Ich habe als erste Amtshandlung neue Mitarbeitende vereidigt, was mich natürlich freut. Ganz junge Menschen, die in Bremerhaven anfangen, in der Magistratsverwaltung zu arbeiten. Das zeigt, dass wir attraktiv sind für Nachwuchs. Und Fachkräftesicherung und Nachwuchsgewinnung gehört natürlich auch ganz entscheidend mit zu den Aufgaben, die ein Oberbürgermeister hat.
(Das Interview führte Lea Reinhard für buten un binnen TV. Aufgeschrieben und redigiert hat es Franzi Betz.)
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 1. Oktober 2026, 19:30 Uhr