Darum bangt die Bremer Para-Sportlerin Mosel um ihre Karriere

Rollstuhlrugby: Bremer Para-Athletin Mascha Mosel droht Karriere-Ende

Bild: Imago | Beautiful Sports

Mascha Mosel schaffte es im Rollstuhl-Rugby zu den Paralympics, ist Bremens Behindertensportlerin 2024. Doch sie hat ein Problem: Ohne Auto kommt sie nicht zum Training.

Mascha Mosel hat es auf die große Bühne im Rollstuhl-Rugby geschafft. Die 21-jährige Bremerin ist eine von zwei Frauen in der deutschen Nationalmannschaft. Bei der Europameisterschaft wurde sie Vierte und im vergangenen Sommer erfüllte sich in Paris ihr Traum von den Paralympics. Vor zwei Wochen wurde sie zudem als Bremens Behindertensportlerin 2024 ausgezeichnet.

Doch nun steht ihre sportliche Karriere auf der Kippe. Denn sie hat ein Mobilitätsproblem: Ihr fehlt ein Auto. Die Wege zum Training sind für Mosel und ihren Rollstuhl eine echte Belastung. Meist sind diese nicht barrierefrei und die Haltestellen bei Bussen und Bahnen liegen weit entfernt von den Sporthallen.

Es ist sehr frustrierend. Man fühlt sich unselbstständig und machtlos. Und es ist auch unangenehm, immer andere Menschen fragen zu müssen.

Para-Sportlerin Mascha Mosel bei buten un binnen

Mitfahrgelegenheit fällt weg

Mosel studiert in Hannover, hatte bisher eine Mitfahrgelegenheit durch ihren Mitspieler Marco Herbst. Doch der ist im vergangenen Jahr Vater geworden und hat nun die Familie dabei. "Da ist jetzt kein Platz mehr für das ganze Equipment und die Rollstühle", sagt Mosel, "daher kann er mich nicht mehr mitnehmen."

Vor allem möchte Mosel eines: unabhängig sein. Und dafür kämpft die Bremerin bereits seit 2021 mit der Bürokratie-Hölle. Ein eigenes, behindertengerechtes Auto muss her. Das kostet 27.000 Euro. Den Führerschein hat sie, aber es fehlt das Geld. Mosel hatte zuerst eine Förderung beim Arbeitsamt beantragt – die wurde aber abgelehnt.

Rollstuhlrugby-Spielerin Mascha Mosel: "Brauche unbedingt ein Auto"

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Kein Glück bei den Ämtern

Mascha Mosel wirft beim Rollstuhl-Rugby den Ball.
Voll in ihrem Element: Mascha Mosel betreibt seit fünf Jahren Rollstuhl-Rugby. Bild: Imago | Aflosport

"Mit der Begründung, dass man ja nicht weiß, ob ich später am Arbeitsleben teilnehmen kann", erklärt Mosel. Ihre Bewegungen sind gestört, der Grund dafür ist ein Sauerstoffmangel bei der Geburt. Mit 16 Jahren entdeckt sie ihre Leidenschaft für Rollstuhl-Rugby. Und damit sie weiter mit den Besten mithalten kann, stellte Mosel einen neuen Antrag beim Bremer Amt für soziale Dienste.

Doch das Sozialamt hinterfragt Mosels Fahrtauglichkeit und verweist nach Anfrage von buten un binnen darauf, "dass der Fall Mosel unter dem Sozialdatenschutz obliegt. Der sozialmedizinische Dienst beurteilt, ob aktuelle Gutachten auch nach dem Erhalt eines Führerscheins nötig sind."

Mosel hat den Bürokratie-Kampf aufgegeben

Die Bremer Para-Sportlerin Mascha Mosel sitzt strahlend auf der Bühne des GOP Varietés bei der Auszeichnung zur Behindertensportlerin des Jahres.
Mascha Mosel wurde Anfang März bei der Sportgala im GOP-Varieté als Bremens Behindertensportlerin 2024 ausgezeichnet. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Mosel ist frustriert, weil vom Arzt und dem TÜV bereits alles offiziell geprüft worden war. Das Sozialamt erklärte dazu, dass es dem Ärztlichen Dienst selbst obliegt zu entscheiden, ob weitere, ergänzende medizinische Gutachten erforderlich sind. "Ich müsste nochmal zum Neurologen", sagt Mosel: "Die Wartezeit ist sechs bis acht Monate. Ich habe die Geduld verloren."

Auch den Sachbearbeitern sind oftmals die Hände gebunden, das Prozedere ist vorgegeben, kompliziert und komplex und muss bei jedem Fall individuell beurteilt werden. Frust entsteht da auf beiden Seiten, doch für Mosel hängt eben ihre sportliche Karriere an der finanziellen Unterstützung.

Sponsorensuche zunächst erfolglos

Mosel trainiert bei zwei Vereinen in Niedersachsen. Und auch der Behindertensportverband des Landes würde gerne helfen, erklärt jedoch: "Als Landesverband haben wir keine finanziellen Mittel, um Fahrzeuge oder deren Umbau zu finanzieren. Die Förderung von Fahrzeugen – insbesondere von Studierenden – ist leider schwierig." Auch dem Bundesverband fehlen die Mittel.

Mosels letzte Chance ist nun, einen Sponsor zu finden. "Ich habe alle Automarken angefragt, die ich kenne. Aber als Antwort kam, dass die Zahl der Anfragen zu hoch ist und sie es daher nicht machen können." Doch bei der Bremer Sportgala Anfang März, als sie als Behindertensportlerin des Jahres ausgezeichnet wurde, kamen durch einen spontanen Spendenaufruf bereits immerhin 14.000 Euro für Mosel zusammen. Ein Anfang und etwas Hoffnung, dennoch stehen ihr Training und ihre Zukunft in der Nationalmannschaft weiter vor dem Aus.

Bremer Behindertensportverband wünscht sich mehr Förderung

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Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 5. März 2025, 18:06 Uhr