Nach Kritik: Wie eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie funktioniert

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Blick auf den Eingang einer Psychiatrie in einer Klinik

Nach Kritik: Wie eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie funktioniert

Für eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie bestehen hohe rechtliche Hürden, weil es sich um eine Freiheitsbeschränkung handelt. Bild: dpa | SePp/Shotshop
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Wann eine zwangsweise Unterbringung in der Psychiatrie möglich ist und was sich in der Nachsorge verbessern muss, erklärt ein Bremer Rechtspsychologe.

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Die Gewerkschaft der Polizei sieht dringenden Handlungsbedarf im Umgang mit psychisch auffälligen und straffällig gewordenen Menschen. In mehreren Fällen seien in jüngster Vergangenheit Menschen, die die Polizei in das Klinikum Bremen-Ost gebracht hatte, nach kurzer Zeit wieder entlassen worden. Unter anderem der mutmaßliche Täter, der ein Paar in Bremen-Vegesack in der vergangenen Woche getötet haben soll.

Dietmar Heubrock, emiritierter Professor für Rechtspsychologie an der Universität Bremen, spricht sich dafür aus, dass direkt nach Ende der Zwangsmaßnahme Therapieplätze zur Verfügung stehen.

Was sind die Voraussetzungen für eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie?

"Die Voraussetzungen sind, dass eine akute – und das ist das Entscheidende – Selbst- und/oder Fremdgefährdung vorliegt. Das heißt, wir haben es dabei mit einer Maßnahme zu tun, die gar nicht auf Therapie ausgelegt ist", erklärt Rechtspsychologe Dietmar Heubrock. Dabei gehe es um die Person selber, aber auch alle anderen, die gefährdet sein könnten.

Wann ist eine "akute Gefährdung" gegeben?

Wann eine akute Gefährdung vorliege, dafür gebe es keine festen Regeln, sondern das werde erstmal durch die Kräfte vor Ort entschieden. "Was als akut gilt, ist tatsächlich erstmal nur das, was gegenwärtig wahrnehmbar ist, mehr nicht. In der Regel hat man zu diesem Zeitpunkt auch nichts an Informationen über die Vorgeschichte. Also man weiß dann noch gar nicht, ob die Person möglicherweise mal in psychiatrischer Behandlung war, vielleicht mal eine Therapie ambulant, stationär oder teil-stationär gemacht hat", sagt Heubrock.

Das heißt, es geht wirklich erstmal darum, eine akute Krisenlage zu befrieden, mehr nicht.

Rechtspsychologe Dietmar Heubrock

Weil es sich um eine freiheitsbeschränkende Maßnahme handelt, muss genau abgewogen werden: zwischen der Freiheit des Einzelnen und der Sicherheit des Umfelds oder des Betroffenen selbst.

Was passiert nach Ende der Zwangseinweisung?

"Im Grunde müsste man direkt danach dafür sorgen können, [...] dass nach einer solchen Akutbehandlung wegen Selbst- oder Fremdgefährdung auch sofort ein Anschlusspaket zur Verfügung steht", sagt Heubrock. Das gebe die Gesetzeslage aber nicht ohne Weiteres her.

Der Psychologe weist allerdings darauf hin, dass das auch die freiwillige Mitwirkung des Betroffenen erfordere. Wenn es die nicht gebe, bleibe nichts anderes übrig, als die Person wieder in ihr Umfeld zu entlassen. Man könne versuchen, einen ambulanten Dienst zu organisieren, aber das gehe nicht von heute auf morgen.

Man muss sehen: Zwar ist die akute Krise in dem Moment bewältigt, aber den Menschen geht es mit ihrer Erkrankung ja auch nicht insgesamt besser. Und da fallen sie in ein länger andauerndes Loch.

Rechtspsychologe Dietmar Heubrock

Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) verweist auf die rechtliche Lage: "Sie können jemanden eventuell maximal ein bis zwei Tage festsetzen, aber wenn dann keine Eigen- oder Fremdgefährdung festgestellt wird, haben Sie gar keine gesetzliche Grundlage, ohne richterlichen Beschluss, um jemanden weiterhin zu behalten." Nach einer Entlassung sei ein Netz von sozialer Kontrolle wünschenswert, aber das erfordere sehr viel Personal.

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Wie geht Bremen mit psychisch erkrankten Menschen um?

Bild: Radio Bremen
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Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 1. Juli 2026, 16:40 Uhr