Fragen & Antworten

Wie Assistenzhunde bei chronischen Erkrankungen helfen können

Video

Wie dieser Hund einem Bremer Long-Covid-Erkrankten hilft

Bild: Radio Bremen
Video-Ende

Der Bremer Tobias Meyer ist durch Covid an ME/CFS erkrankt. Mit Labrador Leo bekommt er ein Stück Selbstbestimmung zurück.

buten un binnen bei Google bevorzugen

Leo ist erst der fünfte Assistenzhund, der für ME/CFS (siehe Infokasten unten) in Deutschland ausgebildet wird. Er kann Tobias Meyer Sachen bringen, runtergefallene Gegenstände aufheben, stützen, beim Aufstehen helfen, ihn zu einer Bank führen und erkennt, wenn ein Crash droht. Doch ME/CFS ist nicht die einzige Erkrankung, bei der Hunde das Leben erleichtern.

Was für Assistenzhunde gibt es?

Die bekanntesten Assistenzhunde sind Blindenführhunde. Sie haben sich vor allem nach dem Ersten Weltkrieg verbreitet, da viele Soldaten durch den Krieg erblindet waren. Inzwischen werden Assistenzhunde allerdings für diverse Krankheitsbilder ausgebildet.

Ein Blindenhund führt seinen Besitzer die Straße (um 1927)
Blindenführhunde helfen schon seit über hundert Jahren dabei, Menschen mit Sehbehinderung sicher durch den Alltag zu führen. Bild: Imago | glasshouseimages

Signalassistenzhunde unterstützen Menschen, die schlecht oder kaum hören können, stupsen sie bei wichtigen Geräuschen an oder holen das Handy, wenn es klingelt. Anzeigeassistenzhunde werden beispielsweise bei Epilepsie, Diabetes oder Allergien eingesetzt und warnen ihr Frauchen oder Herrchen rechtzeitig vor kritischen Anfällen. Auch im psychosozialen Bereich gibt es Assistenzhunde. Sie können auf kritische Situationen reagieren, Menschen beruhigen oder die betroffenen Menschen aus psychischen Ausnahmesituationen wie Flashbacks bei Traumata herausholen.

Im Bereich der Mobilität helfen die Hunde unter anderem beim Stützen, beim Holen von Gegenständen oder Öffnen von Türen. Leo hat viele dieser Mobilitätsleistungen gelernt, soll aber auch vor Crashs frühzeitig warnen. Da ME/CFS allerdings ein komplexes Krankheitsbild ist, muss auch hier genau geschaut werden, was das Individuum braucht.

Wie ist die rechtliche Lage?

Assistenzhunde dürfen – wenn sie offiziell anerkannt sind – ihre Menschen überall dorthin begleiten, wo Hunde sonst nicht mit hingehen können. Also beispielsweise in den Supermarkt, zum Arzt oder auch ins Flugzeug.

Tobias mit dem Assistenzhund Leo auf dem Balkon
Leo und Tobias haben ihre Prüfung bei einer ADI-zertifizierten Prüferin abgelegt Bild: Radio Bremen | Mario Neumann

Die Anerkennung ist derzeit allerdings schwierig. Denn: Es gibt keine offiziell zertifizierten Prüfstellen in Deutschland und die Anerkennung ist rechtlich derzeit nur geregelt, wenn die Ausbildung bis zum 30. Juni 2024 abgeschlossen wurde. Betroffene warten bundesweit darauf, dass sich die Politik mit dem Thema befasst und eine entsprechende rechtliche Grundlage ermöglicht. Die Prüfung erfolgte sowohl über die ISO Zertifizierung der Prüferin als auch über die Anerkennung der Ausbildungsstelle seitens des ADI.

Durch die ADI Anerkennung gelten Tobias Meyer und Leo als "im Ausland anerkanntes Team". Außerdem haben sie damit und einer Reihe weiterer Papiere beim Bremer Amt für Versorgung und Integration Bremen (AVIB) die deutsche Anerkennung beantragen können.

Wie kommen Betroffene an einen Assistenzhund?

Nur der Blindenführhund wird derzeit von der Krankenkasse finanziert. Alle anderen Assistenzhunde müssen selbst gezahlt werden. Die Ausbildung und lebenslange Nachbegleitung kostet 50.000 Euro Einen Teil bekommt Tobias Meyer, weil er an einer Assistenzhundestudie teilnimmt. Für den Rest sammelt er Spenden. Auch die gemeinnützigen Ausbildungsstätten selbst wie die "Helfenden Pfoten" sammeln Spenden, um Hunde auszubilden. In einem bestimmten Alter geht ein Assistenzhund außerdem "in Rente". Wo er die verbringen darf, liegt in Verantwortung der Ausbildungsstelle. Ob Leo dann bei Tobias Meyer bleiben kann, ist noch unklar.

Grafik: Bremer Assistenzhunde in Zahlen Quelle: Amt für Versorgung und Integration Bremen Anerkannte Bremer Assistenzhunde seit 2022 Psychische Erkrankungen Diabetes Blindheit MS Anfallsleiden Erschöpfungssyndrom 10 3 2 1 1 1
Bild: Radio Bremen

Wie werden sie ausgebildet?

Die Ausbildung dauert in der Regel bis zu zwei Jahre und kann entweder als Selbstausbildung oder bei Assistenzhundetrainern erfolgen. Die Hunde werden meist als Welpen erstmal artgerecht aufgezogen und lernen einige Grundlagen. Auch Leo verbrachte die ersten 16 Monate mit groß werden und Grundlagen. Erst dann zog er zu einer speziell ausgebildeten Trainerin für Assistenzhunde und lernte dort die Assistenzleistungen. Etwa acht Basisbegriffe – wie beispielsweise "Hol!" – lernt er. Die können dann je nach Bedürfnissen erweitert werden – beispielsweise "Hol Wasser!" oder "Hol Medikamente!".

Welche Hunde sind dafür geeignet?

Zu der Ausbildung zählen auch eine Reihe an Eignungstests. Der Hund muss gesund sein und auch von seinem Wesen her geeignet sein. Wenn sich mit der Zeit zeigt, dass der Hund charakterlich nicht passt, kann die Ausbildung nicht abgeschlossen werden. Dabei kann theoretisch jede Hunderasse als Assistenzhund ausgebildet werden – auch Hunde aus dem Tierschutz können gute Assistenzhunde werden.

Besondere Regelungen gibt es nur bei Hunderassen, die als Qualzucht gelten. Meist wird die Rasse je nach Aufgabe ausgesucht. Beispielsweise werden kräftigere Hunde genommen, wenn Personen besonders viel Hilfe beim Stützen brauchen. Bei Tobias Meyer bestehen zwar Gangunsicherheiten, aber in dem Maß, dass ein Labrador ausreichend stützen kann. Labradore sind vor allem auch für ihr sanftes, ruhiges und bemühtes Wesen bekannt. Insgesamt ist das individuelle Wesen und Training des Hundes allerdings wichtiger als die Rasse.

Mehr zum Thema:

Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 22. Juli 2025, 19:30