Fragen & Antworten
Fast 19.000 Tonnen Bremer Plastikmüll im Jahr – Was passiert damit?
Wissen Bremer, was in den Gelben Sack gehört?
Plastik ist das Sinnbild schlechthin, wenn es um die schädlichen Auswirkungen des Menschen auf die Umwelt geht. Wo landet unser Müll am Ende?
Kommt der Milchkarton jetzt in den Gelben Sack oder doch in den Restmüll? Ist am Ende doch auch egal, der Müll wird doch sowieso nochmal sortiert – könnte man meinen. Deutschland ist bekannt für seine kleinteilige Mülltrennung. Gerade beim Verpackungsmüll lohnt sich das aber.
Wie viel Plastikabfall gibt es in Bremen?
Die Bremer Stadtreinigung spricht für das Jahr 2025 von 18.659 Tonnen Leichtverpackungsmüll von Bremer Haushalten. Dazu zählt alles, was in den gelben Sack kommt. Das sind etwa 32 Kilogramm pro Einwohner. Im Vorjahr war es mit fast 34 Kilogramm pro Einwohner noch deutlich mehr.
Dabei auffällig: Vor allem in den Jahren der Corona-Pandemie war der Leichtverpackungs-Abfall pro Kopf mit bis zu 36,51 Kilogramm in Bremen deutlich höher. Erst 2023 ist er wieder gesunken.
Wer kümmert sich um den Bremer Plastikmüll?
Leichtverpackungsabfälle werden nicht von kommunalen Entsorgungsunternehmen wie der Bremer Stadtreinigung abgeholt und entsorgt, sondern von privatwirtschaftlichen Unternehmen: "Wir arbeiten mit den Dualen Systemen zusammen und regeln Rahmenbedingungen zur Abfuhr", so eine Sprecherin der Bremer Stadtreinigung. Die dualen Systeme sind dafür verantwortlich, die vorgeschriebenen Verwertungsquoten zu erreichen. Mit den dualen Systemen sollen Unternehmen, die Verpackungen in den Umlauf bringen, an der Abholung und Entsorgung der Materialien beteiligt werden. Dazu sind sie seit 2009 verpflichtet.
Die RMG Rohstoffmanagement GmbH ist in Bremen für operative Aufgaben wie die Abholung der gelben Tonnen zuständig. Für die Verwertung des Bremer Plastikmülls ist hingegen das Unternehmen Interzero aus Köln verantwortlich.
Warum ist richtige Mülltrennung so wichtig?
Erfolgreiches Recycling fängt bei uns allen zu Hause an.
Christina Bunnenberg, Pressesprecherin Interzero
Gerade beim Gelben Sack ist die Mülltrennung entscheidend, denn ein möglichst großer Teil des Abfalls soll recycelt werden. Werden Wertstoffe wiederverwendet, müssen sie nicht neu produziert werden, was einen positiven Effekt auf die CO2-Bilanz von Produkten hat. Interzeros Pressesprecherin Christina Bunnenberg betont: "Verpackungen aus Kunststoff, die über den gelben Sack zurück in den Wertstoffkreislauf gegeben werden, werden auch recycelt – sofern das Material dies zulässt."
Sogenannte Fehlwürfe – wenn Müll falsch sortiert wird – erschweren diesen Prozess. Falsch sortierter Abfall geht dem Wertstoffkreislauf verloren und kann nicht mehr wiederverwendet werden. Eine Plastikverpackung im Restmüll wird nicht recycelt, im gelben Sack hingegen schon.
Was gehört in den Gelben Sack – und was nicht?
In den Gelben Sack kommt alles Mögliche an Verkaufsverpackungen. Dazu zählen Tragetaschen, Einwickelfolien, Waschmittel- oder Shampooflaschen, Joghurtbecher, Getränkekartons und Kaffeeverpackungen. Auch Verpackungen aus Metall wie Dosen und Aluminiumschalen kommen in den Gelben Sack.
Kunststoffprodukte wie Eimer, Gießkannen, Waschschüsseln und Abdeckfolien kommen hingegen nicht in den Gelben Sack. Genauso wie Glas, Papier und Windeln.
Was wird aus dem Müll?
Laut Interzero werden die Verpackungen zunächst mit Nahinfrarotscannern sortiert. Dabei entstehen sogenannte Monofraktionen, die vielen als PE, PP und PET ein Begriff sind. Auch weitere Wertstoffe wie Weißblech und Aluminium werden bei diesem Prozess aus dem Abfall getrennt. In Recyclinganlagen werden die Materialien dann zerkleinert, gewaschen, geschmolzen und zu Rezyklaten verarbeitet – das sind Recyclingrohstoffe, die wieder für die Produktion genutzt werden können.
Die Recyclingquote in Deutschland steigt seit Jahren. So wurden 2018 noch weniger als die Hälfte der anfallenden Kunststoffe werkstofflich verwertet. Aktuell liegt die Quote laut Umweltbundesamt bei 70%. Bedeutet allerdings im Umkehrschluss: Fast ein Drittel wird nicht recycelt. Falsch entsorgte Abfälle in der gelben Tonne, die nicht verwertbar sind, werden heute vor allem als Ersatzbrennstoffe in der Industrie verwendet.
Ein Großteil der Verwertung findet in Deutschland und anderen EU-Staaten statt. Nur 0,3% der Verpackungsabfälle werden ins Nicht-EU-Ausland exportiert, zum Beispiel in die Schweiz oder die Türkei. Im Detail unterscheidet sich das aber maßgeblich nach Verpackungsart: Aussortierte Getränkekartonverpackungen zum Beispiel werden zu fast einem Fünftel außerhalb der EU weiterverarbeitet.
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