Meinungsmelder
Radio Bremen Meinungsmelder: Keine neuen Namen für alte Bremer Straßen
Änderung kolonialer Straßennamen: Skepsis bei Bremer Meinungsmeldern
Allerdings könnten sich viele Befragte mit einem Kompromiss anfreunden: mit Hinweisschildern zu den Hintergründen fragwürdiger Straßennamen.
Etwa 60 Prozent der Radio Bremen Meinungsmelder lehnen das Umbenennen alter Straßen grundsätzlich ab. Das ist das zentrale Ergebnis unserer Befragung vom 11. bis zum 15. Juni. Gut 3.600 Personen haben sich daran beteiligt. Hintergrund unserer Befragung ist die Debatte um die mögliche Umbenennung der Bremer Langemarckstraße. Hier hat der Neustädter Beirat am Donnerstag entschieden, dass es nach langer Diskussion nun doch keine Umbenennung geben wird.
Wie stehen Sie zum Umbenennen von Straßen?
Diejenigen unter den Meinungsmelderinnen und Meinungsmeldern, die gegen die Umbenennung von Straßen gestimmt haben, begründen ihre Ablehnung vorrangig mit zwei Argumenten: Zum einen mit den hohen Kosten sowie dem Verwaltungsaufwand dahinter. Zum anderen damit, dass auch Straßennamen, die heute auf den ersten Blick unpassend erscheinen mögen, wichtig seien für eine gesunde Erinnerungskultur.
Beispielhaft sagt ein 37-jähriger Meinungsmelder aus Hemelingen: "Straßennamen erinnern uns an die Geschichte, wie schlimm oder grausam sie auch war. Verändern führt zu Vergessen."
Ein 62-jähriger Meinungsmelder aus Weyhe führt ein drittes Argument dafür an, an alten Straßennamen festzuhalten: Die Namen sollten bleiben wie sie sind. Das erleichtere insbesondere älteren Menschen die Orientierung.
Argumente gegen das Umbenennen von Straßen
Diejenigen Befragten, die sich für eine Umbenennung von Straßennamen aussprechen, begründen dies häufig mit ihrem Unbehagen, wenn es um Menschen mit nationalsozialistischem Hintergrund geht. Statt an diese Personen zu erinnern, könne man mit einem neuen Straßennamen Menschen ehren, die es tatsächlich verdient hätten.
Exemplarisch sagt eine 54-jährige Meinungsmelderin aus Blumenthal: "Ich befürworte eine Umbenennung von Straßennamen, wenn die Namensgeber für schwere Verbrechen oder menschenfeindliche Ideologien standen. Außerdem können dadurch Persönlichkeiten geehrt werden, die bisher wenig Beachtung gefunden haben."
Argumente für das Umbenennen von Straßen
Als denkbaren Kompromiss zwischen dem Beibehalten und dem Umbenennen eines fragwürdigen Straßennamens erscheint es vielen Befragten, den Namen mit Hinweisen zur historischen Einordnung zu versehen.
Bestehende Bedenken gegen den Straßennamen können durch ein Hinweisschild ausgeräumt werden.
65-jähriger Meinungsmelder aus Bremens Östlicher Vorstadt
Ein buntes Bild ergibt sich bei der Frage danach, wer über mögliche Straßenumbenennungen entscheiden sollte. Etwa ein Drittel der Befragten (33 Prozent) sieht hier die Gesamtbevölkerung einer Stadt gefordert. Ein weiteres Drittel (32 Prozent) hält das für eine Angelegenheit der Anwohnerinnen und Anwohner der betreffenden Straße. Andere Befragte sehen hier Historiker gefordert, wieder welche Zeitzeugen. Schließlich fordern einige Meinungsmelderinnen und Meinungsmelder, dass zur Umbenennung von Straßen spezielle Gremien einberufen werden.
Wer sollte über eine Umbenennung entscheiden?
Kolonialistisches Erbe: Warum Bremer Straßen umbenannt werden sollen
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. Juni 2026, 19.30 Uhr