Infografik
Wo man in Bremen noch Spuren des geteilten Deutschlands findet
Wo man in Bremen Spuren des geteilten Deutschlands findet
Reste der Berliner Mauer, ein Grenzpfahl, Berliner Bären, eine Inschrift: Mahnmale erinnern in Bremen an die Jahre vor der Wiedervereinigung. Die meisten stammen aus Berlin.
Die einstige Grenze zur DDR – von Bremen aus ist sie weit entfernt. Wohl auch deshalb gibt es nicht allzu viele Orte im Zwei-Städte-Staat, die den Betrachter unmittelbar an das geteilte Deutschland erinnern. Jene aber, die es gibt, sind umso geschichtsträchtiger.
Hier sind die Spuren zu entdecken
1 Mauerstücke
Teile der Mauer, die Berlin in zwei Hälften geteilt hatte, sind mittlerweile zum Denkmal geworden: Insgesamt vier solcher Mauerstücke in Bremen erinnern an diese Zeit. Eines steht am Hilde-Adolfplatz in der Überseestadt, eines bei der Berliner Freiheit in der Vahr, eines am Sander-Center in Oslebshausen.
Wohl am prominentesten aufgestellt sind jene Mauerreste am Hauptbahnhof, zwischen der Grünfläche vor dem Übersee-Museum und Straßenbahn-Schienen. Der Berliner Bildhauer Ben Wagin hat daraus ein Kunstwerk gestaltet: Er hat beide Seiten weiß angestrichen. In der Mitte findet sich ein schwarzer Streifen, darauf stehen drei Schlagworte: "Todes", "Mauer" und "Krieg". Darüber hängte eine schwere Eisenkette.
Aufgestellt wurde dieses Mahnmal am 3. Oktober 2010, sagt die Kulturwissenschaftlerin und Stadtführerin Christine Holzner-Rabe: "Im Zuge dieser Aufstellung ist dann auch dieser Platz am Bahnhofsplatz in "Platz der Deutschen Einheit" umbenannt worden", blickt sie zurück.
2 Berliner Bären
Ein ganz anderes Kunstwerk, das an das geteilte Deutschland erinnert, steht in den Wallanlagen auf einer Säule: Ein aus Stein gehauener Berliner Bär. Er wirkt muskulös und ist zugleich zusammengekauert – auffällige Gegensätze.
Geschaffen hat ihn im vergangenen Jahrhundert der Bremer Künstler Ernst Gorsemann. "Hier wollte man in den 1950er Jahren so etwas wie einen Berliner Ort gründen und hat 1955 diesen Berliner Bären aufgestellt", erklärt Holzner-Rabe. Wichtig zu bedenken in diesem Zusammenhang: Die heutige Hauptstadt war damals – weit vor dem Mauerbau im Jahr 1961 – bereits in zwei Hälften aufgeteilt.
Berliner Meilensteine, Kilometersteine und Gedenksteine gibt es auch noch an anderen Orten im Land Bremen. So gibt es einen Kilometerstein mit Bären-Motiv vor der Weserstraße 2 in Bremerhaven.
3 Schriftzug am Deutschen Haus
Wie Gorsemanns Berliner Bär, so stammt auch ein ein auffälliges Zitat am Bremer Marktplatz aus dem Jahr 1955. An der Wand des denkmalgeschützten Deutschen Hauses gegenüber der Bürgerschaft steht in großen weißen Lettern: "Gedenke der Brüder, die das Schicksal unserer Trennung tragen".
Christine Holzner-Rabe sagt, dass dieses Zitat vom damaligen Bürgermeister Wilhelm Kaisen stammt: "Die Mauer war noch nicht gebaut, aber die Trennung in BRD und DDR war politisch eindeutig schon vollzogen. Und mit dieser Inschrift ist an die Menschen gedacht worden, die damals schlecht reisen konnten, und 1961 war ja dann auch Schluss." Denn die Mauer wurde gebaut und die Grenze zwischen Ost- und West-Deutschland mit Grenzpfählen abgesteckt.
4 Grenzpfahl am Osterholzer Friedhof
Einer dieser Grenzpfähle steht heute am Osterholzer Friedhof, direkt vor dem Haupteingang: ein schmaler, viereckiger Beton-Pfosten. Seine Farben sind schon etwas verblasst, aber die schräg aufgemalten schwarz-rot-goldenen Streifen verraten es noch: Dies ist ein Grenzpfosten, der einmal am Übergang zur DDR stand.
"Ganz viele Menschen fahren an diesem Südausgang vorbei. Und deshalb freu ich mich, dass dieses Mahnmal an die Teilung Deutschlands und auch an die Mauertoten jetzt hier an prominenter Stelle erinnert", sagt Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter. Er hat sich dafür stark gemacht, dass dieser Grenzstein hier vor drei Jahren aufgestellt wurde.
Nach der Wende hatte Schlüter in den neuen Bundesländern gearbeitet. Dort ist der Wunsch entstanden, auch in seinem Stadtteil Osterholz daran zu erinnern, dass Deutschland einmal geteilt war. Durch eine Grenze, an der auch Menschen erschossen wurden. Gerade jüngere Leute wüssten das oft gar nicht mehr, sagt er.
Was viele überhaupt vergessen: dass die Widervereinigung friedlich geschehen ist, ohne Waffen, ohne Tote. Und dass das eines der schönsten Ereignisse im letzten Jahrhundert war und wir alle stolz darauf sein können, dass wir ein geeintes Deutschland haben.
Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter
Bremen startet Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 28. September 2026, 8:10 Uhr