Fragen & Antworten
Was kosten Krabbenbrötchen in Bremen, Bremerhaven und der Region?
Fischerei in Bremerhaven: Wie wirtschaftlich ist Krabbenfischen?
2025 waren die Preise für Krabbenbrötchen extrem hoch, doch aktuell hat sich die Lage entspannt. Wie teuer sind sie aktuell? Und warum schwanken die Preise derart? Wir klären auf.
Was kosten Krabbenbrötchen aktuell?
Im Restaurantschiff Klibfisch Backfisch von Roger Klibisch in Bremerhaven kostet das Krabbenbrötchen derzeit 9,50 Euro. Im vergangenen Jahr, berichtet Klibisch, habe er Krabbenbrötchen zeitweise sogar aus dem Sortiment genommen. Um kostendeckend zu arbeiten, hätte er ansonsten 14,50 Euro pro Krabbenbrötchen nehmen müssen.
Mittlerweile sind die Preise für Krabben wieder gesunken. Der Grund: Nach mageren Jahren waren die Netze der Krabbenfischer im vergangenen Herbst wieder voll. Gosch in der Lloydpassage in Bremen verlangt momentan neun Euro für ein Krabbenbrötchen. Dies sei auch der Preis im vergangenen Jahr gewesen.
Bei der Fischbörse Cuxhaven kostet das Krabbenbrötchen derzeit zehn Euro (2025: 14 Euro). Bei Fisch Kante am Dangaster Strand werden neun Euro (2025: zwölf Euro) aufgerufen. Das Fischkontor in Greetsiel verlangt für ein Krabbenbrötchen momentan zehn Euro (2025: zwölf Euro). Verwiesen wird darauf, dass es sich um einen tagesaktuellen Preis handelt. Je nach Einkaufspreis könne der Preis sich auch rasch verändern.
Es gibt daher auch Betriebe, die gar keine Krabbenbrötchen mehr anbieten. Diese Entscheidung hat Jaqueline Martin von Martin's Fisch & Mehr in Bremerhaven für sich getroffen. "Die Preisschwankungen sind mir zu schlichtweg zu groß", so Martin.
Warum gibt es bei den Nordseekrabben so große Preisschwankungen?
Die Nachfrage nach Nordseekrabben ist stets gegeben, doch das Angebot ist es nicht immer. Daher steigen auch die Preise.
Die Erzeugerpreise bei den Krabben waren in den vergangenen Jahren extrem hoch, weil die Mengen so gering waren.
Philipp Oberdörffer, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Fischerei bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Im ersten Halbjahr 2025 seien kaum Krabben gefangen worden, weshalb auch die Erzeugerpreise enorm hoch gewesen seien. Im Herbst sei die Ausbeute dann deutlich besser gewesen.
"Jahreszeitliche Schwankungen sind völlig normal", erläutert Oberdörffer. Im September, Oktober und November werden die meisten Krabben gefangen. Die Krabben, die derzeit verkauft werden, seien entweder direkt in diesem Frühjahr oder bereits im vergangenen Herbst gefangen und anschließend eingelagert worden.
Wie entwickeln sich die Fangmengen bei den Nordseekrabben?
Die Fangmengen schwanken laut einer Auswertung des Thünen-Instituts sehr stark. Im vergangenen Jahr wurden durchschnittlich 31,9 Kilogramm Nordseekrabben pro Fangstunde gefangen.
Laut Institut ist das ein "außergewöhnliches Jahr" gewesen. In den vergangenen 20 Jahren war die Fangmenge lediglich 2010 mit 34,19 Kilogramm pro Fangstunde höher.
Ganz anders sah es noch 2024 aus, als die Ausbeute lediglich bei 7,66 Kilogramm im Durchschnitt lag. Die durchschnittliche Fangmenge lag zuvor letztmals 2016 (4,31 Kilogramm) noch niedriger als 2024.
Warum schwankt die Fangmenge bei den Nordseekrabben derart?
Lara Kim Hünerlage vom Institut für Seefischerei am Thünen-Institut erklärt, dass die Nordseegarnelen, wie die Nordseekrabben eigentlich genannt werden, innerhalb eines Jahres zu ihrer Fanggröße wachsen – und somit vergleichsweise schnell.
Die Fangmenge sei unter anderem abhängig von der Anzahl der Räuberfische. Eine wichtige Rolle spiele hierbei der Wittling.
Die Jungtiere des Wittlings kommen manchmal in Massen in die Nordsee. Diese nutzen das flache und fruchtbare Wasser der Nordsee gerne als ihre Kinderstube. Dadurch entsteht ein großer Fraßdruck auf die Nordseegarnelen, sodass es in solchen Jahren dann nur wenige Krabben gibt.
Lara Kim Hünerlage vom Institut für Seefischerei am Johann Heinrich von Thünen-Institut
Im Jahr 2025 habe es nicht nur weniger Wittlinge, sondern auch weniger Quallen gegeben. Diese sind zuvor im Stadium der Larve ein Räuber der Nordseegarnelen.
Da Nordseegarnelen bereits innerhalb weniger Monate zur Fanggröße heranwachsen und sich ihr Bestand im Wesentlichen innerhalb eines Jahres neu bildet, wirkt sich der Einfluss von Räubern auf Populationsebene besonders kurzfristig und deutlich aus. Laut Hünerlage führt dies zu stärkeren jährlichen Schwankungen im Bestand und erschwert verlässliche Vorhersagen über zukünftige Fangmengen.
Gibt es bei anderen Fischbrötchen ähnliche Preisschwankungen?
Die Preise für Fischbrötchen sind ansonsten weitestgehend stabil. Sie unterliegen nicht derart starken Schwankungen wie die Krabbenbrötchen.
"Bei Fischen wie dem Hering besteht der Bestand immer aus vielen Jahrgängen", erklärt Oberdörffer. "Das heißt, dass der Bestand nicht von heute auf morgen zusammenbricht, sich aber ebenso nicht von heute auf morgen erholt. Bei Krabben geht es deutlich schneller von der einen in die andere Richtung." Zugleich könne beim Hering auch auf andere Fanggebiete ausgewichen werden.
Wenn der Hering in Norwegen schwächelt, kann ich vielleicht nach Schottland gehen. Da gibt es Möglichkeiten, um zu substituieren. Bei der Nordseekrabe besitze ich nicht die Möglichkeit, diese woanders zuzukaufen.
Philipp Oberdörffer, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Fischerei bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Grundsätzlich sei es so, dass die Preise für Fisch immer weiter ansteigen, da auch in den Nachbarländern immer weniger gefischt werde, sodass die Versorgung sinke. Oberdörffer: "Es gibt keinen wirklich günstigen Fisch. Deshalb sollte er sehr bewusst genossen werden."
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. April 2026, 19:30 Uhr