Kommentar
Bremen kann keinen Winter
Herausforderung Winter: Kann Bremen nicht mit Eis und Schnee umgehen?
Wintersturm "Elli" war kein Jahrhundertereignis, sondern ein kurzes Gastspiel. Online-Redaktionsleiter Thorsten Reinhold meint: Bremen ist glimpflich durchgekommen – richtig gerüstet war die Stadt aber nicht.
Ein kurzer Wintereinbruch, ein paar Tage Schnee – und Bremen steht still. Straßenbahnen fahren gar nicht mehr, Busse nur eingeschränkt. Hauptstraßen teils nicht geräumt, Nebenstraßen spiegelglatt. Schulen vorsorglich komplett geschlossen.
Ja, die Schneetage sind weniger geworden. Vor ein paar Jahrzehnten lag an mehr als 20 Tagen im Jahr Schnee, heute sind es noch bis zu neun. Auch Schneefall ist seltener und kürzer. Aber weniger Winter heißt nicht: kein Winter. Wer weiß, dass es noch schneit, muss vorbereitet sein.
Die Stadtreinigung schreibt auf ihrer Seite, innerhalb von drei bis vier Stunden würden die wichtigsten Straßen gestreut. Im zwölf Seiten langen Winterstreudienstkatalog stehen mehrere hundert Straßen, die bei Schnee geräumt werden sollen. Die Zahl der Räumfahrzeuge ist laut Stadtreinigung gleich geblieben.
Reicht die Winterdienst-Planung?
Umso erstaunlicher, dass selbst eine der meistbefahrenen Straßen der Stadt – die Bismarckstraße – am Freitag nicht frei war. Hier klafft eine Lücke zwischen Papier und Realität. Bremen muss besser vorbereitet sein und seine Winterdienst-Planung prüfen, ob sie so wirklich ausreicht.
Alle Schulen wurden geschlossen – eine richtige Entscheidung. Denn man mag sich nicht ausmalen, was los gewesen wäre, wenn Schulverkehr, glatte Straßen und ein stillstehender Nahverkehr zusammengekommen wären.
Auf die Frage, was bei längerem Schneefall passiert, heißt es in einer Antwort an uns: Man sei von November bis April in Rufbereitschaft und mache dann weiter wie bisher. Das klingt nach Durchhalteparole. Die CDU hat jetzt eine Berichtsbitte an den Senat und bringt es auf den Punkt: „Gefühlt haben wir verlernt, wie Winter geht. Einige Zentimeter Schnee – und über Tage fährt nichts mehr. Das ist für eine Großstadt nicht akzeptabel.“
"Vereiste Zuständigkeiten"
Pikant ist auch: Die Ressorts sind sich nicht einmal einig, wer überhaupt für den Winterdienst zuständig ist – Umwelt oder Mobilität? Auf Nachfrage von buten un binnen war unklar, wer denn der CDU antwortet. Vielleicht sollte Bremen genau dort anfangen. Solange Zuständigkeiten vereist sind, kann diese Stadt keinen Winter.
Und doch hatte dieses Wintergastspiel auch eine gute Seite: Entschleunigung. Keine Bahnen, keine Schulhektik, viel Homeoffice. Ein kurzes Durchatmen. Tat gut.
Das eigentliche Problem löst nun das Wetter selbst. Es wird wärmer, der Schnee taut, die Straßen werden frei. Ganz ohne Strategie. Das ist keine Leistung – das ist Glück.
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Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. Januar 2026, 19:30 Uhr