Hintergrund
250 Jahre Unabhängigkeit: Welche Bedeutung die USA für Bremen hatten
250 Jahre Unabhängigkeit: So wichtig waren die USA für Bremen
Die USA werden eigenständig – für Bremen beginnt ein besonderes Zeitalter. Doch noch viel mehr verbindet Bremen und Bremerhaven mit den USA. Die wichtigsten Fakten im Überblick.
Die USA feiern am 4. Juli ihren 250. Unabhängigkeitstag. 1776 erklärten sich 13 britische Kolonien von Großbritannien unabhängig und nannten sich Vereinigte Staaten von Amerika. Bis heute gehören die USA zu den wichtigsten Handelspartnern von Bremen: 2024 hatten sie laut Statistischem Landesamt den größten Anteil am Exportvolumen Bremens. Aber auch auf dem Gebiet der Raumfahrt gibt es wichtige Verbindungen: Der Standort Bremen ist einer der wichtigsten europäischen Partner für das bemannte US-Raumfahrtprogramm.
Begonnen haben die Beziehungen zwischen den USA und Bremen aber schon viel früher: kurz nachdem die Vereinigten Staaten von Amerika unabhängig wurden.
1 Die "goldene Periode des bremischen Handels" beginnt
Nur wenige Jahre nach dem Ende des amerikanischen Ringens um die Unabhängigkeit begann der Transatlantikhandel mit Bremen (1783). Erste Kontakte von Bremer Kaufleuten wurden aber wohl bereits seit Anfang der 1780er Jahre geknüpft. "Die Bedeutung der Handelsverbindung zeigt sich in dem Umstand, dass 1794/1796 anscheinend auf Initiative hoher politischer Entscheidungsträger in den USA ein US-Konsulat in Bremen gegründet wurde, offenbar als eines der ersten in Europa", schreibt Frederic Theis auf Anfrage von buten un binnen. Der Wissenschaftler beschäftigt sich beim Deutschen Schifffahrtsmuseum unter anderem mit diesem Teil der Geschichte. Ab den 1790er Jahren nimmt der Seehandel mit den USA an Fahrt auf.
Der Bremer Bürgermeister Christian Abraham Heineken sprach ab 1795 von der 'goldenen Periode des bremischen Handels'.
Frederic Theis, Deutsches Schifffahrtsmuseum
Auch der frühere Leiter der Abteilung Handelskunde am Bremer Übersee-Museum, Hartmut Roder, schreibt in einem Beitrag zum Sammelband "Bremen und Amerika" aus dem Jahr 2010: "Keine andere europäische Stadt verdankt ihre wirtschaftliche Entwicklung in den letzten 200 Jahren dem Handel mit den Vereinigten Staaten von Amerika so sehr wie Bremen."
2 Bremer Kaufleute in den USA und was sie handelten
1827 wurde ein Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag zwischen den USA und Bremen geschlossen. Er machte einen noch intensiveren Handel möglich, "womöglich nicht zufällig im selben Jahr, in dem Bremen einen neuen seewärtigen Hafen zu bauen beginnt", vermutet Historiker Theis. In der Folge zieht es immer mehr Bremer Kaufleute für ihre Ausbildung oder für die Gründung von Niederlassungen in die USA.
So war es keineswegs verwunderlich, dass sich 1846 rund 176 Bremer Firmen in den USA angesiedelt hatten, was sämtliche europäische Handelsplätze bei Weitem übertraf.
Hartmut Roder, frühere Leiter der Abteilung Handelskunde am Bremer Übersee-Museum, in seinem Beitrag
Aus Sicht Bremens waren die USA "attraktiver Absatzmarkt für Fertigprodukte, Manufakturwaren, Eisenwaren, Textilien", so Theis. Nach Bremen importiert wurden vor allem Tabak, Baumwolle, Reis, Kaffee und Zucker. Güter, von denen viele in Sklavenarbeit produziert wurden und dadurch weißen Händlern Reichtum bescherten. Später wurde auch die Einfuhr von Erdöl wichtig.
3 Die Auswanderung wird zum lukrativen Geschäft
"Zwischen der Mitte des 19. Jahrhunderts und den 1920er Jahren entwickelte sich das Auswanderungsgeschäft zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren für Bremen und Bremerhaven", schätzt man im Auswandererhaus in Bremerhaven. Von den Auswanderern hätten gleich mehrere Branchen profitiert, so zum Beispiel Auswandereragenturen, Ausrüstungsgeschäfte, Gastwirte und Beherbergungsbetriebe und ganz besonders die Reedereien. "Eine Schlüsselrolle spielte der 1857 gegründete Norddeutsche Lloyd. Allein zwischen 1880 und 1924 erwirtschaftete das Unternehmen im Auswanderergeschäft einen Umsatz von rund 325 Millionen Mark", so Simone Blaschka, Direktorin des Auswandererhauses.
Das Auswanderergeschäft hatte auch Einfluss auf einen anderen wichtigen Wirtschaftszweig Bremens: den Schiffbau. "Die steigende Zahl der Auswandernden machte größere und modernere Schiffe erforderlich, während neue und leistungsfähigere Schiffe wiederum mehr Passagiere zu günstigeren Preisen befördern konnten", sagt Blaschka.
4 Wer über Bremerhaven in die USA auswanderte
Bremerhaven entwickelte sich zum zweitgrößten Auswanderungshafen Europas: 7,2 Millionen Menschen begaben sich seit 1830 von hier aus auf die Reise – der überwiegende Teil von ihnen in die Vereinigten Staaten. Anfang der 1850er Jahre gab es die erste große Auswanderungsbewegung: "Da fuhren jährlich über Hunderttausend Menschen aus deutschen Ländern ab, weil sie für sich und ihre Kinder in den Dörfern, aus denen sie kamen, keine Zukunft mehr sahen. Ihr Land war zu klein, um davon leben zu können. In den USA dagegen konnten sie genug Land erwerben – das zuvor den Indigenen genommen worden war", so Blaschka.
Für viele Nachfahrinnen und Nachfahren hat Bremerhaven eine starke symbolische und emotionale Bedeutung. Der Ort steht für den Beginn der Reise ihrer Familie in ein neues Leben.
Simone Blaschka, Direktorin Auswandererhaus Bremerhaven
1881/82 gibt es wegen einer schweren Wirtschaftskrise eine weitere Auswanderungswelle, diesmal sind es vor allem junge Männer und Frauen, die in Übersee ihr Glück suchen. Auch in den 1920er Jahren wandern vermehrt Menschen aus. Aus dem kriegszerstörten Deutschland zog es Familien und Alleinstehende in die USA, ergänzt Blaschka. "Nach dem Zweiten Weltkrieg verließen zudem rund 700.000 Displaced Persons Europa über Bremerhaven. Darunter waren Überlebende der Shoah ebenso wie ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter."
5 So viele Bremens gibt es in den USA
Deutsche Städtenamen in den USA sind laut Simone Blaschka kein ungewöhnliches Phänomen, sondern typisch für die amerikanische Siedlungsgeschichte. In den USA gibt es heute mehr als zehn Orte mit dem Namen "Bremen" oder "New Bremen", kleinere Orte in verschiedenen Bundesstaaten, die Sie sich in unserer Karte näher ansehen können. Heute geben laut Auswandererhaus rund 40 Millionen Menschen in den USA an, deutsche Vorfahren zu haben. Das entspricht etwa zwölf Prozent der Bevölkerung.
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Warum es in den USA so viele Bremens gibt
An der Weser gibt es nur ein Bremen, in den USA jedoch ziemlich viele. Das hat historische Gründe.
Quelle: Radio Bremen