2 von 3 Bremer Drittklässlern scheitern beim Lesen an Mindeststandards
Jedes 2. Bremer Kita-Kind im Vorschulalter spricht nicht gut Deutsch
Viele Kinder im Land Bremen kämpfen mit Lesen, Schreiben und Rechnen. Einige haben kaum Chancen, das Defizit bis zum Ende der Grundschule aufzuholen, zeigt eine neue Studie.
Laut einem Bericht des Bremer Instituts für Qualitätsentwicklung (IQHB) gibt es Sprachprobleme schon im Kita-Alter: Rund die Hälfte, nämlich 49 Prozent der Kinder im letzten Kitajahr spricht nicht richtig Deutsch – ein neuer Rekordwert der vergangenen zehn Jahre. In Bremerhaven sind es sogar 58 Prozent der Kinder. Während diese Sprachförderquote in Bremen im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen ist, ist sie in Bremerhaven zurückgegangen.
Besonders groß sind die Probleme in Stadtteilen, die als sozial benachteiligt gelten: In Gröpelingen sprechen fast drei Viertel der Kinder nicht richtig Deutsch, in Bremerhaven-Lehe sind es zwei Drittel.
Defizite beim Lesen und Rechnen
Diese Sprachprobleme setzen sich in der Grundschule fort: Aus der Studie geht ebenfalls hervor, dass zwei Drittel der Drittklässler im Land Bremen die Mindeststandards beim Lesen nicht erreichen: Ein Drittel davon gilt laut dem Bericht sogar als Risikogruppe. Das heißt: Diese Drittklässler werden den Rückstand mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum Ende der Grundschule nicht aufholen. Etwas besser sind die Ergebnisse in Mathematik: Dort verpasst ein Fünftel die Mindeststandards, ein Drittel gilt als Risikogruppe.
Aus der aktuellen Studie des Bremer Instituts für Qualitätsentwicklung, das dem Bildungsressort unterstellt ist, geht außerdem hervor, dass zwei Drittel der Drittklässler im Land Bremen erhebliche Probleme in Mathematik und Deutsch haben. Die Forscher haben unter anderem getestet, ob die Grundschüler die Mindeststandards in beiden Fächern erreichen.
Zahlen sind ein "Problem", "Armutszeugnis", "alarmierend"
Laut Bremens Bildungssenator Mark Rackles (SPD) können die schlechten Zahlen viele Ursachen haben – das Problem müsse aber offen benannt werden.
Und wir haben ein Problem, wenn über 50 Prozent der Kinder nicht gut Deutsch können.
Mark Rackles (SPD), Bildungssenator
Gemeinsam mit den Koalitionspartnern von Grünen und Linken möchte er sich dafür einsetzen, dass alle Kinder in Bremen in die Kita kommen. Gerade wenn zuhause wenig oder gar kein Deutsch gesprochen wird, müssen die Eltern laut Miriam Strunge, bildungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, besser beraten werden.
Zu den weiteren Maßnahmen gehören laut Rackles unter anderem Sprachcamps und verpflichtende Sprachtests. Die fordert auch die FDP-Fraktion. Deren Bildungspolitiker Fynn Vogt nennt den Bericht ein Armutszeugnis für die Regierung: Der Senat würde den Kindern den Misserfolg mit auf den Weg geben. Die kinderpolitische Sprecherin der CDU, Sandra Ahrens, nennt die Zahlen alarmierend. Man müsse weg von unverbindlichen Angeboten hin zu gezielter Förderung, sagt sie.
Bildungssenator will Durchfallquote deutlich nach unten bringen
Durch den "Vera3"-Test, auf dem die Ergebnisse basieren, wird in der dritten Klasse überprüft, wie viele Kinder den Lernrückstand am Ende der Grundschule vermutlich nicht aufholen können und noch Probleme mit Mathe und Deutsch haben werden. Die Standards werden als Ziele von der Kultusministerkonferenz festgelegt. Sie definieren, was Kinder in einem bestimmten Alter gelernt haben sollen.
Vor Ergebnissen wie den aktuellen warnen Lehrkräfte schon seit Jahren. Für Bremens Bildungssenator Mark Rackles (SPD) dürften die Ergebnisse neuen Druck bedeuten: Er hat sich in seiner "Offensive für die Bildungsqualität" unter anderem vorgenommen, dass bis 2031 deutlich weniger Kinder (30 Prozent) die Mindeststandards in Mathe und Deutsch verfehlen.
Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 23. April 2026, 10 Uhr