Interview
Moin Alpen: Warum ausgerechnet Bremen einen der größten Ski-Clubs hat
Moin Alpen: Warum ausgerechnet Bremen einen der größten Ski-Clubs hat
Bremen ist flach, oft grau und nicht gerade für Schneesicherheit bekannt. Dennoch gibt es hier viele Skibegeisterte. Ein Interview mit einem von ihnen.
Hendrik Schabacker, zweiter Vorsitzender des Bremer Ski-Club, gibt Einblicke in die Geschichte des Vereins, das Kartoffelschälen in den Alpen und die ökologische Verantwortung des Wintersports. Und er verrät, wo man im verschneiten Bremen am besten Langlaufski fahren kann.
Herr Schabacker, Sie sind seit mehr als 40 Jahren im Vorstand des Bremer Ski-Clubs aktiv. Wie kam ein Norddeutscher wie Sie zu dieser lebenslangen Leidenschaft?
Ich habe den Verein als Jugendlicher auf einer Jugendfahrt kennengelernt und bin dort im Grunde "hängengeblieben". Ich bin damals als Jugendwart eingestiegen, habe dann verschiedene Posten übernommen und bin seitdem aktiv dabei.
Bremen assoziiert man nicht sofort mit Skisport. Warum gründeten Bremer vor mehr als 100 Jahren mitten im Flachland einen Skiclub?
Die Sportbewegung entstand im Grunde schon im 18. Jahrhundert, als die Menschen begannen, ihre Freizeit mit Sport zu füllen. In Bremen gab es dann eine Entwicklung hin zum Ski-Alpin, oft angegliedert an den Deutschen Alpenverein. Die Gründungsmitglieder sind damals mit ihren Skiern in der Straßenbahn nach Ritterhude gefahren, um dort die Abhänge herunterzurutschen.
In Bayern hat man die Berge vor der Tür. In Bremen braucht es dafür wohl eine andere Organisation, oder?
Genau. In Bayern braucht man vielleicht keinen Club, um zum Gebirge zu kommen, da gehört es zum Alltag. Aber in Bremen mussten sich die Leute zusammentun, um überhaupt Skifahren zu können. Daraus ist etwas Großes gewachsen: Heute haben wir 3.500 Mitglieder und organisieren jährlich 45 Skifahrten für mehr als 1.000 Menschen.
Muss man überhaupt in die Alpen fahren um Wintersport zu treiben? Gibt es in Bremen Orte, die sie empfehlen können, wenn mal wieder Schnee liegt?
Für Langlauf ist Bremen, wenn Schnee liegt, auch nicht schlecht. Besonders geeignet sind da Sportplätze. Das sind Orte, die eben nicht geräumt werden und wo der Fußballbetrieb brach liegt – für viele Sportplätze braucht man aber einen Schlüssel und man sollte mit den Betreibern reden. Ich persönlich bin im Bürgerpark unterwegs. Ansonsten kann man am Deich rodeln oder im Bürgerpark an den Brücken auf einem kleinen Kickboard (Schwimmbrett) runterrutschen.
Wie sieht das Vereinsleben heute aus? Es geht ja sicherlich nicht nur um die Abfahrt.
Absolut nicht. Wir haben eine sehr ausgeglichene Alterspyramide. Das reicht vom "Zwergencup" für die kleinsten Kids ab drei Jahren bis hin zu über 80-Jährigen, die noch aktiv Alpin-Ski fahren. Besonders unsere Familienskifahrten sind ein Schwerpunkt. Da sind dann oft zehn Familien in einem Gasthaus. Die Kinder und Erwachsenen trainieren tagsüber getrennt mit unseren Übungsleitern und abends kommt man wieder zusammen.
Sie setzen oft auf Selbstversorgerhütten. Ist das eine reine Kostenfrage?
Es ist vor allem eine soziale Frage. In den großen Hütten wird in Kochgruppen gemeinsam geplant: Wer macht die Spaghetti, wer kauft ein? Bei so vielen Leuten, muss man dann nur einmal für alle kochen.
Es ist wunderbar zu sehen, wenn Kinder in der Großküche auf einmal lernen, Kartoffeln zu schälen, was sie zu Hause vielleicht noch nie gemacht haben. Dieses Miteinander in der Gruppe ist wahnsinnig erfüllend. Alleine Skifahren macht mir persönlich wenig Spaß.
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Winterspaß im Bremer Bürgerpark
Schlittenfahren, Snowboarden oder sogar ein Ski-Lauf waren am Freitag im Bürgerpark angesagt. Der Park hat sich in eine Märchenkulisse verwandelt.
Quelle: Radio Bremen