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Umbenennung – ja oder nein? Streit um Bremer Langemarckstraße endet

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Blick in die Langemarckstraße in der Bremer Neustadt

Umbenennung ja oder nein? Streit um die Bremer Langemarckstraße endet

Die mögliche Umbenennung der Langemarckstraße erhitzt seit Jahren die Gemüter in der Bremer Neustadt (Archivbild). Bild: Radio Bremen | Christian Bordeaux
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Der Neustädter Beirat entscheidet am Donnerstag, ob die Straße ihren vieldiskutierten Namen behält oder umbenannt wird. Wir blicken zurück auf die Geschichte des jahrelangen Ringens.

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Wieso ist der Straßenname überhaupt umstritten?

Der Name der Langemarckstraße erinnert an ein Gefecht aus den Anfangstagen des Ersten Weltkriegs. Im November 1914 scheiterte nahe des belgischen Ortes Langemark (eingedeutscht: Langemarck) eine deutsche Offensive unter hohen Verlusten. Die Oberste Heeresleitung verklärte den Angriff jedoch und behauptete fälschlicherweise, überwiegend junge Soldaten hätten unter dem Gesang des Deutschlandlieds die gegnerischen Stellungen erobert.

Aus dem angeblich heldenhaften und siegreichen Opfergang entwickelte sich der "Mythos von Langemarck", der im Kaiserreich schnell Verbreitung fand. Später vereinnahmten die Nationalsozialisten die Erzählung für ihre Zwecke. Unter anderem, um die deutsche Jugend für ihre Kriegspläne und ihr Ideal vom Heldentod zu begeistern.

Seit wann gibt es eine Bremer Langemarckstraße?

In Bremen legten die Nationalsozialisten im Jahr 1937 in der Neustadt drei Straßenzüge zusammen, um das Langemarck-Gedenken mit einer eigenen Straße zu fördern. Neben der hohen Bedeutung als Verkehrsachse fiel die Wahl auch mit Blick auf die Nähe zur damaligen Technischen Lehranstalt: Bereits 1934 war hier ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Studenten und Lehrkräfte der Anstalt errichtet worden.

Wie lange tobt schon der Streit um die Bremer Langemarckstraße?

Diskussionen gibt es vor allem seit den 1980er-Jahren. Immer wieder forderten zivile Akteure, die Langemarckstraße angesichts ihrer belasteten Vergangenheit und des nationalsozialistischen Bezugs umzubenennen – lange jedoch ohne Erfolg. Im Herbst 2022 aber entschied der Neustädter Beirat einstimmig, die Straße solle künftig den Namen des NS-Widerstandskämpfers und Hitler-Attentäters Georg Elser tragen.

Einen entsprechenden Antrag hatte die gleichnamige Initiative eingereicht. Stein des Anstoßes war der damalige Beginn des Ukraine-Kriegs: Nach Auffassung der Georg-Elser-Initiative ähnelte die "Propaganda in den Medien Russlands", die den Angriff auf die Ukraine rechtfertigen sollte, an den "Mythos von Langemarck". Der Beirat teilte die Argumente und wünschte die Umbenennung der Straße "zum nächstmöglichen Zeitpunkt".

Wie wurde die Entscheidung aufgenommen?

Die amtliche Bekanntmachung sorgte in der Neustadt für Aufsehen. Unter anderem befürchteten Anwohner, dass es zu hohen Ummeldekosten und großem Aufwand – etwa durch Behördengänge – kommen könne. Andere beklagten, in den Beschluss nicht eingebunden worden zu sein, oder betonten ihre Verbundenheit zum alten Straßennamen. Eine Interessengemeinschaft, die sich für den Erhalt der Langemarckstraße aussprach, sammelte für eine Petition mehr als 1.700 Unterschriften.

Nahe der Bremer Hochschule liegt das umgekippte Langemarck-Denkmal.
Das Denkmal, das die Nationalsozialisten im Jahr 1934 errichteten, wurde in den 1980er-Jahren umgekippt. Inzwischen wurde es offiziell umgewidmet und dient als Erinnerungsort. Bild: Radio Bremen | Helge Hommers

Auch Historiker sahen den Beschluss kritisch. Auf Konrad Elmshäuser, den langjährigen Leiter des Bremer Staatsarchivs, wirkten die vorgebrachten Parallelen zwischen Langemarck und dem Ukraine-Krieg "bemüht und sprunghaft, ja konstruiert".

Zudem hob Elmshäuser die Langemarckstraße als "wichtigen Erinnerungsort" an den Ersten Weltkrieg hervor. Dieser gebe Anstoß zur "kritischen Erinnerung" und zum "Einordnen historischer Zusammenhänge".

Warum ist die Straße trotz des Beschlusses immer noch nicht umbenannt worden?

Nachdem auch die zuständige Baudeputation die Umbenennung abgesegnet hatte, lag die Vorlage beim Bremer Senat. Dieser sah jedoch von einem Beschluss ab. Stattdessen forderte der Senat eine stärkere Beteiligung der rund 1.300 Anwohner und Gewerbetreibenden, die von einer Umbenennung der 1,4 Kilometer langen Straße betroffen wären.

Daraufhin entwickelte der Beirat ein entsprechendes Verfahren, in dem Fragebögen versandt und zwei öffentliche Versammlungen abgehalten wurden. Die Auswertung der Bögen und der Austausch bei den Versammlungen sollen die Grundlage für das endgültige und bindende Urteil des Beirats bilden.

Wie fielen die Rückmeldungen zu dem Verfahren aus?

Die Ergebnisse der Fragebögen sind bislang nicht bekannt. Bei den Versammlungen aber ging es vor allem zum Auftakt hoch her. Wenngleich die Diskussionen zwar über weite Strecken gemäßigt abliefen, lieferten sich Befürworter und Gegner teils heftige Wortgefechte.

Dass es schon im Vorfeld zu "hässlichen Auseinandersetzungen" gekommen war, sorgte indes bei der Georg-Elser-Initiative zu einem Umdenken: Weil ihrer Ansicht nach in der Debatte das Andenken an Elser und die bei Langemark gefallenen Soldaten "gegeneinander ausgespielt" werde, zog die Initiative ihren Antrag zurück.

Trotz dieser Kehrtwende ist die Umbenennung der Langemarckstraße aber immer noch nicht vom Tisch. Ein mögliches Stimmungsbild in der Neustadt veranschaulichten jedoch schon mal die Argumentationskarten, die Bürgerinnen und Bürger bei der ersten Versammlung anfertigten: Während die Pinnwand für den Erhalt des Straßennamens mit Notizzetteln übersät war, blieb die Tafel für die Umbenennung weitestgehend leer.

Streit um Straßenumbenennung: Bürger dürfen jetzt mitreden

Die Entscheidung, dass die Langemarckstraße umbenannt werden soll, wurde eigentlich längst getroffen. Doch dann trudelten eine ganze Reihe von Beschwerden ein. Jetzt durften alle dem Beirat ihre Meinung direkt sagen.

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Bild: Radio Bremen

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Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: butenunbinnen.de, Dein Audio-Update, 18. Juni 2026, 06:08 Uhr