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"Junge Räuber" in Bremen: Wer sie sind und wie viele es gibt
"Junge Räuber" in Bremen: jung, kriminell, chancenlos?
Ein Überfall hier, eine Festnahme dort – alle paar Wochen wird in Bremen über "Junge Räuber" berichtet. Dabei handelt es sich um einen ganz bestimmten Personenkreis.
Sie träumen von Deutschland – und landen in der Realität. Unser Reporter János Kereszti hat ein Jahr lang nordafrikanische Flüchtlinge in Bremen begleitet. In diesem Fall: junge Männer, die sich nicht mehr an Recht und Gesetz halten, um sich ein "freies" Leben auf der Straße zu finanzieren.
"Ich wollte einen Job haben. Vernünftig leben. Hat nicht geklappt", sagt einer von ihnen. Ein 23-jähriger Marokkaner, der sich "Sino" nennt. Er sei dann einen anderen Weg gegangen. "Klauen", sagt er. "Klauen, klauen, klauen – zum Überleben."
2020 flüchtete Sino über Frankreich nach Deutschland. Er ist nur geduldet, muss also eigentlich ausreisen. Das geht aber nicht, denn er hat keine Papiere aus der Heimat. Dreimal saß er schon im Gefängnis. "Knast ist besser als eine Flüchtlingsunterkunft", sagt er.
Das Phänomen der "Jungen Räuber" gibt es schon länger in Großstädten. In Bremen seit rund sieben Jahren. Im Viertel, am Hauptbahnhof, zuletzt vor allem an der Schlachte berauben sie Passanten oder handeln mit Drogen.
Seit Herbst 2023 kümmert sich in Bremen sogar eine eigene Sonderkommission um sie: die sogenannte Soko "Junge Räuber". Bis zum Juli 2025 seien durch sie mehr als 1.470 Ermittlungsverfahren bearbeitet worden, sagt Polizeisprecherin Franka Haedke. Davon wurden knapp 970 Fälle aufgeklärt und mehr als 480 Tatverdächtige ermittelt. Damit beträgt die Aufklärungsquote laut Innenressort aktuell 66 Prozent. "Die Ermittlungen unserer 'Soko Junge Räuber' wirken und sind ein Erfolg. Das belegen die aktuellen Zahlen", sagte Innenseantor Ulrich Mäurer (SPD).
Im Zuge verschärfter polizeilicher Kontrollen von Hotspots wie dem Hauptbahnhof oder dem Hillmannplatz seien zudem rund 90 Untersuchungshaftbefehle erwirkt worden. Wie viele rechtskräftige Verurteilungen am Ende auf die Untersuchungshaftbefehle folgen, lässt sich nicht so einfach sagen, da sich viele Verfahren ziehen, teilweise über mehrere Instanzen gehen und es in der Regel keine Verurteilungen innerhalb eines Jahres gibt.
Viele Tatverdächtige kommen aus Marokko und Algerien
"Die meisten Tatverdächtigen haben die marokkanische Staatsangehörigkeit, gefolgt von Algerien, Deutschland und Syrien", sagt Haedke. So seien einige gestohlene Smartphones am Tag nach der Tat auch in Marokko oder Algerien geortet worden. "Das lässt den Schluss zu, dass das Diebesgut in einigen Fällen umgehend ins Ausland verbracht wird", sagt die Polizeisprecherin zu buten un binnen.
Bei den Marokkanern und Algeriern handelt es sich laut der Bremer Polizei häufig um Mehrfachtäter. Diese Gruppe zeige sich für mehr als 50 Prozent der erfassten Taten verantwortlich.
Diese Länderschwerpunkte spiegeln sich auch in einer Kriminalstatistik zu unbegleiteten, minderjährigen Ausländern in der Stadt Bremen wider, die der Senat bereits Mitte 2024 veröffentlicht hatte (siehe Grafik).
Wiederholungstäter unter unbegleiteten minderjährigen Ausländern
Weitere Daten und Fakten teilte der Senat Ende Mai dieses Jahres als Antwort auf eine Kleine Anfrage der CDU in der Bremischen Bürgerschaft mit. Dort fiel der Blick unter anderem auf verurteilte jugendliche Straftäter, die nicht aus der EU stammen. In den Jahren 2019 bis 2021 waren das 43, wobei serbische Jugendliche mit elf Verurteilungen zur größten Gruppe im Land Bremen zählten.
Verurteilte 14- bis 17-Jährige ohne EU-Staatsangehörigkeit (2019-2021)
In den Jahren 2022 bis 2024 waren es dann 53 verurteilte Jugendliche ohne EU-Pass. Wobei 18 von ihnen, und damit die deutliche Mehrheit, aus Syrien stammten.
Verurteilte 14- bis 17-Jährige ohne EU-Staatsangehörigkeit (2022-2024)
Zum Vergleich: Der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik 2024 zufolge gab es im Land Bremen im vergangenen Kalenderjahr fast viertausend Straftaten von jugendlichen und heranwachsenden Tatverdächtigen – inklusive aller Personen mit deutschem Pass.
2.184 dieser Straftaten wurden mutmaßlich von 14- bis 17-Jährigen begangen, 1.737 von 18- bis 21-Jährigen. Rechtskräftig verurteilt wurden an Jugend- und Strafgerichten im Land Bremen von 2022 bis 2024 insgesamt 534 Jugendliche und Heranwachsende.
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. Juli 2025, 19:30 Uhr