Ganz ohne Bundesliga-Erfahrung: Das ist Werders neuer Trainer Thioune
Ganz ohne Bundesliga-Erfahrung: Das ist Werders neuer Trainer Thioune
Daniel Thioune soll den krisengeschüttelten SV Werder Bremen aus der Abstiegsregion der Fußball-Bundesliga führen. Dass er Mannschaften entwickeln kann, hat er schon gezeigt.
1 Wie fand Thioune ins Fußballgeschäft?
Bevor Daniel Thioune ins Trainergeschäft einstieg, war er selbst als Fußballer aktiv. Ab 1996 stand der flexibel einsetzbare Stürmer für den VfL Osnabrück auf dem Platz. Mit dem Klub, der seine Heimspiele im Stadion an der Bremer Brücke austrägt, stieg er im Jahr 2000 in die 2. Bundesliga auf und erzielte dort in seiner Premierensaison im Profifußball auf Anhieb zehn Tore in 22 Partien. Den Abstieg in die damals noch drittklassige Regionalliga konnte er mit dieser starken Ausbeute trotzdem nicht verhindern.
Nach sechs Jahren in seiner Heimatstadt Osnabrück schloss sich Thioune 2002 dem Zweitligisten VfB Lübeck an. 2004 ging er nach Ahlen, wo er 2010 seine Karriere beendete. Zu 126 Spielen in der 2. Bundesliga gesellen sich 191 Spiele in der Regionalliga Nord.
2 Welche Trainerstationen hat Thioune vorzuweisen?
Nach einer einjährigen Co-Trainer-Tätigkeit unter dem Ex-Werderaner Arie van Lent bei Rot Weiss Ahlen (2010-2011) arbeitete Thioune ein Jahr als Scout bei Rot-Weiß Erfurt (2011-2012). Im Sommer 2013 kehrte er nach Osnabrück zurück und betreute beim VfL zunächst die U17, dann die U19. Zudem war er beim VfL Osnabrück für die Nachwuchskoordination zuständig.
2017 stieg Thioune zum Cheftrainer der Osnabrücker auf und führte die Mannschaft innerhalb von zwei Jahren in die 2. Bundesliga. Dort gelang dem Aufsteiger aus Niedersachsen eine starke Hinrunde und am Ende der Saison der Klassenerhalt, weswegen der Hamburger SV auf Thioune aufmerksam wurde. Im Sommer 2020 verpflichtete der HSV Thioune als Nachfolger für Dieter Hecking, um mit ihm die Bundesliga-Rückkehr zu realisieren. Als diese Mission im April 2021 zu scheitern drohte, trennten sich die ambitionierten Hamburger von Thioune.
In der Folge übernahm er 2022 den abstiegsbedrohten Zweitliga-Klub Fortuna Düsseldorf, aus dem er einen Aufstiegskandidaten formte und 2024 in der Relegation dramatisch am VfL Bochum scheiterte. Im Oktober 2025 beurlaubte Düsseldorf den studierten Sportwissenschaftler und ersetzte ihn durch den einstigen Werder-Trainer Markus Anfang.
3 Wie lässt Thioune Fußball spielen?
Thioune verlangt temporeichen, vertikalen Kurzpassfußball von seinem Team. "Ich lasse lieber tief als breit spielen", erklärt er seinen Spielstil. Bestenfalls sollen nur wenige Kontakte nach Balleroberung zum Abschluss führen. Trotz des favorisierten Offensivfußballs setzt Thioune gleichzeitig auf eine kompakte und stabile Defensive.
In der Abwehr lässt der 51-Jährige bevorzugt mit einer Viererkette in der Abwehr spielen. So auch zuletzt bei Fortuna Düsseldorf. Festgelegt ist er darauf aber nicht. Auch in Düsseldorf gab es Phasen, in denen er mit Dreierkette und Schienenspielern auf den Außenbahnen spielen ließ. Bei seiner Ankunft in Bremen wollte er sich noch auf keine Formation festnageln lassen.
Ich bin in der Lage, mit der Mannschaft beides spielen zu können.
Daniel Thioune zu seiner Formation
Zum Vergleich: Thiounes Vorgänger Horst Steffen versuchte in Bremen zunächst, eine Viererkette zu implementieren, wechselte im Verlauf der Saison allerdings auf eine Dreierkette. Dieser Wechsel auf die altbewährte Dreier-Verteidigung fand zwar bei der Werder-Mannschaft Anklang, schlug sich aber nicht in besseren Resultaten nieder.
4 Welche Verbindung hat Thioune zu Werder?
Zwischen Thioune und dem SV Werder gab es in der Vergangenheit mehrere Berührungspunkte. Angefangen bei seinem aus dem Senegal stammenden Vater, den Thioune selbst als großen Bremen-Fan bezeichnet. Er selbst hielt es als Kind eher mit dem Nordrivalen, dem Hamburger SV. "Mein erstes Trikot war ein HSV-Trikot", erzählte Thioune einmal.
Als Spieler des VfB Lübeck traf Thioune 2004 im DFB-Pokalhalbfinale auf die Profis des SV Werder – und war drauf und dran, Werder den Weg zum Double zu verbauen. Erst in der Nachspielzeit entschieden die Bremer zu ihren Gunsten und zogen ins Endspiel gegen Alemannia Aachen ein.
Mit Werders zweiter Mannschaft musste sich Thioune hingegen wesentlich häufiger messen. Neunmal lief er gegen die Bremer Reserve auf. Erstmals im September 1997 mit dem VfL Osnabrück, als Thioune beim 4:0 gegen die Mannschaft von Thomas Schaaf eingewechselt wurde. Als Trainer gab es für Thioune noch kein Aufeinandertreffen mit den Werder-Profis, allerdings traf er als Coach je zweimal auf Werders zweite Mannschaft, Werders U19 und Werders U17.
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: buten un binnen, Dein Audio-Update, 5. Februar 2026, 17:42 Uhr